07. August 2019 / 09:54 Uhr

Kommentar: Clemens Tönnies kann die Werte von Schalke 04 nicht mehr glaubwürdig vertreten

Kommentar: Clemens Tönnies kann die Werte von Schalke 04 nicht mehr glaubwürdig vertreten

Sebastian Harfst
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Clemens Tönnies darf Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04 bleiben.
Clemens Tönnies darf Aufsichtsratsvorsitzender des FC Schalke 04 bleiben. © Getty
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Freispruch für Clemens Tönnies! Der Ehrenrat des FC Schalke 04 sieht in der verbalen Entgleisung des Aufsichtsratsvorsitzenden gegenüber Afrikanern keinen Rassismus. Der 63-Jährige muss seinen Platz nicht räumen, lässt sein Amt aber vorübergehend ruhen. Für SPORTBUZZER-Redakteur Sebastian Harfst ist das ein lauwarmer Kompromiss.

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Der FC Schalke 04 hat sich für einen lauwarmen Kompromiss entschieden. Clemens Tönnies lässt sein Amt nach seinen rassistischen Aussagen drei Monate ruhen, ganz trennen wollte sich der Klub von seinem verdienstvollen Regenten dann aber doch nicht. Das Motto: Den Boss ein paar Monate aus der Schusslinie nehmen, bis Gras über die unappetitliche Affäre gewachsen ist.

Diese Strategie, dieses Festhalten am mächtigen Fleischproduzenten birgt jedoch enorme Risiken. Schalke hat sich schließlich überdeutlich in seinem Leitbild gegen Rassismus positioniert. Das Glaubwürdigkeitsproblem, das der Verein nun hat, liegt auf der Hand. Wie soll Tönnies diese offiziell zur Agenda gehörenden Werte jetzt noch glaubwürdig vertreten?

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Clemens Tönnies' Aussagen zeugen von einer tief verankerten Geisteshaltung

Überdeutlich war zudem der Gegenwind, der dem Klubboss aus dem eigenen Verein und dessen Umfeld entgegenschlug. Verdiente Ex-Spieler wie Gerald Asamoah und Hans Sarpei haben sich klar positioniert und verdeutlicht: So etwas gehört sich nicht – weder auf Schalke noch irgendwo anders.

Tönnies‘ törichte und arrogante Vermutungen über Arbeitsmoral und nächtliche Aktivitäten in Afrika sind schließlich nicht nur dummes Gerede gewesen. Sie zeugen von einer tief verankerten, weit verbreiteten Geisteshaltung, in der Afrikaner in alter Manier der Kolonialherren schlicht und einfach nicht ernst genommen werden.

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Umso mehr verwundert die Begründung des Schalker Ehrenrats für die Entscheidung: Der Vorwurf des Rassismus sei unbegründet, gegen das „im Leitbild verankerte Diskriminierungsverbot“ habe Tönnies jedoch verstoßen. Diskriminierung, aber kein Rassismus – diese Argumentation ist aufgrund der Qualität der umstrittenen Aussagen durchaus diskutabel. Es ging in Tönnies‘ Rede schließlich um Ressentiments gegen Menschen aufgrund ihrer Herkunft und Kultur. Näher an der Definition von Rassismus hätte er mit seinen Worten also kaum sein können.

Clemens Tönnies wird weiter unter strenger Beobachtung bleiben

Tönnies bleibt deswegen nur eine Chance, um den Schaden auf Dauer von Schalke fernzuhalten. Er muss glaubhaft vermitteln, dass die Worte aus seiner Festrede doch nicht seine grundsätzliche Geisteshaltung widerspiegeln. Unter strenger Beobachtung wird er trotzdem bleiben. Daran werden auch die drei Monate Pause nichts ändern.

Hier abstimmen: Muss Tönnies beim FC Schalke 04 gehen?

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