27. November 2020 / 11:13 Uhr

Tönnies-Nachfolger Buchta spricht über Krise – Darum muss Schalke 04 sich mit der 2. Liga befassen

Tönnies-Nachfolger Buchta spricht über Krise – Darum muss Schalke 04 sich mit der 2. Liga befassen

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Schalkes Aufsichtsratschef Jens Buchta hat sich zur momentanen Krise seines Klubs geäußert.
Schalkes Aufsichtsratschef Jens Buchta hat sich zur momentanen Krise seines Klubs geäußert. © Copyright RHR-FOTO, Tim Rehbein, Karsten Rabas
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Suspendierungen, Vertragsauflösungen und Kritik an den Verantwortlichen: Beim FC Schalke 04 waren die letzten Tage turbulent. Nun meldet sich der neue Aufsichtsratsvorsitzende Jens Buchta zu Wort - und mahnt zur Besonnenheit. Er nimmt auch die Sportliche Leitung um Vorstand Jochen Schneider und Trainer Manuel Baum in die Pflicht.

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Seit 150 Tagen ist Jens Buchta der neue Aufsichtsratsvorsitzende des FC Schalke 04. Der 57 Jahre alte Nachfolger von Clemens Tönnies hat von diesem kein leichtes Erbe übernommen und sieht sich mit einer beispiellosen Krise konfrontiert. Nach dem 0:2 gegen den VfL Wolfsburg stürzten die Knappen am vergangenen Wochenende auf den letzten Platz in der Bundesliga. Was folgte, war Chaos: mit sofortiger Wirkung trennte S04 sich von seinem Kaderplaner Michael Reschke, suspendierte Amine Harit sowie Nabil Bentaleb und gab die Vertragsauflösung mit Vedad Ibisevic zum Jahresende bekannt. Der wirtschaftlich schwer angeschlagene Traditionsverein befindet sich in einer Krise. Buchta mahnt zum Zusammenhalt - auch, weil vereinzelt schon Fans ihrem Ärger Luft machten.

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"Wir sind in einer ganz schwierigen Situation, die uns möglicherweise bis zum letzten Spieltag unter Druck setzen wird", sagte der Vorsitzende des Kontrollgremiums in einem am Freitag auf der Vereinshomepage veröffentlichten Interview. "Aber alle, denen Schalke 04 wichtig ist und unser Verein am Herzen liegt, müssen bis zum letzten Spieltag alles für den Klassenerhalt tun." Gerade in der aktuellen Schieflage "müssen wir noch enger zusammenrücken und für diesen großartigen Verein einstehen", so Buchta weiter.

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Er nimmt auch die sportlich Veranwortlichen um Sportvorstand Jochen Schneider und Trainer Manuel Baum in die Pflicht: "Der Aufsichtsrat erwartet jetzt vom gesamten sportlichen Bereich, zunächst alles dafür zu tun, bis zum Jahresende eine Ausgangsposition zu schaffen, die uns die Möglichkeit zum Klassenerhalt bietet." Unter Baum könne man zwar "Ansätze der Besserung" erkennen, es reiche allerdings noch nicht, um dies in Ergebnisse umzumünzen.

"Planung eines Zweitliga-Szenarios ist standardmäßige Anforderung"

Gemeinsam habe man so "in der Vergangenheit viele kritische Situationen bewältigt", sagte Buchta und versprach: "Das muss und wird uns auch diesmal gelingen." Der 57-Jährige, der nach den Skandalen seines Vorgängers in den vergangenen Monaten eher zurückhaltend agierte, erklärte indes auch, dass man sich mit einem möglichen Abschied auseinandersetzen muss. "Die Planung eines Zweitliga-Szenarios ist bei unserem Tabellenplatz eine standardmäßige Anforderung der DFL im Lizenzierungsverfahren, so dass der Vorstand sich damit beschäftigen muss", erklärte Buchta, der bereits seit 2006 im Aufsichtsrat von S04 sitzt.

Die wirtschaftlichen Herausforderungen, mit denen der klamme Klub sich konfrontiert sieht, seien "enorm". Die Gründe dafür? Vielschichtig. "Das wurde zum Teil durch mehrmaliges Verfehlen des internationalen Geschäfts verursacht", sagte er. "Die Wucht, mit der uns die Corona-Pandemie getroffen hat, war aber nicht vorauszusehen und hat die Lage deutlich verschärft. In den Jahren meiner Mitgliedschaft im Aufsichtsrat war der Fußball immer ein Wachstumsgeschäft. Damit ist es - wahrscheinlich auch in der näheren Zukunft - vorbei."

Bezüglich einer seit vielen Jahren von manchen geforderten Veränderung der Rechtsform von einem eingetragenen Verein hin zu einer eingetragenen Genossenschaft der Profi-Abteilung lieferte der Aufsichtsratschef indes eine klare Ansage. "Schalke 04 ist wirtschaftlich weiterhin so stark, dass wir keinen Schnellschuss benötigen. Gleichwohl ist es aber die Pflicht von Vorstand und Aufsichtsrat, Konzepte für die Zukunft zu entwickeln. Dabei geht Qualität vor Zeit", so Buchta, der am Ende dieses Prozesses schon aus Satzungsgründen unbedingt eine Mitgliederbefragung sieht.