05. August 2020 / 07:20 Uhr

Schalke-Aufsichtsrat Huub Stevens über den Tönnies-Rücktritt und die S04-Krise: "Kein Saisonziel setzen"

Schalke-Aufsichtsrat Huub Stevens über den Tönnies-Rücktritt und die S04-Krise: "Kein Saisonziel setzen"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schalke-Aufsichtsrat Huub Stevens (rechts) hat sich über die Krise seines Klubs und den Rücktritt von S04-Boss Clemens Tönnies geäußert.
Schalke-Aufsichtsrat Huub Stevens (rechts) hat sich über die Krise seines Klubs und den Rücktritt von S04-Boss Clemens Tönnies geäußert. © imago images/DeFodi
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Mit Clemens Tönnies hat der FC Schalke 04 mitten in der Krise den stärksten Mann verloren. Der Aufsichtsrats-Boss zog sich beim Ruhrpott-Klub Ende Juni zurück. In der "Sport Bild" hat Aufsichtsratsmitglied und S04-Legende Huub Stevens über das Tönnies-Aus und die künftigen Ziele des finanziell angeschlagenen S04 geäußert.

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Alles auf Anfang beim FC Schalke 04: Nach dem Rücktritt von Aufsichtsratschef Clemens Tönnies Ende Juni, der sich wegen der Krise in seinem Schlachtbetrieb von allen Ämtern zurückgezogen hatten, und der sportlich desaströsen Rückrunde der Bundesliga planen die Königsblauen für die kommende Saison einen Neuanfang - wenn auch aufgrund der finanziellen Probleme einen eingeschränkten. "Wir werden mit der Situation umgehen können. Wir Verantwortlichen müssen uns nun messen lassen, wir müssen jetzt die Ruhe bewahren - und damit ein Vorbild für die Mannschaft sein", gibt Aufsichtsratsmitglied und Ex-Schalke-Trainer Huub Stevens in einem Interview mit der Sport Bild nun die Richtung vor.

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Stevens berichtete von einem Gespräch mit Tönnies vor dessen Rücktritt. Der 64-Jährige war seit 1994 Mitglied des Aufsichtsrats und seit 2001 dessen Vorsitzender. Der Rückzug sei dem ehemaligen Boss schwer gefallen: "Ich habe ihn gefragt: 'Ist es das, was du willst?' Und er antwortete: 'Nein, aber ich kann nicht anders'“, berichtete Stevens. Doch der Vize-Meistertrainer des Jahres 2001 kann die Rücktritts-Entscheidung von Tönnies nachvollziehen: "Er musste es so machen. Auch wenn es ihm unglaublich weh getan hat. Er hat die eine oder andere Träne verdrückt, weil er dem Verein emotional so sehr verbunden ist."

Stevens: Tönnies wollte nie wieder ins Stadion gehen

Tönnies habe laut Stevens in einer ersten Reaktion sogar geplant, nie mehr ins Schalker Stadion, dessen Bau er selbst eingeleitet hatte, gehen zu wollen. "Ich habe ihm gesagt: 'Clemens, das geht nicht! Du bist schon so lange Teil des Vereins, du gehörst dazu'", so der Ex-Coach. Stevens konnte Tönnies offenbar überzeugen. Generell findet der Holländer, dass der Fleisch-Unternehmer gut mit seinem Rücktritt umgegangen sei. "Wie er entschlossen das nun alles geregelt hat, davor ziehe ich meinen Hut."

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Der FC Schalke 04 muss sich nun um andere Baustellen kümmern - wie etwa um die finanziellen Probleme. Trotz des zweithöchsten Umsatzes der Klubhistorie von 275 Millionen Euro wies der Klub einen Jahresfehlbetrag von 26,1 Millionen Euro aus. Dabei sind die Gesamtverbindlichkeiten von 220 Millionen Euro auf 198 Millionen gesenkt worden. Die Corona-Pandemie hat die Finanzlage des Bundesligisten trotz erheblicher Einspareffekte erheblich verschärft. In der vergangenen Woche hatte S04 vom Finanzministerium des Landes Nordrhein-Westfalen die Zusage für die Erteilung einer Landesbürgschaft erhalten. "Natürlich machen wir uns alle Sorgen. Die Situation ist, vor allem finanziell, angespannt", gab Stevens zu.

Stevens fordert: Kein Saisonziel ausgeben

Für die kommende Saison will der Jahrhunderttrainer auch deshalb erst mal gar kein Saisonziel ausgeben. "Wenn der Verein jetzt sagen würde, wir spielen nur gegen den Abstieg, geben wir den Spielern ein Alibi. Wenn wir umgekehrt behaupten würden, wir spielen um die Meisterschaft, setzen wir die Spieler viel zu sehr unter Druck", meinte Stevens. "Lasst uns die ersten Spiele abwarten und gucken, wie es läuft, wenn die Leistungsträger wieder auf dem Platz stehen." Schalke hatte in der Rückrunde eine Serie von 16 Spielen ohne Sieg und beendete die Saison in der Bundesliga auf Rang zwölf.