28. März 2020 / 09:49 Uhr

Schatzschneider über verzögerten Geldverzicht bei Hannover 96: "Schäme mich"

Schatzschneider über verzögerten Geldverzicht bei Hannover 96: "Schäme mich"

Andreas Willeke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
96-Scout Dieter Schatzschneider wünscht sich eine schnelle Entscheidung.
96-Scout Dieter Schatzschneider wünscht sich eine schnelle Entscheidung. © Florian Petrow
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96-Scout Dieter Schatzschneider findet harte Worte für den noch nicht beschlossenen Gehaltsverzicht der 96-Profis. Derzeit verhandelt der Mannschaftsrat und Gerhard Zuber über das Wie.

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Niemand verzichtet gern auf Geld, wenn er nicht muss. Fußballprofis in Deutschland müssen nicht, sie können – oder dürfen ihren Beitrag leisten in der schlimmsten Krise der Vereine seit Bestehen der Bundesliga. Etwa bei der Hälfte der Klubs aus den beiden Profiligen verzichten Spieler auf Ge­halt – in der 1. Liga sind es mehr als in der 2..

Bei Schlusslicht Dynamo Dresden zeigten sich die Profis, Trainer und Manager früh solidarisch und verzichten bis zum 30. Juni auf 300 000 Euro Gehalt. Zusammengerechnet keine riesige Summe für den Einzelnen, aber eine große Geste. Und Hannover 96? „Die Bereitschaft ist da“, sagt der Sportliche Leiter Gerhard Zuber.

Dieter Schatzschneider - Stationen als Spieler und Offizieller

Dieter Schatzschneider - Stationen als Spieler und Offizieller Zur Galerie
Dieter Schatzschneider - Stationen als Spieler und Offizieller ©

"Zuber ist in intensiven Gesprächen"

Aber es dauert bis zur Umsetzung. Viel zu lange, findet 96-Ikone Dieter Schatzschneider: „Ich schäme mich, dass das so lange dauert. Das Bild, das die Mannschaft abgibt, ist enttäuschend. Sie soll nicht so tun, als wäre es ein Riesenopfer. Es geht nicht um mich, aber um Leute wie den Zeugwart der Reserve, der 1500 Euro brutto verdient.“ Schatzschneider arbeitet als 96-Jugendscout aktuell in Kurzarbeit.

„Wir haben uns für nächste Wo­che verabredet“, sagt 96-Chef Martin Kind über eine mögliche Entscheidung. „Zuber ist in intensiven Gesprächen. Er vermittelt den Eindruck, dass die Mannschaft das positiv entscheiden wird.“ Wie hoch soll der Verzicht sein? „Es sollte keine Alibi-Veranstaltung sein. Die Bundesligavereine geben da ja eine Indikation, 20 Prozent wären eine gute Marke“, sagt Kind. Genau mit dieser Zahl zog Stuttgart am Freitag beim Gehaltsverzicht nach.

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Mannschaftsrat entscheidet telefonisch

Diese Dimension wird in der Mannschaft diskutiert. Wer hängt in der Leitung bei den internen Krisen-Tarif-Verhandlungen? Dominik Kaiser, zuletzt Kapitän auf dem Platz, gehört nicht dazu. Marvin Bakalorz, Edgar Prib, Waldemar Anton, Ron-Robert Zie­ler und Felipe verhandeln als Mannschaftsrat telefonisch mit Zuber. Trainer Kenan Kocak, mit Gehaltsverzicht vorangegangen, schaltete sich bereits dazu.

„Wir haben gute Ideen, die Mannschaft hat gute Ideen“, be­rich­tet Zuber, „aber wir bekommen halt nicht alle in der Kabine zusammen. Wir müssen viel telefonieren, das dauert etwas länger.“

Ein Thema: Der Mannschaftsrat versucht, eine aus seiner Sicht faire Verteilung hinzubekommen. 20 Pro­zent wären für 96-Top-Verdiener wie John Guidetti, Matthias Os­trzo­lek, Julian Korb oder Ron-Robert Zieler viel Geld, aber der Verlust wäre leichter zu verkraften als für Jungprofi Simon Stehle. Nach dem Ende der Debatte soll ein Krisentarif für die Profis stehen, mit dem Spieler und 96 gut leben können. Je schneller der Mannschaftsrat nun entscheidet, desto klarer wird noch das Signal, unter anderem für den Zeugwart der Reserve.