22. Februar 2018 / 06:00 Uhr

Schalke-Trainer Tedesco exklusiv: "Es sind Emotionen, die mich ausmachen"

Schalke-Trainer Tedesco exklusiv: "Es sind Emotionen, die mich ausmachen"

Robert Hiersemann
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Domenico Tedesco ist seit Sommer 2017 Trainer des FC Schalke 04.
Domenico Tedesco ist seit Sommer 2017 Trainer des FC Schalke 04. © imago
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Seit Juli 2017 ist Domenico Tedesco Cheftrainer des FC Schalke 04. Mit dem SPORTBUZZER sprach der 32-Jährige über große Emotionen, den Ruhrpott und seine Stars Leon Goretzka und Max Meyer.

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Seit dem 1. Juli 2017 trainiert Domenico Tedesco den Bundesligisten FC Schalke 04. Vor der Partie seiner Mannschaft am Sonntag (15.30 Uhr/SPORTBUZZER-Ticker) bei Bayer Leverkusen haben wir den 32-Jährigen bei seinem Klub besucht. Ein Gespräch über Emotionen, Druck, das Ruhrgebiet und die Personalien Goretzka und Meyer.

SPORTBUZZER: Herr Tedesco, Sie sind privat ein zurückhaltender Mensch, doch auf dem Fußballplatz ist das anders. Da schreien und gestikulieren Sie. Wie passt das zusammen?

*Domenico Tedesco: *Es sind Emotionen, die mich ausmachen und während eines Bundesliga-Spiels gestikulieren lassen. Da habe ich die Schalke-Brille auf und teile auch nicht jede Schiedsrichter-Entscheidung. Fußball bedeutet mir einfach sehr viel.

Einige Ihrer schönsten Gesten haben wir Ihnen mitgebracht. Sind Ihnen diese Bilder unangenehm?

Weltklasse! Nein. Das ist mir nicht unangenehm. Ob im Training oder am Spielfeldrand, ich bin einfach so. Ich lebe das.

Robert Hiersemann blickt mit Tedesco auf dessen emotionale Posen.
Robert Hiersemann blickt mit Tedesco auf dessen emotionale Posen. © SPORTBUZZER
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Vor einigen Jahren trainierten Sie noch die F-Junioren des ASV Aichwald. Waren Sie damals auch schon so „wild“ am Spielfeldrand?

(lacht) Bei den F-Junioren war das noch nicht so. Erst als U17- und U19-Trainer in Stuttgart und Hoffenheim änderte sich das.

Ihr Leben hat sich seit der Zeit in Aichwald doch sicherlich ziemlich verändert.

Früher erkannte mich auf der Straße niemand, das ist heute natürlich anders. Aber die Leute sind sehr angenehm, grüßen mich und wünschen mir viel Erfolg.

Domenico Tedesco über Leon Goretzka

Vermissen Sie heute Dinge, die Sie im Amateurfußball zu schätzen gelernt haben?

Ich konnte früher mehr Fehler machen, denn wir hatten nur wenige Zuschauer und einiges blieb einfach unbemerkt. In der Bundesliga wird jede Entscheidung unter die Lupe genommen.

Auch die Spieler sind heute keine Kreisliga-Kids mehr. Sie haben es mit ausgewachsenen Fußballstars zu tun. Wie gefällt Ihnen persönlich der große Bundesliga-Zirkus?

Mir ist es wichtig, möglichst wenig über mich zu lesen. Ich habe keinen Account bei Facebook oder Instagram. Das interessiert mich einfach nicht und ich muss nicht jedem mitteilen, was ich gerade für eine megaleckere Pasta esse. Das ist nicht meine Welt.

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Einmal angenommen, dass Sie für einen Tag wieder unbekannt wären. Was würden Sie mit dieser Zeit anfangen?

Vielleicht würde ich zu McDonald’s fahren und mir direkt vor Ort einen Burger gönnen. Ich habe das früher auch nicht oft gemacht, vielleicht einmal im Monat. Aber heute verzichte ich lieber darauf und fahre zum Drive-in-Schalter (lacht).

Wie groß ist der Druck, den Sie als Bundesliga-Trainer verspüren?

Wenn man vom Druck eines Bundesliga-Trainers redet, dann relativiere ich das gerne. Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht. Ich darf hier auf Schalke Teil dieses Highspeed-Fußballs der Bundesliga sein und meinen Traum leben. Ich stelle mir manchmal die Frage: Was ist denn das Schlimmste, was passieren kann? Dann fällt der Druck ab.

Warum?

Man muss seinen Job als Bundesliga-Trainer in Relationen setzen. Es gibt Menschen, die haben keine Arbeit und können deshalb ihre Kinder kaum ernähren. Das ist Druck! Vielleicht sollte man es anders ausdrücken: Ich habe eine gewisse Verantwortung, dessen bin ich mir auch bewusst.

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Sie kennen auch das Leben außerhalb des Profifußballs.

Als Student habe ich nebenbei für 70 Euro die Nacht als Aushilfe in einer Druckerei für eine Zeitung in Stuttgart gearbeitet. Immer am Samstag von 20 Uhr bis 3 oder 4 Uhr in der Nacht haben wir die Zeitungen gedruckt. Drei Jahre lang habe ich das gemacht. Eine gute Erfahrung.

Und heute sind Sie in der Bundesliga. Wenn man sich Ihre Karriere anschaut, bleibt man unweigerlich am spektakulären 4:4 im Derby gegen Borussia Dortmund hängen. Wie oft haben Sie sich die Aufnahme des Spiels angesehen?

Ich habe mir das 4:4 einmal in der Analyse angeschaut und dann lief es noch zwei- oder dreimal in Ausschnitten im Fernsehen. Aber sonst nicht! Das Derby der Hinrunde ist passé. Es war ein Spiel für die Ewigkeit, kaum vorstellbar, dass sich so etwas noch mal wiederholt.

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Wie erleben Sie im Ruhrpott die Rivalität zwischen Schalke und Dortmund?

Man spürt die Rivalität sehr deutlich. Aber es läuft alles im sportlich fairen Bereich. Ich wurde erst einmal von einem Dortmund-Fan angesprochen, das war beim Weihnachts-Shopping in Stuttgart.

Hat er Sie beleidigt?

Nein, nein. Er meinte: „Gute Arbeit, das sage ich, obwohl ich Dortmunder bin.“ Damit konnte ich gut leben.

Passen Sie überhaupt in den Ruhrpott?

Mir gefällt der Ruhrpott. Die Menschen sind offen, ich habe nette Nachbarn, die sehr hilfsbereit sind. Meiner Familie und mir geht es gut und wir haben uns schnell eingelebt.

Nur im Umfeld Ihres Vereins rumort es aktuell wegen zweier Personalien: Leon Goretzka wechselt nach der Saison zum FC Bayern und auch Max Meyer wird mit Topklubs in Verbindung gebracht.

Max hat ein Angebot von uns vorliegen. Darüber macht er sich jetzt Gedanken. Ich weiß, was wir an Max haben. Aber Max weiß auch, was er an uns hat. Er hat – glaube ich – noch nie so viel gespielt wie jetzt. Er hat eine Position gefunden, auf der er seine Stärken ausspielen kann. Wir vertrauen Max. Und Max vertraut uns. Er hat uns schon mehrmals gesagt, dass er sich pudelwohl fühlt.

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Und gerade deshalb wäre es ein Schlag, wenn nach Goretzka auch Meyer den Verein verlassen würde.

Das wäre natürlich eine harte Nummer, wenn auch Max ginge. Aber wir würden das Fußballspielen auf Schalke deshalb nicht einstellen. Das sind Dinge, die uns jetzt nicht tangieren dürfen, sondern erst in der Sommerpause.

Wie groß war zwischenzeitlich Ihre Hoffnung, dass Goretzka doch noch auf Schalke bleibt?

Ich habe große Hoffnung gehabt, dass Leon bleibt. Als es darum ging, ob Leon seinen Vertrag verlängert oder eben nicht, habe ich mich unheimlich reingehauen in dieses Thema. Ich habe viel mit Leon gesprochen, habe ihm Perspektiven aufgezeigt.

Und mehr ging nicht?

Ich habe alles getan, was in meiner Macht steht. Doch in dem Moment, als ich das Gefühl hatte, dass Leon alle Informationen von mir hat, habe ich ihn in Ruhe gelassen. Dann musste er eine Entscheidung treffen.