27. Dezember 2020 / 21:04 Uhr

Routinier mit harter Hand: So tickt der neue Schalke-Trainer Christian Gross

Routinier mit harter Hand: So tickt der neue Schalke-Trainer Christian Gross

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Christian Gross hat bereits Al-Ahli (links), den VfB Stuttgart (Mitte) und den FC Basel trainiert.
Christian Gross hat bereits Al-Ahli (links), den VfB Stuttgart (Mitte) und den FC Basel trainiert. © Getty Images/dpa/Montage
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Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider bekommt seinen Wunschkandidaten für den Trainerposten. Der Schweizer Christian Gross soll Schlusslicht S04 noch zum Klassenverbleib in der Bundesliga führen. Doch wie tickt der frühere Bundesliga-Coach des VfB Stuttgart? Der SPORTBUZZER stellt den 66-Jährigen vor.

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Für die Rettungsmission im Abstiegskampf setzt der FC Schalke 04 auf Erfahrung: Der Schweizer Christian Gross, der seine Karriere als Fußballlehrer im vergangenen Mai eigentlich schon beendet zu haben schien, soll den Tabellenletzten der Bundesliga vor dem Absturz bewahren. Bei den Königsblauen hat der 66-Jährige einen Vertrag bis Saisonende unterzeichnet.

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Der Schweizer ist in dieser Saison bereits der vierte Verantwortliche auf der Bank der Gelsenkirchener - nach David Wagner, Manuel Baum und Interimstrainer Huub Stevens. Gross soll zunächst nur ein geringes Grundgehalt beziehen, dafür aber im Falle des Klassenerhalts eine üppige Prämie kassieren. Er gilt als Mann mit harter Hand. In seiner Heimat holte er mit den Grashoppers aus Zürich und dem FC Basel insgesamt sechs Meisterschaften und fünf Pokalsiege. 1997 war er bei seinem Engagement bei den Tottenham Hotspur der erste Schweizer Trainer in der englischen Premier League.

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RND-Sportchef Heiko Ostendorp kennt Gross noch aus seiner Zeit als Reporter für die Schweizer Tageszeitung Blick. Im Fußball-Podcast "Eine Halbzeit mit ..." erinnert sich Ostendorp an den damaligen Trainer des FC Basel: "Er war dort damals eine Legende und vergleichbar mit Otto Rehhagel zu seiner Werder-Zeit. Mir wurde damals von den Kollegen nahegelegt, dass Gross ein sehr spezieller Charakter ist. Er pflegt zu Journalisten selten ein freundschaftliches Verhältnis. Nie unfreundlich, aber sehr distanziert und nichtssagend."

Auf einer Reise zu einem Champions-League-Qualispiel habe Gross vor dem Abflug den Journalisten einmal ein kurzes Statement gegeben. Und dabei sprach der Basel-Coach Schweizerdeutsch. "Ich hatte mit der Übersetzung so meine Schwierigkeiten. Ich habe etwas falsch aufgeschrieben. Und das fand Gross nicht so witzig", erinnert sich Ostendorp: "Er hat aber ab diesem Zeitpunkt immer Hochdeutsch gesprochen - nur meinetwegen. Wir hatten dann noch eine gemeinsame Zeit und dann haben wir uns nach seiner Entlassung später in Stuttgart wieder getroffen."

Fuss erinnert sich an Gespräch mit Gross

Auch Sky-Kommentator Wolff Fuss hatte bereits Kontakt mit dem neuen Schalke-Coach - damals noch in Stuttgart zu Champions-League-Zeiten. "Das war ein ganz interessantes Trainergespräch. Geführt habe ich es mit ihm nach einer Pressekonferenz auf dem Weg zum Trainingsgelände. Das sind etwa 300, 400 Meter. Das war das kürzeste Trainergespräch in der Geschichte - nach drei Minuten war Schluss. Und gesagt hat er praktisch nichts. Das war das mit Abstand inhaltsloseste Gespräch, das ich jemals geführt habe", berichtet Fuss.

Sein bisher einziges Bundesliga-Engagement hatte Gross von 2009 bis 2010 für zehn Monate beim VfB Stuttgart. Die Schwaben steuerte er damals aus der Abstiegszone bis in die Europa League. "Da hat er einen sensationellen Job gemacht", betonte Ostendorp. Doch Gross musste dann nach einem Fehlstart in die neue Saison gehen. In Stuttgart lernte Gross auch Jochen Schneider, den aktuellen Sportchef der Schalker, kennen. Für Schneider war der Schweizer der Wunschkandidat, nachdem er zuletzt mit der Verpflichtung von Manuel Baum als Nachfolger von David Wagner danebengelegen hatte. Sollte nun auch Gross als Nothelfer scheitern, ist wohl auch der Sportvorstand kaum mehr zu halten. Kommentator Fuss meint über Gross: "Er hat nachgewiesen, dass er ein Feuerwehrmann sein und so eine Mannschaft umkrempeln kann. Er bringt die nötige Autorität mit."

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Gross-Auftakt in Berlin

Gross' Engagement auf Schalke dürfte dennoch einige Zweifler auf den Plan rufen. Er war zuletzt vor rund acht Jahren bei den Young Boys Bern im europäischen Fußball als Trainer beschäftigt. Zuletzt arbeitete er in Ägypten und Saudi-Arabien. "Er ist ein absolut akribischer Arbeiter und bringt auf jeden Fall die Peitsche mit - das brauchst du auch in der aktuellen Situation", meint RND-Sportchef Ostendorp. Viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt Gross auf Schalke nicht. Am 2. Januar geht es bei Hertha BSC schon wieder in der Bundesliga weiter. Seit 29 Spielen sind die Schalker im Fußball-Oberhaus sieglos. Der Negativrekord von Tasmania Berlin ist nur noch zwei Partien entfernt.