17. Mai 2020 / 11:27 Uhr

"Schappi, Schappi, Tor": Was macht eigentlich Ex-RSE-Torjäger und Schlitzohr Andreas Schaper?

"Schappi, Schappi, Tor": Was macht eigentlich Ex-RSE-Torjäger und Schlitzohr Andreas Schaper?

Christian Purbs
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Einst war Andreas Schaper (links oben) als Torjäger gefürchtet, heute fungiert er als stiller Berater im Vorstand des Heeßeler SV.
Einst war Andreas Schaper (links oben) als Torjäger gefürchtet, heute fungiert er als "stiller Berater" im Vorstand des Heeßeler SV. © Debbie Jayne Kinsey / dc3 Hannover
Anzeige

Einst war Andreas Schaper als Torjäger und Schlitzohr gefürchtet, neun Jahre stürmte er für den SV Ramlingen/Ehlershausen. Heute lässt es der vierfache Familienvater ruhiger angehen, heimisch ist er beim Heeßeler SV geworden.

Anzeige
Anzeige

Ja, der Jan Schlaudraff sei auch so ein Fuchs, sagt Andreas Schaper. Um zu verstehen, warum sich der frühere Torjäger Schaper und der ehemalige 96-Profi Schlaudraff einen Platz in der Kategorie Schlitzohr absolut verdient haben, muss man wissen, wie der heute 58-Jährige als Freistoßschütze für seine Mannschaften wie den SV Ramlingen/Ehlershausen und den Heeßeler SV immer wieder erfolgreich war.

"Das hat immer wieder für verdutzte Gegner gesorgt"

„Es geht doch darum, eine Situation zu erkennen und handlungsschnell zu sein. Das kann ich ziemlich gut. Wenn die Mauer des Gegners noch am Kämpfen war, hatte ich schon Augenkontakt mit dem Schiedsrichter aufgenommen. Und wenn ich das Gefühl hatte, dass er den Ball freigegeben hat, habe ich geschossen. Das hat ein paar Mal ganz gut geklappt und immer wieder für verdutzte Gegner gesorgt“, sagt Schaper.

Mit einem Freistoß sorgte auch Schlaudraff vor fast neun Jahren für Irritation bei den Spielern von 1899 Hoffenheim. Auch er hatte Augenkontakt mit Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer und war der Meinung, dass er nicht warten muss, bis 1899-Torwart Tom Starke die Mauer gestellt hatte. Schlitzohr Schlaudraff schoss – und traf zum 1:0.

Das sind die Bilder der Saison 2019/20 in Hannovers Amateurfußball

Muss auch mal sein: Koldingens Imad Saadun muntert Sehndes Daniel Neitzke mit einem Klaps auf. Zur Galerie
Muss auch mal sein: Koldingens Imad Saadun muntert Sehndes Daniel Neitzke mit einem Klaps auf. ©

Für Schaper kamen Zuschauer von der Bierbude zurück

Für die Zuschauer des RSE waren Freistöße der eigenen Mannschaft dank der Qualitäten von Schaper jahrelang der Zeitpunkt, schnell wieder von der Bierbude zurückzukommen. „Wenn wir einen Freistoß vor dem gegnerischen Tor hatten, haben die Zuschauer sofort „Schappi, Schappi, Tor“ gerufen, erinnert sich RSE-Klubchef Jürgen Stern. „Er war wirklich ein cleverer Junge.“

Freistöße waren aber längst nicht alles, was Schaper im Repertoire hatte. Mit seinen Toren schoss der trickreiche Angreifer Ramlingen in den 80er Jahren fast im Alleingang von der Kreisliga in die Landesliga. „Zielgenauigkeit und Disziplin im Abschluss waren meine Stärken. Ich war aber nicht der klassische, bullige Stürmer, ganz bestimmt nicht. Ich habe hinter den beiden Spitzen gespielt, das war perfekt. Wenn’s darum ging, Tore zu schießen, war ich immer dabei“, sagt Schaper. Und wie. Seine Topquote: außergewöhnlich. „In Ramlingen habe ich in einer Saison mal 46 Tore geschossen. Das war schon ganz ordentlich“, sagt Schaper, der in der Jugend von Fortuna Sachsenroß das Kicken lernte.

Mehr Amateurfussball in der Region

Neun Jahre lang RSE, immer mit der Acht auf dem Trikot

Nach seinen ersten beiden Herren-Jahren bei der Fortuna wechselte er 1983 nach Ramlingen an den Akazienweg. „Der damalige RSE-Trainer Manfred Fricke, ein alter Fortune, hat mich mitgenommen. Damit begann das „Abenteuer Ramlingen“, sagt Schaper, der insgesamt neun Jahre lang das RSE-Trikot mit der Nummer Acht trug – unterbrochen nur von einem einjährigen Abstecher zum SV 06 Lehrte. „Wir sind mit Ramlingen dreimal aufgestiegen und haben es bis in die Landesliga geschafft – was ja nicht ganz so schlecht ist.“

Die drei Meisterschaften mit Ramlingen waren nicht die einzigen Triumphe, an denen Schaper maßgeblichen Anteil hatte. Wo er spielte, gab es am Ende der Saison fast immer etwas zu feiern. „Wichtig waren mir die Aufstiege – und davon gab es in meiner Laufbahn acht. Da war die schöne Zeit in Ramlingen, weil der Klub gut und familiär durch Alfred Runge und Jürgen Stern, die den Verein aufgebaut haben, geführt wurde. Das haben wir dann auch in Heeßel geschafft, wo wir von der Kreisliga über die Bezirksliga in die Landesliga aufgestiegen sind“, sagt Schaper, der zudem Haimar/Dolgen und Uetze in die nächsthöhere Liga führte.

Alle Transfers von Hannovers Landesligisten im Überblick

Die Übersicht: Hier gibt´s alle Wintertransfers der Landesliga in der Saison 2019/20. Zur Galerie
Die Übersicht: Hier gibt´s alle Wintertransfers der Landesliga in der Saison 2019/20. ©

"Stiller Berater" beim Heeßeler SV

Heimisch geworden ist der 58-Jährige beim Heeßeler SV, wo er auch als Trainer erfolgreich war. Dort kümmert er sich seit 15 Jahren als Vorsitzender des Fördervereins um die Unterstützung für den Leistungsfußball im Verein und sieht sich als „stiller Berater“ des Landesligateams.

Und ab und an geht er auch noch auf Torejagd. „Ich bin seit ewigen Zeiten in Heeßel und spiele dort auch noch in der Ü50. Mit den alten Kumpels macht das Spaß, da geht es nicht mehr ums Gewinnen“, sagt Schaper. Na ja, zu verlieren ist auch heute immer noch nicht sein Ding. „Tore schießen wir immer noch. Und das Bier nach dem Spiel schmeckt immer ein bisschen besser, wenn man gewonnen hat“, sagt Schaper, der seit mittlerweile 42 Jahren bei der Ludwig Bertram GmbH, einem Traditionsunternehmen aus Hannover, arbeitet. „Ich habe in dem Unternehmen, in dem ich gelernt habe, auch Karriere gemacht und bin dort Mitgesellschafter und als Geschäftsführer für den Vertrieb zuständig. Da habe ich alles richtig gemacht.“

„Zwei Tore gegen 96, das war schon nicht schlecht“

Das gilt wohl auch für den Fußball. Schöne Momente habe es viele in seiner Karriere gegeben, sagt Schaper. Und das eine Tor, das man als Stürmer nie vergisst? „In einem Freundschaftsspiel mit Ramlingen gegen 96 habe ich mal zwei Tore geschossen. Da kann ich mich noch gut dran erinnern. Ich glaube, wir haben 2:13 verloren. Aber zwei Tore gegen 96, das war schon nicht schlecht.“

Zu einem großen Klub habe es ihn aber nie gezogen. „In dem einem Jahr in Lehrte, die damals in der 4. Liga gespielt haben, wollte ich mal gucken, was geht. Es gab auch Anfragen von Arminia Hannover und den Sportfreunden Ricklingen sowie einen lockeren Kontakt zu 96. Das wäre jedoch zu viel Aufwand gewesen. Mir war mein Berufs- und Familienleben wichtiger.“

Aus zwei Ehen hat der 58-Jährige vier Kinder und vier Enkel, „das fünfte Enkelkind ist unterwegs“, sagt Schaper. Es würde einen wundern, wenn da nicht mindestens ein Schlitzohr darunter ist.