12. April 2019 / 06:00 Uhr

Schalke-Trainer Huub Stevens exklusiv: Davor habe ich Tedesco gewarnt

Schalke-Trainer Huub Stevens exklusiv: Davor habe ich Tedesco gewarnt

Andreas Kötter
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Huub Stevens hat seinen Schalker Trainer-Vorgänger Domenico Tedesco vor den Gefahren der Dreifach-Belastung gewarnt.
Huub Stevens hat seinen Schalker Trainer-Vorgänger Domenico Tedesco vor den Gefahren der Dreifach-Belastung gewarnt. © imago images / DeFodi
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Im Interview mit dem SPORTBUZZER spricht S04-Trainer Huub Stevens über Schalker Grundtugenden, Fehler der Vergangenheit und Weichenstellungen für die kommende Saison.

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Abstiegskampf? Da ist Huub Stevens ehrlich. Den habe er beim FC Schalke 04 nicht erwartet. Nicht nach einer Saison, die „Königsblau“ unter Trainer Domenico Tedesco als Vizemeister in der Bundesliga beendet hatte. Jahrhunderttrainer nennen sie den 65-jährigen Niederländer, der den Klub einst zum UEFA-Cup-Sieger (1997) und zweimaligen Gewinner des DFB-Pokals (2001, 2002) gemacht hatte, auf Schalke. Dass er noch einmal auf der Trainerbank Platz nehmen würde, um seinen Klub, in dessen Aufsichtsrat er sitzt, vor dem Abstieg zu retten – auch das hätte Stevens wohl nicht erwartet. Am Freitag (20.30 Uhr, Eurosport Player) geht es gegen Nürnberg darum, einen direkten Konkurrenten hinter sich zu lassen.

SPORTBUZZER: Herr Stevens, mussten Sie lange überlegen, als Schalke Sie um Hilfe gebeten hat?

Huub Stevens: Zunächst einmal hätte ich mir gewünscht, dass es gar nicht so weit gekommen wäre und Domenico Tedesco heute hier sitzen könnte. Aber es ist, wie es ist. Und ja, ich musste zunächst überlegen. Denn die Koffer waren gepackt, meine Frau und ich waren schon so gut wie auf Mallorca. Aber wenn Schalke ruft, hast du letztlich keine Chance. Mein blau-weißes Herz schlägt noch immer. Also habe ich meine Frau angerufen und gesagt: „Ich kann nicht mit, ich muss Schalke helfen!“

Wann haben Sie Anzeichen für eine solche Entwicklung beim FC Schalke 04 gesehen?

Natürlich habe ich Domenico vor der damals für einige Spieler neuen Dreifachbelastung gewarnt. Und ich glaube heute, dass diese Belastung vielleicht unterschätzt worden ist. Aber eine Saison mit Abstiegskampf habe ich nicht erwartet. Natürlich zieht sich auch großes Verletzungspech durch die Saison. Aber spätestens Anfang Februar war zu spüren, wie sehr sich die Mannschaft quälen muss, um überhaupt etwas in Schwung zu kommen.

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Trotz nur eines Sieges in den vergangenen 13 Pflichtspielen hat Schalke noch immer einen kommoden Vorsprung auf die Abstiegsplätze. Oder ist das eine trügerische Sicherheit?

Ich schaue nur auf jedes einzelne Spiel. Und nach dem gewonnenen Spiel in Hannover habe ich den Jungs gesagt, dass das, was wir in der zweiten Halbzeit gespielt haben, nicht der Fußball ist, den ich sehen will. Über diese Leistung war ich mehr enttäuscht als über die beiden Niederlagen geben Bremen und Frankfurt. Natürlich haben die sehr wehgetan. Aber die Jungs haben hier nicht enttäuscht. Im Gegenteil: Ich habe Schritte in die richtige Richtung gesehen. Und ich hoffe, dass die Mannschaft das in Nürnberg bestätigt.

Was kann man von dieser Mannschaft grundsätzlich verlangen?

Ich habe den Jungs gesagt, dass man auf Schalke eines immer von ihnen verlangen kann – dass sie die Tugenden, die auf Schalke gefragt sind, Einsatz, Kampf und Leidenschaft, zeigen und dass alle an einem Strang ziehen. Ich denke, das ist nicht zu viel verlangt.

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Trotzdem mussten Sie zuletzt Spieler, etwa Nabil Bentaleb, wegen Disziplinlosigkeit suspendieren. Wie sehr hat Sie das enttäuscht?

Wenn Spieler Absprachen nicht einhalten, muss ich reagieren. Weil Nabil bei der U23 aber eine gute Trainingseinstellung gezeigt hat, habe ich ihm gesagt: „Die Tür steht für dich so weit offen (Stevens markiert mit Daumen und Zeigefinger etwa fünf Zentimeter; d. Red.), jetzt liegt es an dir, sie ganz aufzustoßen.“ Das hat er getan. Bei mir bekommt jeder eine zweite Chance.

Auch Journalisten?

Auch die. (lacht) Nein, im Ernst, natürlich gibt es manchmal Dinge, die mich stören, wie nun im Zusammenhang mit Nabils Rückkehr in die Mannschaft. Da wird geschrieben, ich hätte ihn nur begnadigt, weil Suat Serdar wegen seiner Gelb-Roten Karte gegen Frankfurt gesperrt ist und nun fehlt. Das stimmt aber nicht! Denn das Trainerteam hat mit Nabil schon zwei Tage vor dem Frankfurt-Spiel gesprochen und ihm in Aussicht gestellt, dass er in der kommenden Woche zurückkommen kann.

Auch nach dem Bremen- bzw. dem Frankfurt-Spiel haben Sie sich über die Medien geärgert...

Ein Journalist hat mich nach der bitteren Niederlage gegen Frankfurt nach der Gelb-Roten Karte für Suat Serdar gefragt. Suat hat aber ein super Spiel gemacht, also habe ich mich vor den Spieler gestellt. Mit dem Journalisten ist die Sache geklärt, natürlich kann er mir wieder Fragen stellen. Das Leben geht doch weiter, wir haben uns wieder die Hand gegeben.

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Wie groß ist der Hype rund um den Fußball insgesamt geworden?

Keine Frage. Facebook, Instagram, Google und was es sonst noch alles gibt, haben natürlich auch den Fußball sehr verändert. Alles ist gläserner geworden, und das hat den Druck deutlich erhöht. Trotzdem glaube ich nach wie vor an Ehrlichkeit und an Leidenschaft. An die Tugenden, die auf Schalke auch heute noch mehr als alles andere gefragt sind.

Den Klassenerhalt vorausgesetzt – was muss in der kommenden Saison geschehen?

Zunächst bin ich nach wie vor fest davon überzeugt, dass Schalke in der kommenden Saison in der Bundesliga spielt. Dieses Vertrauen habe ich. Was dann geschehen muss, das müssen Sie aber Jochen Schneider (Sportvorstand Schalke; d. Red.) fragen.

Aber als Aufsichtsratsmitglied haben Sie doch sicher eine klare Meinung?

Natürlich weiß ich, was jetzt getan werden muss. Allerdings sollte sich nur der Aufsichtsratsvorsitzende öffentlich äußern. Aber glauben Sie mir eins, ich spreche viel mit Jochen Schneider. Und auch er weiß genau, was jetzt geschehen muss.

Könnte sich Schalke einen Abstieg überhaupt leisten, oder würde sogar ein noch tieferer Fall drohen?

Leisten könnte sich Schalke das sicher nicht. Aber welche Wahl hätte man denn? Du kannst dann doch gar nicht anders, als in der 2. Liga weiterzumachen. Aber wie gesagt, ich bin überzeugt, dass es so weit nicht kommt.

Hier abstimmen: Steigt Schalke sogar noch ab?

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