20. Januar 2021 / 10:00 Uhr

Ewige Dankbarkeit: Deshalb liegt Klaas-Jan Huntelaar Schalke 04 so sehr am Herzen

Ewige Dankbarkeit: Deshalb liegt Klaas-Jan Huntelaar Schalke 04 so sehr am Herzen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Spielte schon einmal erfolgreich auf Schalke: Klaas-Jan Huntelaar.
Spielte schon einmal erfolgreich auf Schalke: Klaas-Jan Huntelaar. © Getty Images (Montage)
Anzeige

Klaas-Jan Huntelaar ist zurück: Der Holländer wird seine Karriere bei dem Verein beenden, der ihm einst aus der größten Krise seiner Karriere half - Schalke 04. Der SPORTBUZZER zeichnet den Weg des 37-jährigen Goalgetters nach.

Anzeige

Klaas-Jan Huntelaar sorgte kurz vor Weihnachten auch in Deutschland für Schlagzeilen. Am 12. Dezember kündigte der langjährige Bundesliga-Star sein Karriereende zum Saisonende an. Er wolle sich nach zuletzt vier Jahren bei Ajax Amsterdam mehr um seine Familie kümmern, sagte Mittelstürmer, um den es hierzulande in den vergangenen Jahren ruhiger geworden war. Nun allerdings ist Huntelaar wieder in aller Munde. Denn der FC Schalke 04 hat den mittlerweile 37 Jahre alten Goalgetter unverhofft verpflichtet. Huntelaar soll mit geballter Erfahrung und möglichst vielen Toren mithelfen, die Knappen vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit zu bewahren.

Anzeige

"Seine Persönlichkeit würde uns enorm gut tun", sagte S04-Trainer Christian Gross bereits im Vorfeld des spektakulären Transfers, der für den leidgeprüften Klub die zweite Rückkehr eines früheren Leistungsträgers nach Sead Kolasinac bedeutet. Gross lobte besonders "Erfahrung und Aura" des Holländers. Schalke-Vorstand Jochen Schneider unterstrich diese Qualitäten noch einmal: "Die Verpflichtung von Klaas-Jan hat zwei zentrale Komponenten: Sportlich sind seine Qualitäten unbestritten, das hat er erst vergangene Woche mit einem Doppelpack erneut unter Beweis gestellt", erklärte er. "Mindestens genauso wichtig sind seine Persönlichkeit, seine große Erfahrung und seine Verbundenheit zu Schalke 04. Letztere demonstriert er mit seiner Rückkehr und dem unbedingten Willen, seinen Teil zur Mission Klassenerhalt beizutragen." Und der frühere Schalke-Spieler Youri Mulder erwartet, dass Huntelaar auch sportlich eine Hilfe sein kann: "Er macht auf mich einen sehr fitten Eindruck, vielleicht den fittesten in den letzten fünf Jahren."

Mehr vom SPORTBUZZER

Dass Huntelaar eine Rückkehr zu Schalke überhaupt ernsthaft in Erwägung zog, liegt natürlich vor allem an der engen Verbindung, die er noch zum Verein hat. Ajax oder Schalke, das sei "als ob du dich zwischen zwei Kindern entscheiden musst", sagte Huntelaar. Insgesamt sieben Jahre lang trug der Strafraum-Stürmer das königsblaue Trikot - und avancierte zum Goalgetter: In der ewigen Torschützenliste des Traditionsvereins ist der "Hunter", wie er nicht grundlos getauft wurde, mit 125 Toren in 240 Einsätzen hinter dem unerreichten Klaus Fischer (210 in 334) Zweiter - noch vor Ikonen wie Ingo Anderbrügge (88 in 353) und Ebbe Sand (103 in 282). Im Schnitt traf der Niederländer alle 152 Minuten - eine Super-Quote für einen Klub, der in der Bundesliga schon in der Vergangenheit nicht immer zur Spitze gehörte.

Huntelaar hat nie vergessen, dass Schalke ihm in der vielleicht schwierigsten Phase seiner Karriere half. Nachdem sein Stern in der Eredivisie bei Heerenveen und Ajax aufgegangen war, wurde der damals 25 Jahre alte und tendenziell spätberufene Stürmer im Januar 2009 für 27 Millionen Euro zu Real Madrid transferiert. Dort hatte er jedoch einen schweren Stand - trotz fünf Landsleuten im Kader (darunter Rafael van der Vaart, Arjen Robben und Ruud van Nistelrooy) fühlte er sich nach eigenem Bekunden "hintergangen". Der Grund: Nach Anlaufschwierigkeiten ohne Tor in den ersten fünf Spielen hatte Huntelaar bei einem gemeinsamen Abendessen mit seinen Oranje-Kollegen aus Spaß gesagt: "Wenn es so weiterläuft, haue ich ab." Wenig später tauchte in der Zeitung Diario AS die Schlagzeile auf: "Huntelaar: Ich will Real verlassen". Den Stürmer enttäuschte das sehr: "Jemand hat mich hintergangen – und ich weiß nicht, warum."

Ob Magath, Rangnick oder Breitenreiter: Huntelaar traf unter allen Trainern

Sechs Monate später war er wirklich weg - trotz eines zuvor unterschrieben Sechsjahres-Vertrages absolvierte er nur 20 Spiele (acht Tore). Er wurde an die AC Mailand verkauft, wo er auch nicht wirklich zurecht kam. In einem Jahr spielte er 30 Mal, schoss sieben Tore. Trotz zwei verkorksten Stationen investierten die damals noch liquiden Schalker - angetrieben von Trainer Felix Magath - 14 Millionen Euro in Huntelaar und bewiesen damit großes Vertrauen. "Ich freue mich auf Klaas-Jan, er wird uns weiterhelfen", sagte Magath damals. Das stimmte, sogar weit über die Amtszeit des Trainers hinaus, die im März 2011 spektakulär zu Ende ging. In den folgenden sieben Jahren war Huntelaar eine der wenigen Konstanten bei S04 - und traf, egal ob unter Magath oder dessen (zahlreichen) Nachfolgern Ralf Rangnick, Huub Stevens, Jens Keller, Roberto di Matteo, André Breitenreiter und Markus Weinzierl.

Schon der Start verlief vielversprechend. In seinen ersten zwölf Bundesliga-Spielen schoss der Mittelstürmer (damals noch an der Seite von Real-Legende Raúl) sieben Tore - nach der Winterpause gelang ihm allerdings nur noch ein Treffer. In seinem zweiten Jahr lief es bedeutend besser, Huntelaar wurde mit überragenden 29 Toren in 32 Einsätzen Torschützenkönig, traf beim 5:1 gegen Köln drei Mal. Insgesamt gelangen ihm zudem sieben (!) Doppelpacks, Schalke wurde guter Dritter hinter Meister Dortmund und den Bayern. Auch in den Folgejahren traf Huntelaar beständig: Zehn Bundesliga-Tore in 2012/13, zwölf in einer von einer Knieverletzung überschatteten Saison 13/14, neun in 14/15, zwölf in 15/16.

"Mein letztes Jahr": Huntelaar verkündete eigenmächtig Schalke-Abschied

Weit weniger erfreulich war die letzte "Hunter"-Saison in Königsblau: 2016/17 war er nur selten so fit, dass er Schalke helfen konnte, Huntelaar traf nur gegen Köln (1:3) und Leipzig (1:1) und musste mit Knieproblemen fast vier Monate pausieren. Während Schalkes neuer Sportchef Christian Heidel überlegte, seinem mittlerweile 33 Jahre alten Star einen neuen Vertrag vorzulegen, ergriff dieser die Initiative. "Das ist mein letztes Jahr auf Schalke", verkündete er vor dem Europa-League-Viertelfinale gegen seinen Ex-Klub aus Amsterdam und übertölpelte damit Heidel. Dieser gestand ein, dass sich die Wege wohl ohnehin getrennt hätten.

Erkennst du dein Bundesliga-Stadion?

Erkennst du dein Bundesliga-Stadion? Zur Galerie
Erkennst du dein Bundesliga-Stadion? ©

Fast vier Jahre später hat sich viel geändert. Heidel ist längst weg - und Schalke hat ein akutes Problem im Sturm. Nicht auszuschließen, dass der mittlerweile 37 Jahre alte Huntelaar nach seiner Rückkehr sogar Stammspieler wäre - anders als bei Ajax. Dorthin war er im Sommer 2017 zurückgekehrt, zuletzt allerdings nur noch Edel-Joker beim niederländischen Spitzenklub. Ein Grund, warum es nun zum erneuten Engagement in Gelsenkirchen kommt. "Natürlich spielt das eine Rolle", sagte Huntelaar vor dem Wechsel bei ESPN, nachdem zuletzt er beim 3:1 gegen Twente Enschede mit einem Doppelpack noch einmal bewiesen hatte, dass er es noch immer kann.