06. März 2022 / 21:43 Uhr

Aufstiegsendspurt nach Trainerwechsel: Was Schalke jetzt vorhat, schaffte noch niemand

Aufstiegsendspurt nach Trainerwechsel: Was Schalke jetzt vorhat, schaffte noch niemand

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Nach dem Rauswurf von Dimitrios Grammozis steht Schalke 04 vor einer schwierigen Aufgabe.
Nach dem Rauswurf von Dimitrios Grammozis steht Schalke 04 vor einer schwierigen Aufgabe. © Getty Images/IMAGO/Pakusch (Montage)
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Der FC Schalke 04 trennt sich neun Spieltage vor Zweitliga-Schluss von Trainer Dimitrios Grammozis und hofft dadurch auf "neue Impulse" für das Aufstiegsrennen. Die Historie zeigt aber: Was der Nachfolger schaffen soll, hat bisher noch keiner geschafft.

Der FC Schalke 04 zieht alle Register: Um in der 2. Bundesliga doch noch den direkten Wiederaufstieg zu schaffen, trennt sich der Revierklub auf der Zielgeraden der Saison von Trainer Dimitrios Grammozis. Man erhofft sich davon einen "neuen Impuls", wie die Verantwortlichen am Sonntagmorgen mitteilten. "Die Überzeugung, dass unser avisiertes Ziel, der Aufstieg in die Bundesliga, in der bestehenden Konstellation noch eine ausreichend hohe Wahrscheinlichkeit besitzt, hatten wir nicht mehr", hieß es. Doch wie der Blick in die Vergangenheit zeigt, gehen die Königsblauen damit ein Wagnis ein: Was der Grammozis-Nachfolger schaffen soll, hat noch nie ein Trainer geschafft.

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Dass Klubs den Aufstieg auf der Zielgeraden mit einem Trainerwechsel retten wollen, ist nichts Neues. Allerdings hat seit Einführung der eingleisigen 2. Liga 1992/93 kein Trainer vollbracht, ein Team in den letzten sechs Spielen von Rang sechs zum Aufstieg zu führen. Genau das müsste dem neuen Mann an der Schalker Seitenlinie allerdings gelingen, um den Traum vom direkten Wiederaufstieg zu verwirklichen.

Einige Beispiele gibt es, die den Verantwortlichen in Gelsenkirchen Hoffnung machen können: Zweitliga-Spezialist Friedhelm Funkel etwa übernahm 1996 den MSV Duisburg vier Spieltage vor Saisonende auf Rang vier und führte die "Zebras" letztlich noch als Dritter in die Bundesliga. Kein Wunder, dass Aufstiegsexperte Funkel jetzt laut Bild bei den Schalker Verantwortlichen auf der Kandidatenliste stehen soll. Inspiration könnte der künftige Schalke-Trainer für den Schlussspurt auch bei Martin Andermatt suchen: Der Schweizer übernahm den SSV Ulm 1999 elf Spieltage vor Schluss auf Rang sechs und führte den Klub zum bisher einzigen Mal in die Bundesliga.

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HSV-Trainerwechsel zahlte sich in der vergangenen Saison nicht aus

Gerade in den letzten Jahren scheint sich Konstanz auf dem Trainerstuhl im Bundesliga-Unterhaus allerdings auszuzahlen. 11 der letzten 15 Aufsteiger starteten mit dem späteren Aufstiegscoach in die Saison. Doch auch in der jüngeren Vergangenheit gibt es Beispiele, bei denen ein später Trainerwechsel sich noch ausgezahlt hat: Hannover 96 trennte sich 2017 von Daniel Stendel, nachdem seine Mannschaft nach dem 25. Spieltag auf Rang vier zurückgefallen war. Stendels Nachfolger André Breitenreiter stieg mit den Niedersachsen schließlich als Tabellen-Zweiter auf. Der VfB Stuttgart war 2019/20 nach 18 Spieltagen trotz Favoritenrolle in der Liga nur Dritter. Die Verantwortlichen reagierten und hoben Pellegrino Matarazzo für Tim Walter auf den Cheftrainer-Posten. Der VfB stieg am Ende der Saison als Meister auf und Matarazzo ist bis heute im Amt.

Die Trennung von Grammozis kam am Sonntag für viele Fans trotz der sportlichen Wankelmütigkeit des Schalke-Teams unerwartet. Mit Blick auf die vergangene Saison von Schalkes derzeitigem Aufstiegsrivalen Hamburger SV könnte es aber sinnvoll gewesen sein, nicht noch länger gewartet zu haben: Die Rothosen waren unter Trainer Daniel Thioune im letzten Jahr drei Spieltage vor Saisonende auf Platz vier abgerutscht. Ein Kraftakt in den letzten drei Saisonspielen mit Klub-Ikone Horst Hrubesch als Interimstrainer konnte da nicht mehr verhindern, dass die Rückkehr in die Bundesliga im dritten Jahr in Serie knapp missglückte.