21. April 2021 / 11:01 Uhr

Klaus Fischer schreibt "Abstiegs-Brief":  Der FC Schalke wird nie untergehen!

Klaus Fischer schreibt "Abstiegs-Brief":  Der FC Schalke wird nie untergehen!

Klaus Fischer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Idol Klaus Fischer ist enttäuscht von seinem FC Schalke 04.
Idol Klaus Fischer ist enttäuscht von seinem FC Schalke 04. © IMAGO/Horstmüller/Ulrich Hufnagel (Montage)
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Für den SPORTBUZZER schreibt Schalke-Legende Klaus Fischer seinem Herzensklub Schalke 04 nach dem Abstieg einen emotionalen Brief. Er analysiert die Talfahrt, benennt Fehler - macht den Fans aber auch Hoffnung für die Zukunft.

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Mein lieber FC Schalke,
Ich habe für dich gespielt und gearbeitet, ich lebe hier seit 50 Jahren, ich bin Schalker! Aber in dieser Saison hast du mich so richtig enttäuscht. Ich hätte nie gedacht, dass du absteigst, so lange ich noch lebe. Noch vor zwei Jahren haben wir in der Champions League gespielt. Und jetzt? Geht es in die 2. Liga. Den Spielern fehlte der Wille zum Kampf, die Bereitschaft für die Bundesliga alles zu geben und deshalb steigen wir in dieser Saison ab. Die Spieler haben nicht für unseren Verein aufgeopfert. Früher waren unsere Spieler noch unter Tage, später haben sie ihre Werte weitergeben. Schalke stand immer für Leidenschaft – davon war in dieser Saison oft nichts zu sehen.

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Es fing schon in der letzten Saison nach dem Sieg gegen Borussia Mönchengladbach an und es wurde auch in dieser Saison nicht besser. Schuld daran sind viele Personen, die Einkaufspolitik und das Verletzungspech. Aber ich habe auch gemerkt, dass die Mannschaft nicht fit war und dann bleibt man auf Dauer eben ohne Erfolg. Nur über die Fitness kommt der Kampf. Irgendwann war auch das letzte Selbstvertrauen weg und du bist nicht mehr auf die Beine gekommen. Zumal aus meiner Sicht auch falsche Trainer geholt wurden. Einer kannte nicht einmal die Namen unserer Spieler. Warum haben wir nicht Friedhelm Funkel geholt? Ich bin überzeugt, dass er es gemacht hätte. Und er kennt den Abstiegskampf. So einen hätten wir gebraucht.

Doch nicht nur sportlich ging es bergab, auch intern bereiten mir die vielen Probleme Sorgen. Noch immer bin ich der Meinung, dass Clemens Tönnies nicht hätte vom Hof gejagt werden dürfen. Er hat in 25 Jahren viel für dich getan. Auch Peter Peters und Alexander Jobst haben hingeworfen – schwere Rückschläge. Herr Jobst wurde sogar bedroht. Als ich 1980 gesagt habe, dass ich nach der Saison zum 1. FC Köln wechseln wurde, wurde auch ich bedroht und Eier wurden an meine Tür geworfen. Aber was Herr Jobst durchmachen musste, das geht nicht. Das möchte ich an dieser Stelle deutlich sagen: Das sind keine Schalke-Fans!

Apropos Fans: Die haben dir gefehlt in dieser Saison. Mit ihnen im Rücken wärst du nicht abgestiegen, mein lieber FC Schalke. Aber sie werden auch in der 2. Liga zu dir stehen, wie sie es immer taten. Ich habe zuletzt mit vielen Anhängern gesprochen, die 50, 60, 70 Jahre deine Spiele besuchen. Sie alle sind todtraurig, die Enttäuschung ist riesig. Aber es sind nicht nur die Gelsenkirchener. Die ganze Region ist traurig. Viele fahren für dich normalerweise mehrere Hundert Kilometer an Heimspieltagen. Ob die wiederkommen?

Das hängt davon ab, wie du dich in der 2. Liga gibst. Wir brauchen eine schlagkräftige, hungrige Mannschaft. Das wird in der 2. Liga nicht einfach – dort wird oft Fußball zum Weglaufen gespielt. Aber jeder in dieser Liga kämpft bis zum Umfallen. Der FC Schalke besitzt weiter eine enorme Strahlkraft. Das wissen auch die Gegner in der 2. Liga. Gegen uns müssen sie erst einmal bestehen! Aber unsere Spieler müssen nächstes Jahr die Zweikämpfe annehmen und gewinnen!

Auch wenn wir hohe Schulden haben und Spieler verkaufen müssen: Wir brauchen Schalker, die gewinnen wollen. Ich hoffe, dass es ein paar Jungs aus unserer Jugend zu den Profis schaffen. Wir müssen wieder aufsteigen, sonst droht uns ein Schicksal wie dem 1. FC Kaiserslautern, Hannover 96, dem 1. FC Nürnberg oder Rot-Weiss Essen. Aber egal was passiert: Der FC Schalke wird aber nie untergehen!

Klaus Fischer

Klaus Fischer (71) spielte von 1970 bis 1981 bei Schalke 04 und war für den Klub auch nach seiner aktiven Laufbahn in verschiedenen Funktionen tätig. 1972 wurde er mit den Gelsenkirchenern DFB-Pokalsieger. In 334 Pflichtspiel-Einsätzen für Schalke gelangen dem früheren Nationalspieler insgesamt 210 Tore.