18. September 2020 / 09:36 Uhr

Chefausbilder Elgert über die Jugendarbeit bei Schalke 04 und Transfers von Top-Talenten

Chefausbilder Elgert über die Jugendarbeit bei Schalke 04 und Transfers von Top-Talenten

Roman Gerth
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Chef-Ausbilder Norbert Elgert vom FC Schalke hat viele Talente in der Knappenschmiede zu Profis gemacht, die es in die Weltspitze geschafft haben. Zu ihnen gehören auch die Nationalspieler Leroy Sané und Manuel Neuer vom FC Bayern.
Chef-Ausbilder Norbert Elgert vom FC Schalke hat viele Talente in der Knappenschmiede zu Profis gemacht, die es in die Weltspitze geschafft haben. Zu ihnen gehören auch die Nationalspieler Leroy Sané und Manuel Neuer vom FC Bayern. © imago images/foto2press/Pressefoto Ulmer/Pool/Sven Simon/Montage
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Norbert Elgert, Chefausbilder bei Schalke 04 und Förderer zahlreicher heutiger Stars wie Leroy Sané, spricht im SPORTBUZZER-Interview über die Bedeutung der Knappenschmiede für S04 und den Verkauf von hochtalentierten Eigengewächsen.

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Norbert Elgert, DFB-Trainer des Jahres 2013, ist seit 1996 als Nachwuchstrainer des FC Schalke 04 tätig. In seiner Zeit als A-Jugend-Coach war er Förderer zahlreicher Talente, die nun Nationalspieler sind. Im SPORTBUZZER-Interview spricht der 63-Jährige vor dem Schalker Bundesliga-Auftakt beim FC Bayern über die Folgen der Finanzprobleme auf die Nachwuchsarbeit und den Wandel in der Entwicklung junger Spieler.

SPORTBUZZER: Herr Elgert, der FC Schalke 04 steckt finanziell in einer Notlage. Welchen Einfluss hat das auf die Nachwuchsarbeit des Klubs?

Norbert Elgert (63): Die Rolle der Nachwuchsarbeit auf Schalke war und ist traditionell schon immer groß, und die Knappenschmiede wird sicherlich auch in Zukunft mehr denn je ein wichtiges Standbein unseres Vereins sein – im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten künftig sogar ein noch wichtigeres. Das hat mir unser Sportvorstand Jochen Schneider vor Kurzem in einem persönlichen Gespräch versichert und sehr deutlich zum Ausdruck gebracht.

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Mesut Özil, Julian Draxler und Manuel Neuer begannen ihre Karrieren beim FC Schalke 04. Wer noch? Das zeigt der SPORTBUZZER. ©

Leroy Sané, Julian Draxler, Mesut Özil, Manuel Neuer, Joel Matip, Thilo Kehrer, Sead Kolasinac: Die Liste der bei S04 von Ihnen ausgebildeten Topstars ließe sich noch um einiges verlängern. Die Schalker Nachwuchsarbeit galt stets als vorbildlich – ist das noch immer so?

Wir waren zwischendurch im nationalen Ranking schon ein wenig zurückgefallen, sind aber nun wieder auf einem ordentlichen Weg. Grundsätzlich wichtig allgemein für den S04 und speziell für die Knappenschmiede ist Jochen Schneider. Er ist in diesen schwierigen Zeiten ein absoluter Glücksfall für den Klub. Ich schätze ihn menschlich und fachlich sehr.

Der Verkauf von ehemaligen Jugendspielern hat Schalke schon Millionensummen beschert. Jüngst wechselte Weston McKennie zu Juventus Turin – zunächst per Leihe für 4,5 Millionen Euro. Die Investitionen lohnen sich also nachhaltig.

Ich bin Coach, Trainer und Ausbilder – und kein Geschäftsmann. Schöner wäre es natürlich, wenn viele dieser Ehemaligen noch da wären. Aber Fakt ist, dass die hohen Transfererlöse durch Verkäufe von in der Knappenschmiede ausgebildeten Spielern dem Klub sehr geholfen haben, in manchen Phasen vielleicht sogar notwendig waren.

Inwiefern hat sich der Umgang mit den jungen Spielern gewandelt?

Eigentlich gar nicht so sehr. Ich kenne die Ziele unserer Jungs, unserer Mannschaft und die unseres Klubs. Entsprechend gehen wir miteinander um: menschlich, respekt- und liebevoll, aber auch extrem fordernd und konsequent. Auch der Einfluss von Social Media spielt im Umgang mit den Jugendlichen heutzutage eine immer größere Rolle. Dabei müssen sie lernen, die modernen Medien intelligent und integer zu nutzen. Die Hierarchien in Fußballmannschaften sind deutlich flacher geworden als früher. Dass ein 18- oder 19-Jähriger beim Koffertragen mehr mit anpackt als ein erfahrener Spieler, sollte aber immer noch selbstverständlich sein.

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Deutsche Nachwuchsstars wie Kai Havertz sind momentan eher die Seltenheit. Wie gut ist die Talenteausbildung in Deutschland derzeit?

Meiner Ansicht nach gehören wir in diesem Bereich noch immer zur Weltspitze. Die Entwicklung sehe ich in Deutschland nach wie vor positiv. Es gibt einige Ansatzpunkte, denen ich mich in meinem Buch ‚Gib alles. Nur nie auf‘ auch widme, wieso es zurzeit nicht mehr so viele herausragende deutsche Nachwuchsspieler gibt. Doch das bedeutet eben längst nicht, dass die Nachwuchsarbeit in Deutschland nicht grundsätzlich immer noch hervorragend ist.

Wie bewerten Sie den Sané-Transfer zum FC Bayern?

Positiv für beide Seiten. Leroy ist definitiv eine Bereicherung für die Bundesliga. Ich habe ihm per SMS von ganzem Herzen alles Gute und viel Erfolg in München gewünscht.

Abschließend: Wie schätzen Sie den anstehenden Zweikampf der ehemaligen Schalke-Torhüter Manuel Neuer und Alexander Nübel in München ein?

Ich glaube, dass die Fronten zunächst einmal klar sind. Manuel ist im Moment nicht nur die absolute Nummer eins bei Bayern, sondern inzwischen auch wieder weltweit der Beste. Alex Nübel ist zweifelsohne ein großes Torwarttalent. Er kann viel von Manu lernen und profitieren – und ihn irgendwann vielleicht auch mal herausfordern können.