27. Dezember 2020 / 18:58 Uhr

Kommentar: Darum ist Trainer Christian Gross für Schalke 04 zumindest ein Fünkchen Hoffnung

Kommentar: Darum ist Trainer Christian Gross für Schalke 04 zumindest ein Fünkchen Hoffnung

Tom Vaagt
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Für SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt bringt Christian Gross als Schalke-Trainer vor allem einen Vorteil mit.
Für SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt bringt Christian Gross als Schalke-Trainer vor allem einen Vorteil mit. © Getty Images
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Christian Gross soll Schalke 04 vor dem Abstieg retten. Eine Personalie, die mancherorts für Stirnrunzeln sorgt. Aber: In der momentan so schwierigen Lage bringt der 66-Jährige im Vergleich zu manch anderem Kandidaten einen Vorteil mit, meint SPORTBUZZER-Redaktionsleiter Tom Vaagt.

Ein wenig wirkt es schon wie eine Verzweiflungstat. Christian Gross, 66 Jahre alt und eigentlich schon fast im wohlverdienten Fußball-Ruhestand soll Schalke 04 vor dem Super-GAU bewahren. Ein Mann, der seine Karriere im vergangenen Sommer bereits beendet zu haben schien. Ein Mann, der zuletzt vor rund achteinhalb Jahren im europäischen Fußball als Trainer tätig war. Ein Mann, der außerhalb seines Heimatlandes Schweiz keine großen Trophäen einfuhr. Man könnte diese Liste noch ein wenig fortführen. Aber Gross hat im Vergleich zu manch anderem Kandidaten auch eine Eigenschaft, die sich am Ende vielleicht als Vorteil erweisen könnte: Er hat nichts zu verlieren.

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Gross muss niemandem beweisen, dass er zu Höherem berufen ist oder sich mit seiner Arbeit für potenzielle künftige Aufgaben empfehlen. Allein Schalke zählt auf der Zielgeraden seiner noch einmal wiederbelebten Laufbahn. Kompromisse? Überflüssig. Diplomatie? Unnötig. Eigentlich keine schlechten Voraussetzungen für jemandem, der bei entsprechendem Gesichtsausdruck schon mit einem Schweigen eine gewisse Strenge, Unnahbarkeit und Kompromisslosigkeit ausstrahlen kann.

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Gross ist der Gegenpol zu dem, was Schalke zuletzt nicht mehr geholfen hat. Seine Vorgänger David Wagner und Manuel Baum versuchten es mit moderner Trainingslehre und guten Worten. Gross ist zumindest auf den ersten Blick nur wenig verdächtig, diesen Weg fortzusetzen. Er könnte dem nicht gerade als Musterbeispiel für Disziplin geltenden Team die oft zitierten Grundtugenden einbläuen. Sollte es ihm nicht gelingen, steigt Schalke ab. Und vor allem ein Verantwortlicher wäre gescheitert: Sportvorstand Jochen Schneider.

Der Manager kennt Gross aus gemeinsamen Zeiten beim VfB Stuttgart. Gut ein Jahrzehnt ist das her. Dass Schneider seinen alten Weggefährten nun hervorkramte, dürfte Wasser auf die Mühlen vieler Kritiker sein. Schon lange begleitet den 50-Jährigen der Vorwurf, dass ihm sportliche Kompetenz und auch ein entsprechendes Netzwerk fehlen. Wer es böse mit Schneider meint, dürfte sich vor allem im zweiten Punkt bestätigt sehen. Klar ist: Sitzt der Schuss Gross nicht, wird auch Schneider nicht zu halten sein. Das Risiko liegt allein bei ihm. Der Trainer kann ohne großen persönlichen Druck arbeiten. Das klingt angesichts der prekären Tabellenkonstellation kurios. Aber es kann für Schalke auch ein Fünkchen Hoffnung sein.