30. Mai 2020 / 06:07 Uhr

Krisen-Duell Schalke 04 gegen Werder Bremen: Deshalb ist es auch ein Spiel um die Existenz

Krisen-Duell Schalke 04 gegen Werder Bremen: Deshalb ist es auch ein Spiel um die Existenz

Frank Hellmann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Sowohl Schalke 04 als auch Werder Bremen machen zurzeit schwere Krisen durch.
Sowohl Schalke 04 als auch Werder Bremen machen zurzeit schwere Krisen durch. © Getty
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Der FC Schalke 04 erlebt derzeit einen ähnlichen sportlichen und wirtschaftlichen Niedergang wie zuvor Werder Bremen – nun treffen die Klubs in der Bundesliga im Duell der Krisen-Klubs aufeinander. Wer kann sich durchsetzen und so den freien Fall stoppen?

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Für Nostalgiker hatte die Corona-Unterbrechung der Bundesliga auch etwas Gutes. Sehr bald blieb öffentlich-rechtlichen Anstalten oder privaten Streamingdiensten gar nichts anderes übrig, als das Fußballinteresse mit dem Griff in die Konserve zu stillen. Anhänger des SV Werder Bremen durften in der Erinnerung schwelgen, wie 2004 Ailton mit der Meisterschaftsschale weinte oder Mesut Özil 2009 das Siegtor im Pokalfinale schoss. Fans des FC Schalke 04 konnten bewundern, wie 1984 der nicht volljährige Olaf Thon bei einem 6:6 im Pokal gegen den FC Bayern auftrumpfte oder 2001 eine Meisterschaft über die Videowand verloren wurde.

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Nun stehen sich im Notbetrieb diese beiden Klubs in ähnlichen Notlagen gegenüber. Schalke gegen Werder (Samstag, 15.30 Uhr) ist aus doppelter Betrachtung ein Geisterspiel um die Existenz. Weil sich wirtschaftliche Nöte mit sportlichen Sorgen in einer vertrackten Gemengelage verflechten. Die Königsblauen kämpfen mehr gegen die Pleite, die Grün-Weißen eher gegen den Abstieg. Wobei Gelsenkirchen gerade mitten in der Pandemie als erster Krisenherd wahrgenommen wird: Der Klub ist seit zehn Spielen ohne Sieg und als schwächstes Rückrundenteam auf direktem Wege in die zweite Tabellenhälfte. Sportvorstand Jochen Schneider musste schnell seinem Trainer David Wagner das Vertrauen über das Saisonende hinaus aussprechen. „Wir werden gemeinsam mit David Wagner zur neuen Saison diesen roten Faden wieder aufnehmen und damit weitermachen, wo wir im Januar, Februar unterbrochen wurden“, sagte Schneider am Donnerstag bei Sky. Aber die Halbwertszeit solcher Aussagen ist bekannt.

Bei Schalke entspricht nur die Entlohnung des Spielers internationalen Maßstäben

Unwidersprochen wird Schalke zudem als jener Klub gehandelt, der am dringendsten auf die von DFL-Chef Christian Seifert herausgehandelte Vorabzahlung der Medienpartner angewiesen war. Auf 200 Millionen Euro türmen sich die Verbindlichkeiten. Die letzte Bilanz fürs Geschäftsjahr 2019 wies bei 275 Millionen Umsatz einen Fehlbetrag von 26 Millionen aus. Irgendwie scheint stets eine Europapokalteilnahme als Luftbuchung eingepreist, dabei entspricht internationalen Maßstäben allein die Entlohnung des Kaders. Bei 123 Millionen lagen allein Personalkosten. Gehälter von 4 Millionen Euro und mehr kassiert manch Mitläufer.

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass der für Finanzen zuständige Geschäftsführer Peter Peters in der Liga-Organisation den Aufsichtsrat führt, es aber nicht schafft, seinem Klub wirtschaftliche Stabilität einzuimpfen. Aufsichtsratschef Clemens Tönnies ist mitten in der Corona-Krise erneut mit der Idee um die Ecke gekommen, die Profiabteilung aus dem Verein zu lösen. Angeblich ist der Klub 814 Millionen Euro wert. Aber wer investiert in ein Fass ohne Boden? Schwer vorstellbar, dass rund 150.000 traditionsbewusste Anhänger den Weg für einen Investoreneinstieg freimachen.

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Werder Bremen versucht verzweifelt, den Anschluss wieder herzustellen

Die Bremer kennen solche Probleme. Sie haben nach den fetten Champions-League-Jahren – das letzte Spiel in der Königsklasse fand im Dezember 2010 statt – verzweifelt versucht, den Anschluss wieder herzustellen. Aber irgendwann dämmerte ihnen, dass der Standort vorher sportlich größer geworden war als er wirtschaftlich sein konnte. Jahrelanger Abstiegskampf begleitete den Konsolidierungskurs. Unter Frank Baumann, Kapitän der Doublegewinner 2004, wollte Bremen wieder internationale Ziele anstreben. Mit Eigengewächs Florian Kohfeldt steht immerhin der „Trainer des Jahres 2018“ auf der Kommandobrücke. Doch diese Saison ähnelt einem Albtraum. Zu viele Verletzte, zu wenige Punkte. Eine Flut von Gegentoren, ein Weserstadion als Selbstbedienungsladen.

Noch vor dem Virus war Werder für den sportlichen Erfolg ins wirtschaftliche Risiko gegangen, muss nun einen KfW-Kredit aufnehmen. Der zweite Abstieg nach 1980 würde den Verein finanziell ganz, ganz hart treffen. Zuletzt gab es immerhin fußballerisch einen zarten Aufwärtstrend. Schalke gilt nun als Schlüsselspiel. Nach wie vor beteuern die Verantwortlichen unverdrossen, dass am Ende des Weges der Klassenerhalt stehen wird. Notfalls auch in einer Relegation. Dann aber am liebsten gegen den HSV. Noch so ein Verein, der in den Wiederholungen aus der guten, alten Zeit während der Zwangspause ziemlich oft vorgekommen ist.