30. Juni 2020 / 16:38 Uhr

Kommentar: Tönnies war nicht mehr tragbar – Schalke kann den Ruin nur gemeinsam verhindern

Kommentar: Tönnies war nicht mehr tragbar – Schalke kann den Ruin nur gemeinsam verhindern

Heiko Ostendorp
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Beim FC Schalke muss man jetzt zusammenstehen, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp - allerdings ohne Clemens Tönnies.
Beim FC Schalke muss man jetzt zusammenstehen, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp - allerdings ohne Clemens Tönnies. © Getty Images/images imago/Noah Wedel/Nordphoto (Montage)
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Schalke 04 befindet sich nach einer der turbulentesten und unerfreulichsten Spielzeiten der Klubgeschichte in einer sportlichen und wirtschaftlichen Krise. Der Malocherklub muss jetzt zusammenstehen, meint RND-Sportchef Heiko Ostendorp. Der zurückgetretene Klubchef Clemens Tönnies war längst nicht mehr tragbar.

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Wer schon einmal in der Veltins-Arena, im ehrwürdigen Parkstadion oder gar an der legendären "Glückauf-Kampfbahn" zu Gast war, der weiß, was Fußball auf Schalke bedeutet. Wenn das "Steigerlied" erklingt, Zehntausende aus voller Kehle "Königsblauer S04" grölen und "Die Legende vom Schalker Markt" anstimmen, ist Gänsehaut für jeden außerhalb von Dortmund garantiert.

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Der stolze Malocherklub hat in seiner 116-Jährigen Vereinshistorie vieles erreicht, Helden geboren und so viele wunderbare und verrückte Geschichten geschrieben wie kaum ein anderer Verein in Deutschland. Und er hat mindestens so viele Schlammschlachten, Schicksale und Tragödien erlebt – der "Meister der Herzen" bleibt unvergessen.

Mehr als einmal stand der S04 vor dem sportlichen und finanziellen Ruin, zog sich aber immer irgendwie aus dem Sumpf und schaffte es, doch wieder Siege zu holen, Triumphe zu feiern. Das Vereinsmotto "1000 Freunde die zusammenstehen" hat dabei oft geholfen. Doch wo sind diese Freunde eigentlich jetzt? Draufhauen kann jeder, anpacken sollte der eigentlichen Mentalität entsprechen.

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Millionenbürgschaft? Gehaltsobergrenze? Beides wäre ein Armutszeugnis

Am morgigen Mittwoch ist D-Day. Eine Generalabrechnung ist angekündigt, der Ausgang völlig offen. Schalkes oberster Boss, Clemens Tönnies, der am Dienstag von allen Ämtern zurückgetreten ist, war längst nicht mehr tragbar. Seine persönliche Saison begann mit einer rassistischen Entgleisung und endete mit einem Corona-Skandal in seiner Fleischfabrik. Er wurde auf Schalke nur noch geduldet, weil man finanziell am Tropf des Milliardärs hing. Dennoch war klar: Will der Klub auch nur einigermaßen zu seinen Werten stehen und glaubwürdig bleiben, war Tönnies´ Ende unausweichlich.

Doch selbst das kann nur der Anfang sein. Von einer Millionenbürgschaft des Landes NRW über 30 bis 40 Millionen Euro ist die Rede. Von einer eigens eingeführten Gehaltsobergrenze von maximal 2,5 Millionen Euro. Beides wäre ein Armutszeugnis für einen so großen Verein, eine komplette Bankrotterklärung. Von der Fragwürdigkeit einer solchen Landesbürgschaft zu Coronazeiten mal ganz abgesehen.

Das sportliche Desaster wurde bislang nicht mal erwähnt. 16 Spiele ohne Sieg überlebten in der Bundesliga erst elf Trainer vor David Wagner – der letzte war Jürgen Klopp in Mainz. Vielleicht ist dieser kuriose Fakt der einzige Schalker Strohhalm. Und die Tatsache, dass ausgerechnet Erzrivale Borussia Dortmund 2005 "im Vorraum der Pathologie lag" (Lieblingszitat BVB-Boss Aki Watzke), vor der Insolvenz stand und 15 Jahre später so mächtig dasteht wie nie zuvor, der allerletzte Hoffnungsschimmer. Willkommen beim FC Schalke 2020. Traurig, aber wahr.