06. September 2022 / 13:12 Uhr

Klub im Exil: Leipzig-Gegner Schachtjor Donezk und der Spagat zwischen Krieg und Champions League

Klub im Exil: Leipzig-Gegner Schachtjor Donezk und der Spagat zwischen Krieg und Champions League

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Die Profis von Schachtjor Donezk treten dieses Jahr in der Champions League an.
Die Profis von Schachtjor Donezk treten dieses Jahr in der Champions League an. © IMAGO/GEPA pictures, ANP (Montage)
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Der zehnmalige ukrainische Meister Schachtjor Donezk will sein vom Krieg getroffenes Heimatland durch gute Auftritte in der Champions League stolz machen. Doch allein die logistischen Herausforderungen sind für den ersten Gegner von RB Leipzig immens. 

Eine Heimat hat Schachtjor Donezk schon lange nicht mehr. Vertrieben aus der eigenen Donbass Arena, Gast in Lemberg, Charkiw und zuletzt in Kiew - seit 2014 ist der zehnmalige ukrainische Meister praktisch auf der Flucht. Durch den Angriffskrieg Russlands hat sich die Lage nochmals drastisch verschärft. Ein Abend wie jener mit dem Spiel in der Champions League am Dienstag (21 Uhr/DAZN) bei RB Leipzig soll für ein wenig Ablenkung sorgen - und steht dennoch ganz im Zeichen des Kampfes. "Wie die Soldaten an der Frontlinie haben wir eine Pflicht gegenüber der Ukraine und diese ist es, Fußball zu spielen", sagte Sportdirektor Darijo Srna.

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Der langjährige Kapitän von Schachtjor kennt Krieg und Vertreibung von klein auf. Während des Balkankriegs floh seine Familie aus dem Süden Kroatiens in sicherere Gebiete des Landes. "Wir werden der ganzen Welt zeigen, dass wir noch am Leben sind und auf dem Rasen für die Ukraine kämpfen werden", sagte der 40-Jährige. "Es ist die Zeit, zu überleben, wie eine Familie zu sein und etwas Schönes zu schaffen. Wir werden die Ukraine nicht enttäuschen." Ob das klappt, ist mit Blick auf das rein Sportliche äußerst fraglich.

Kapitän Taras Stepanenko schilderte am Montg die schwierige Vorbereitung auf die Königsklasse. "Man gewöhnt sich an diese Bedingungen. Wenn Luftalarm ist, muss man sich eben in Sicherheit bringen. Ich tue alles für mein Land, was ich kann", sagte der 33-Jährige. Trainer Igor Jovicevic betonte, dass die gegenwärtige Situation das junge Team auch motiviere. "Seit 2014 spielt unsere Mannschaft nicht zu Hause, immer nur auswärts. Es ist sehr schwierig für uns, weil wir aus einem Land kommen, in dem gerade Krieg ist. Aber wir sind sehr stolz, unser Land auf internationaler Bühne zu repräsentieren", sagte der 48-Jährige.

Das Team von Schachtjor hat sich verändert. War die Mannschaft viele Jahre von brasilianischen Profis geprägt, sind nun nahezu alle ausländischen Profis weg. Im Juli kam Mittelfeldspieler Neven Djurasek neu dazu - wie Neu-Trainer Igor Jovicevic aus Kroatien. Im Angriff stürmt Lassina Traoré aus Burkina Faso, der im vergangenen Sommer von Ajax Amsterdam kam. In der Liga ist man nach drei Spielen noch ungeschlagen, doch das Niveau lässt sich ohne internationale Vergleich kaum einschätzen.

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Der Klub will die Bühne Champions League natürlich nutzen, um sich für Frieden in der Heimat einzusetzen. Ob Initiativen oder Spendenaktionen stattfinden können, ist noch offen. "Wir haben dieses Thema noch nicht diskutiert. Leider muss man sich bei Champions-League-Spielen ziemlich streng an die von der UEFA vorgegebenen Richtlinien halten, so dass der Spielraum begrenzt ist", sagte der kaufmännische Direktor Dmitry Kirilenko der polnischen Online-Plattform Sport.Interia.

Um überhaupt in der Königsklasse antreten zu können, nimmt Schachtjor bereits einiges auf sich. Aus dem Exil in Kiew, wo der Klub seit 2014 in einem Luxushotel von Präsident Rinat Achmetow untergebracht ist, zog das Team Anfang August nach Warschau. "Die Mannschaft - Spieler, Trainer, medizinisches Personal - wird in Warschau stationiert sein und zu den Ligaspielen in die Ukraine und anschließend zu den Spielen der Champions League zurückreisen. Aber der Verein, das Büro und der Rest der Leute bleiben in Kiew", sagte Kirilenko.

Logistisch ist alles eine große Herausforderung. "Als wir die Entscheidung getroffen haben, haben wir ausgerechnet, wie viele Kilometer das Team zwischen September und November zurücklegen muss. Das sind etwa 8000 bis 10.000 Kilometer. Und das ohne die Auswärtsspiele in der Champions League, die noch vor uns liegen. Wir haben nur Reisen zu Champions-League-Spielen in Warschau und zu Ligaspielen gezählt", erklärte Kirilenko.

Die Entscheidung für Warschau fiel nicht nur aus logistischen Gründen. "Ich denke, das ist die bestmögliche Lösung für uns. Sie liegt ganz in der Nähe der Ukraine, und außerdem leben viele Ukrainer in Warschau", meinte Kirilenko und hofft in der Königsklasse auch auf die Fans von Legia: "Wir wussten, dass Legia eine große Zahl von Fans hat. Meines Wissens haben etwa 9000 Fans Dauerkarten. Es herrscht eine unglaubliche Atmosphäre bei den Spielen." Im Vertrag steht auch, dass die Tribünen für Legia-Fans geöffnet werden. Dieser Schachzug zahlte sich sofort aus, schon am ersten Tag waren 30 Prozent der Tickets verkauft.

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