15. Juli 2021 / 21:51 Uhr

Schaumburger Mädchen wollen Fußball spielen (dürfen)

Schaumburger Mädchen wollen Fußball spielen (dürfen)

Uwe Kläfker
Schaumburger Ztg. / Schaumburger Nachrichten
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Die Schaumburger Mädchen-Kreisauswahl hat Bock auf Fußball. © Uwe Kläfker
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Um den Mächenfußball wurde sich lange nicht gekümmert. Mit Katrin Bethke will sich jemand der Aufgabe annehmen. Aber offene Türen rennt die Beauftragte für Mädchen- und Frauenfußball nicht ein. Aber warum eigentlich nicht?

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LANDKREIS. Die Lage im Schaumburger Mädchenfußball ist dramatisch. In den unteren Altersklassen sind immer weniger junge Fußballerinnen am Ball, weil sich im Fußballkreis Schaumburg in der Vergangenheit niemand dem weiblichen Nachwuchs angenommen hat.

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Die immer weniger werdenden Mannschaften wurden in andere Kreise abgeschoben. Von eigenen Spielklassen wie einer D-Juniorinnen-Staffel ist man in Schaumburg derweil so weit entfernt wie der Hamburger SV vom Gewinn der Champions League. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt? Nicht wirklich.

Mit Katrin Bethke hat der neue Kreisvorstand zwar eine engagierte Beauftragte für den Mädchen- und Frauenfußball gewonnen, die auch viele Ideen hat, aber keine offenen Türen einrennt. „Es ist zäh und eine schwierige Geburt“, sagt Bethke. Dabei ist durchaus Potenzial vorhanden.

Eine ihrer Vorstellungen ist es, die Kreisauswahl der Mädchen bei den E-I-Junioren im Fußballkreis mitspielen zu lassen. Bethke erklärt ihre Idee: „Die Mädchen benötigen dringend Spielpraxis. Deshalb wäre es toll, wenn die Kreisauswahl dort mitspielen dürfte.“ Natürlich außer Konkurrenz, das sei von den Regularien her nicht anders möglich, aber eben auch kein Problem.

Ich bin bislang noch nicht auf Ablehnung gestoßen

Eigentlich müssten sich die Verantwortlichen freuen, eine Mannschaft mehr im Spielbetrieb zu haben. Aber Peter Krebs, Vorsitzender des Jugendausschusses, sträubt sich dagegen. Auf Nachfrage dieser Zeitung erklärt der Nordsehler seine Haltung: „Ich bin kein Freund von Freundschaftsspielen, davon halte ich gar nichts.“ Zudem gebe es bei den Jungs keine Resonanz „für Pflicht-Freundschaftsspiele“. Das sieht Bethke anders, die nach eigenen Angaben bereits bei einigen Vereinen nachgehakt hat, die aber auch Mädchen in ihren Mannschaften haben.

„Ich bin bislang noch nicht auf Ablehnung gestoßen“, sagt die Nenndorferin, die nach Absprache mit Krebs einen Brief an die E-I-Vereine schicken will, um so möglichst viele Teams für die Maßnahme zu gewinnen.

Krebs sieht indes ein weiteres Problem: „Die Vereine wollen ihre Mädchen dafür nicht abgeben.“ Einige Spielerinnen seien in ihren gemischten Mannschaften Leistungsträgerinnen, so der Ausschussvorsitzende. „Aber es gibt auch die Spielerinnen, die kaum zum Zug kommen“, hält Bethke dagegen. Im Gespräch haben sich die Parteien angenähert, setzen auf Freiwilligkeit.

„Ich hoffe, bei den Vereinen kommt die Einsicht von ganz allein, denn auch die Mädchen sollten in Schaumburg die Möglichkeit haben, Fußball zu spielen.“ Sie versuche, die Botschaft voranzubringen, so die ehemalige Frauen-Bundesligaschiedsrichterin. Krebs hofft darauf, „den goldenen Mittelweg“ zu finden. Wie der aussehen könnte, konkretisiert er nicht.

Damit bloß niemand auf die Idee komme, der Jugendausschuss habe etwas gegen weibliche Fußballerinnen, schiebt Krebs noch einen Satz nach: „Ich bin kein Feind des Mädchenfußballs.“

Der Kreisvorsitzende Reinhard Stemme setzt darauf, dass neuer Schwung in den Mädchenfußball kommt, um auch Nachwuchs für die Frauenteams zu gewinnen: „Das ist sehr wichtig. Katrin Bethke ist dabei federführend, es läuft über sie, und sie hat unsere uneingeschränkte Unterstützung.“

"Wir wollen Begeisterung wecken"

Die Mädchen-Kreisauswahl wird von Dietmar Arndt und Dorian Hundertmark trainiert. Montags treffen sich die Spielerinnen auf dem Sportplatz in Lauenhagen und haben Spaß, unter anderem beim Mini-Fußball auf kleine Tore. „Wir wollen Begeisterung wecken“, sagt Hundertmark. Der Kader umfasse etwa 18 Spielerinnen der Jahrgänge 2009 bis 2012.

Weil es so wenige Spielerinnen gibt, kommen die Fußballerinnen bereits zwei Jahre vor den eigentlichen Sichtungen zur Auswahl, werden dann für mögliche höhere Aufgaben gesichtet und bleiben danach noch ein Jahr dabei. „Wir müssen die zarte Pflanze gut behandeln“, sagt Hundertmark, der den Mädchen so Spielpraxis verschafft.

Und das zeigt Wirkung: Die Auswahl gewann erst kürzlich ein E-Junioren-Turnier des TSV Eintracht Bückeberge („Mufflon-Cup“) und brachte einen großen Pokal mit. „Da haben die Jungs gestaunt“, freut sich Hundertmark.