31. März 2020 / 11:49 Uhr

Schaumburger Vereine während Corona: Martin Brandt vom VfL Bückeburg ruft zu Solidarität auf

Schaumburger Vereine während Corona: Martin Brandt vom VfL Bückeburg ruft zu Solidarität auf

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Sport in Schaumburg steht still. Die Fußballer, Leichtathleten, Handballer und Co. wären selbst mit einem Mundschutz nicht sicher genug gewappnet. Die Vereine appellieren an die Mitglieder, solidarisch zu handeln, damit auch sie die Corona-Krise ohne bleibende Schäden überstehen können.
Der Sport in Schaumburg steht still. Die Fußballer, Leichtathleten, Handballer und Co. wären selbst mit einem Mundschutz nicht sicher genug gewappnet. Die Vereine appellieren an die Mitglieder, solidarisch zu handeln, damit auch sie die Corona-Krise ohne bleibende Schäden überstehen können. © Daniel Kultau / montage
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Wenn Martin Brandt und Bernd Düllmann dieser Tage über die Bredouille sprechen, in die das Corona-Virus auch den Sport, auch in Schaumburg gebracht hat, schicken sie unisono einen Gedanken vorweg. Er geht in etwa so: „Schlimm für den Sport – aber das ist gerade nicht der wichtigste Aspekt dieser Pandemie.“

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Jahresversammlungen – verschoben, Vereinsbälle und sonstige Belustigungen – verschoben, Training – verschoben, Wettkämpfe und Punktspiele – verschoben oder komplett gestrichen. In den Hallen wird höchstens mal geputzt, auf vielen Sportplätzen nicht mal Rasen gemäht, Tag X ist schließlich nicht in Sicht. Das Virus mit der Bezeichnung SARS-CoV-2 legt den Sport in einer Weise lahm, wie das bis vor wenigen Wochen niemand für möglich gehalten hätte.

Bulmahn
Der Sport in Schaumburg steht still. Die Fußballer, Leichtathleten, Handballer und Co. wären selbst mit einem Mundschutz nicht sicher genug gewappnet. Die Vereine appellieren an die Mitglieder, solidarisch zu handeln, damit auch sie die Corona-Krise ohne bleibende Schäden überstehen können. © imago images/beautiful sports/montage
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Wie viele seiner Kollegen hat auch Martin Brandt, Vorsitzender des VfL Bückeburg, dieser Tage Probleme, die sehr kurzfristig gewuppt werden müssen, schließlich will sogar Stillstand organisiert sein. Unter anderem geht es um das Thema Geld. Vereinzelt haben sich bei Brandt Mitglieder mit der Frage gemeldet, ob sie nicht ihren Monatsbeitrag zurückbekommen müssten, weil der Verein schließlich keine Gegenleistung liefere. Brandt appelliert an die VfL-Mitglieder, sich in der Corona-Krise als „Solidargemeinschaft“ zu verstehen; andere Vereinsvorstände denken und handeln genauso. Ein Sportverein sei schließlich kein reiner „Dienstleister“ wie zum Beispiel ein Fitnesszentrum, das Umsatz machen müsse, sagt Brandt. „Was Vereine für die Gesellschaft leisten, lässt sich schwer in Euro und Cent berechnen“, sagt er. Als Beleg führt er die Jugendarbeit an. Gerade auf diesem Gebiet gilt der VfL als besonders engagiert.

Strohmann
Der Sport in Schaumburg steht still. Die Fußballer, Leichtathleten, Handballer und Co. wären selbst mit einem Mundschutz nicht sicher genug gewappnet. Die Vereine appellieren an die Mitglieder, solidarisch zu handeln, damit auch sie die Corona-Krise ohne bleibende Schäden überstehen können. © Uwe Kläfker/montage

Wer genau hinschaut, erkennt aber in all den dunklen Wolken auch Sonnenstrahlen. Martin Brandt jedenfalls hat sich sehr darüber gefreut, dass sich 25 VfL-Mitglieder, darunter viele Übungsleiter, gemeldet haben. Sie wollen schlicht helfen, ob beim Roten Kreuz oder in der Kirchengemeinde. „So geht Verein eben auch“, sagt Brandt.

Sport muss am ehesten gestrichen werden

Brandt wagt den Blick über den Tellerrand. „Sollten Kurzarbeit und Kündigungen zunehmen, könnte es Mitglieder geben, die auf den Cent schauen müssen“, sagt er. Und noch etwas treibt den VfL-Chef um. Bund und Länder geben Milliarden aus, um die Folgen der Pandemie abzufedern. Alle Kommunen, auch Bückeburg, sind jedoch im föderalen System auf Förderungen, Zuschüsse und Zuweisungen angewiesen, die aus Berlin und Hannover kommen. Martin Brandt will nicht unken, merkt aber doch an: „Mal gucken, wie sich Corona langfristig auf die Finanzen der Städte und Gemeinden auswirkt.“ Der Sport zählt zu dem, was Kommunen als „freiwillige Leistung“ unterstützen. Im Prinzip heißt dies: Hier muss in Krisen am ehesten gestrichen werden.

Heizung abgestellt

„Sogar die Heizung in unserer Sporthalle haben wir erstmal abgestellt, weil der Bürgermeister das angeordnet hat“, sagt Bernd Düllmann. Auch das Leben im SV Wölpinghausen, dem er vorsteht, ist eingefroren, als habe irgendwer in einem Film die Pausentaste gedrückt. Der SV mag als Beispiel dafür gelten, welche enorme Bedeutung Sportvereine auf den Dörfern immer noch besitzen. Wölpinghausen hat 1600 Einwohner, der SV über 600 Mitglieder (von denen einige natürlich „umzu“ leben).

„Seit Montag, dem 17. März“ sei alles auf Null gestellt, stellt Bernd Düllmann mit einem Seufzer fest. Zunächst habe man gehofft, Freiluft-Vergnügungen wie Laufen, Walken und Boule fortsetzen zu können, aber diese Hoffnung habe sich schnell zerschlagen. „Übungsleiter wie Kerstin Stahlhut stehen eigentlich jeden Dienstag von 15 bis 20 Uhr in der Sporthalle“, erzählt Düllmann. Tanz und Gymnastik, Sport und Bewegung, Niederlagen betrauern und Erfolge bejubeln – alles weg. Wie Martin Brandt vom VfL Bückeburg verweist Bernd Düllmann in diesem Zusammenhang auf den „sozialen Wert“ des Sports und nennt ein Beispiel: „Vereine helfen zu verhindern, dass Senioren unter Einsamkeit leiden.