22. Juli 2022 / 15:12 Uhr

Vieles neu in altbekannter Umgebung: Wie sich Schalke 04 wieder in der Bundesliga etablieren will

Vieles neu in altbekannter Umgebung: Wie sich Schalke 04 wieder in der Bundesliga etablieren will

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schalke 04 will sich nach dem Aufstieg wieder in der Bundesliga etablieren.
Schalke 04 will sich nach dem Aufstieg wieder in der Bundesliga etablieren. © IMAGO/RHR-Foto
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Nach einem einjährigen Intermezzo eine Klasse tiefer ist Schalke 04 zurück in der Bundesliga. Beim Projekt Klassenerhalt setzen die Gelsenkirchener auf eine Generalüberholung ihres Personals. Mit zahlreichen neuen Spielern und einem neuen Trainer soll der erste Schritt in Richtung alter Zeiten gemacht werden.

Mit Meisterschaften kennt man sich bei Schalke 04 auf einmal aus. Im vergangenen Mai gab es die Felge für den ersten Platz in Liga zwei, nun liegt man in der Sommerpause schon wieder auf Titelkurs - zumindest dann, wenn man eine Trophäe an den Shopping-Meister vergeben will. Sportdirektor Rouven Schröder & Co. verpflichteten in den zurückliegenden Wochen bereits elf neue Spieler, drei bislang ausgeliehene Profis wurden zudem fest verpflichtet. Da kann kein anderer Bundesliga-Klub mithalten. Das Motto der Gelsenkirchener lautet nach einem Jahr in der Zweitklassigkeit: Vieles neu in altbekannter Umgebung.

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30 Jahre hatte man in der Bundesliga ununterbrochen zum Inventar gehört, sich in der Champions League gezeigt und zeitweise sogar immer mal wieder an der Schale geschnuppert. Nach einer in allen Belangen desaströsen Saison ging es im Sommer 2021 dann aber eine Liga runter. Schalke bügelte diesen Betriebsunfall aus, wie es wohl nur Schalke kann. Mit Höhen, Tiefen, einem Trainerwechsel auf der Zielgeraden der Spielzeit und immer emotional manövrierte man sich durch das Unterhaus, um am Ende dann doch von ganz oben zu grüßen. Nie mehr 2. Liga also?

Nun ja, derzeit hat das S04 der Gegenwart mit dem S04 aus mancher so ruhmreicher Epoche trotz des Erfolges der vergangenen Saison nicht mehr sonderlich viel gemein. Der Großeinkauf des Sommers verdeutlicht, dass die Verantwortlichen dem letztjährigen Zweitliga-Kader für die Herausforderungen eine Klasse höher nicht in allen Teilen die nötige Qualität attestierten. Die Mittel für die Generalüberholung des Kaders waren aufgrund der immensen Verschuldung des Klubs jedoch einmal mehr gering. Ablösen in Höhe von insgesamt acht Millionen Euro investierte Schröder bislang in die bunte Mischung neuen Personals - also in etwa ein Zehntel dessen, was sich der FC Bayern allein Matthijs de Ligt kosten ließ.

Berücksichtigt man dies, kann sich das Werk des Managers durchaus sehen lassen: Die Aufstiegshelden Rodrigo Zalazar und Thomas Ouwejan sind nach ihren Leihen nun endgültig richtige Schalker. Hinzu kommen Talente wie Tom Krauß und Leo Greiml. Zu den namhafteren Neuverpflichtungen zählen Torwart Alexander Schwolow, der tschechische Nationalspieler Alex Kral, der neue Abwehrchef Maya Yoshida und Sebastian Polter. Letztgenannter soll mit dem ähnlich gebauten Simon Terodde ein Sturmduo bilden oder sich mit dem Schalker Hoffnungsträger um Einsatzzeiten duellieren.

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Im Alter von inzwischen 34 Jahren startet Terodde einen weiteren Anlauf in der Bundesliga und will endlich beweisen, dass er das Toreschießen auf Spitzenniveau genauso beherrscht wie eine Klasse tiefer. Dort ist Terodde mit 172 Treffern der beste Torschütze aller Zeiten. Eine Liga höher klappte es nie so gut. Seine Bilanz: 58 Bundesliga-Spiele, zehn Treffer. Das Optimum aus Terodde und seinen Kollegen herauskitzeln soll indes Frank Kramer. Auch der Trainer ist neu auf Schalke und folgte Mike Büskens nach, der die Mannschaft im Schlussspurt der vergangenen Saison auf Interimsbasis betreut hatte.

"Bei der Auswahl des neuen Trainers wurde genau geschaut, wer zu Schalke passt. Ganz große Namen versprechen nicht gleich Erfolg", sagte Schalke-Ikone Youri Mulder zuletzt im SPORTBUZZER-Interview und blickte auf die Saison voraus: "Das oberste Ziel wird der Klassenerhalt sein. Alles andere wäre doch vermessen. Wir müssen den Wiederaufstieg mit guten Leistungen in der Bundesliga bestätigen – und das ist immer schwierig. Jetzt kommt es drauf an, noch akribischer zu arbeiten."

Prognose des Autors: Viel wird für Schalke davon abhängen, ob und wie lange sich die Aufstiegs-Euphorie konservieren lässt. Sollte der Saisonstart misslingen und das gewohnt unruhige Umfeld nervös werden, dürfte auf den Klub ein knüppelharter Kampf um den Klassenerhalt warten.

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