19. April 2020 / 20:36 Uhr

Schaumburger Fußballvereine bleiben ratlos zurück

Schaumburger Fußballvereine bleiben ratlos zurück

Uwe Kläfker
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Wie geht es weiter? Der NFV sorgt bei Vereinen und Spielern für weitere Verunsicherung. © Uwe Kläfker
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Niedersächsischer Fußballverband sorgt durch Entscheidung für eine Saisonverlängerung für Verärgerung. Viele Fragen bleiben dabei offen. Wir haben Stimmen eingeholt.

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Der Verbandsvorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) hat sich am vergangenen Freitag zur Weiterführung des Spielbetriebes beraten. Dumm für den Verband, dass Ergebnisse der Telefonkonferenz durchsickerten, der Sportbuzzer bereits am frühen Freitagabend berichtete.

Einen offiziellen Versuch einer Erklärung an die Vereine gab es dann erst am Samstag. „Eine Wiederaufnahme in allen Männer-, Frauen- und Jugendligen von der Oberliga abwärts ist zwischen dem 15. August und 1. September vorgesehen“, ließ NFV-Präsident Günter Distelrath die Bombe dann auch ganz offiziell platzen.

Ideen für die Umsetzung schickte der NFV-Boss allerdings nicht mit. Der Vorstoß aus Barsinghausen kommt überraschend, in der Fußballszene wurde eher mit einem Abbruch der Saison gerechnet. Zahlreiche andere Sportarten, wie zuletzt der Handball, haben es vorgemacht.

Der Plan stößt an der Basis auf Widerstand und Skepsis, auch wenn es wenige positive Statements gibt. Vor allem wird moniert, dass es seitens des NFV keine Erklärungen dazu gibt, wie das Problem einer Saisonverlängerung über den 30. Juni hinaus gelöst werden soll und die ohnehin große Verunsicherung noch vergrößert. Der DFB hatte vor einigen Tagen durch eine Änderung der Spielordnung den Weg geebnet.

Vor allem die Jugendleiter machen sich große Sorgen, weil viele Spieler im Sommer in eine andere Altersstufe oder gar in den Herrenbereich übergehen würden. „Spielt mein Sohn dann noch ein halbes Jahr in der E-Jugend – oder ist er D-Jugendspieler?“, fragt sich beispielsweise Karsten Selsemeier, Jugendleiter des TSV Eintracht Bückeberge, der eigens eine Whats-App-Gruppe unter Schaumburger Jugendleitern eingerichtet hat um Meinungen einzuholen und um sich auszutauschen. „Positive Meinungen waren bislang kaum dabei“, sagt Selsemeier.

Neue Trainer sind auch im Herrenbereich bereits verpflichtet, Spieler wollen vielleicht zu anderen Vereinen wechseln. Was ist mit den Wechselfristen? Die Fragen sind vielfältig. Einige Vereine, wie der VfL Bückeburg, haben bereits Statements mit ihren Bedenken Richtung NFV abgeschickt.

Wie geht es jetzt weiter? Der Verbandsvorstand habe beschlossen, dass die Vorsitzenden der 33 NFV-Kreise spätestens ab heute eine Meinungsbildung mit ihren Vereinen zum NFV-Votum durchführen, so Distelrath. „Dieses Meinungsbild bildet dann die Basis für die finale Beschlussfassung des Verbandsvorstandes“, sagt der NFV-Boss.

Der Schaumburger Kreisvorsitzende Marco Vankann gehört zu diesem Gremium, war bei der Telefonkonferenz dabei, bleibt auf Nachfrage des Schaumburger Sportbuzzers aber vage: „Ich bitte um Verständnis, dass ich Fragen nicht beantworten werde. Da dieses Thema von landesweiter Bedeutung ist und sich der Verbandsvorstand gerade in der Abstimmungsphase mit allen in Niedersachsen ansässigen Vereinen mit Fußballsparte befindet, ist zum derzeitigen Zeitpunkt keine Stellungnahme möglich.“

Meinungsbild in Telefonkonferenz einholen

Vankann macht aber deutlich: „Es ist noch nichts entschieden! Alles steht und fällt mit der Entwicklung der Pandemie und den politischen beziehungsweise behördlichen Entscheidungen.“ Der Lauenhäger will sich „das Meinungsbild der Schaumburger Vereine mit Fußballsparte im Rahmen einer Telefonkonferenz“ am Dienstagabend einholen.

Fußball- und Leichathletik Verband Westfalen lässt online abstimmen

Wie man es hätte besser machen können, zeigt der Fußball- und Leichtathletikverband Westfalen auf. Dort dürfen die Vereine seit vergangenem Freitag online über vier verschiedene Optionen abstimmen, ehe das FLVW-Präsidium mit den Kreisvorsitzenden eine Entscheidung über das weitere Vorgehen treffen will.

Stimmen zur geplanten Saisonverlängerung

Uwe Oberländer (Trainer SC Rinteln):

Ich glaube auch nicht, dass in diesem Jahr überhaupt noch Fußball gespielt werden kann. Im September wird das Virus ja immer noch da sein und ein Impfstoff wird noch länger dauern. Was mich stört, ist, dass es keine einheitliche Linie der Landesverbände gibt. Spielen die anderen dann die Saison 2020/2021, während wir die Saison 2019/2020 spielen? Es muss ein Konzept für alle Verbände her. Den Vorschlag des NFV halte ich also für sehr unglücklich.“

Marco Gregor (Trainer SV Engern):

„Für mich ist das eine Nummer, die nur am Schreibtisch entschieden wurde, die Vereine wurden dabei nicht mit ins Boot geholt. Natürlich geht es nur um Fußball, aber er erfüllt ja auch einen gesellschaftlichen Auftrag. Wenn man die Saison nun solange einfriert, kann ich mir vorstellen, dass viele Spieler einfach aufhören. Was passiert außerdem mit der Wechselfrist? Für mich wäre der Abbruch der Saison die sinnvollste Entscheidung gewesen. Aber es wird keine Entscheidung geben, die jeden zufrieden stellt."

Alexander Bremer (Spieler VfL Bückeburg über Facebook):

Schwer nachzuvollziehen! Das würde bedeuten, dass es in den „normalen“ Rhythmus frühestens erst wieder 2022 gehen könnte, wenn man Sommer- beziehungsweise Winterpausen bedenkt. Jetzt nicht abzubrechen und am 1. September im bekannten Zyklus neu zu starten, beruht sicherlich nur auf der Befürchtung, dass irgendwelche Vereine klagen würden.

Frank Altewolf (Jugendleiter TuS SW Enzen):

Ich halte nicht viel davon, zumal es keine Einzelheiten gibt, wie das überhaupt aussehen soll. Aus Sicht eines Jugendleiters die schlechteste Lösung. Bei der Telefonkonferenz sind mit Sicherheit auch andere Sachen besprochen worden. Als TuS SW Enzen wünschen wir uns mehr Transparenz, um nicht die Katze im Sack zu kaufen.

Karsten Selsemeier (Jugendleiter TSV Eintracht Bückeberge):

Das macht alles kaputt, vor allem im Jugendbereich. Sind wir gefragt worden? Wäre das nicht am Freitag über den Sportbuzzer durchgesickert, hätten wir immer noch keine Info. Die Basis wird nicht für voll genommen. Hauptsache, das Geld läuft. Man sollte auch darüber nachdenken, die Sportplätze wieder aufzumachen. Die Kids drehen langsam am Rad. Bei den Profis geht es doch auch, aber da sind wir wieder beim Thema Geld.

Sascha Nerge (über Facebook):

Gibt es eine Entscheidung mit der jetzt alle zufrieden wären? Sicher nicht. Mit dieser Lösung würde aber immerhin das bisherige sportliche Abschneiden gewürdigt.

Lennart Meyer (Jugendtrainer VfL Bückeburg über Facebook):

Absoluter Wahnsinn. Ich bin sehr gespannt über die baldige Veröffentlichung eines ganzheitlichen Konzepts bis ins Detail mit allen Auswirkungen bis in die Jugend hinein. Warum keinen Abbruch? Angst vor einer Klagewelle gekränkter Vereine?

Peter Krebs (Vorsitzender Jugendausschuss Kreis Schaumburg):

Ich kann die Sorgen der Jugendleiter verstehen, denn die haben kaum Mitspracherecht. Theoretisch könnte ich mir die Saisonverlängerung vorstellen, weil alles eingefroren wird. Persönlich tendiere ich aber für einen Abbruch.