26. Januar 2021 / 10:07 Uhr

Schenk mir einen Stern: 1. FC Lok und VfB Leipzig treiben Fusion voran

Schenk mir einen Stern: 1. FC Lok und VfB Leipzig treiben Fusion voran

Anton Kämpf
Leipziger Volkszeitung
Der VfB Leipzig ist inzwischen schuldenfrei und könnte mit dem 2003 gegründeten 1. FC Lok Leipzig fusionieren.
Der VfB Leipzig ist inzwischen schuldenfrei und könnte mit dem 2003 gegründeten 1. FC Lok Leipzig fusionieren. © Stadtgeschichtliches Museum
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Der traditionsreiche VfB Leipzig gilt neuerdings als schuldenfrei und könnte mit seinem 2003 gegründeten (inoffiziellen) Nachfolger 1. FC Lok Leipzig fusionieren. Was bedeuten würde, dass der Regionalligist von heute auf morgen 110 Jahre älter wäre. Außerdem könnte ein Meisterstern auf das blau-gelbe Trikot der „Loksche“ wandern. Denn der Verein für Bewegungsspiele war dreifacher deutscher Meister.

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Leipzig. Es war das letzte formale Hindernis: der ausbleibende Steuerbescheid des Jahres 2019 über die Schuldenfreiheit des VfB Leipzig. Dieser ist nach Information des SPORTBUZZER im November eingegangen und bescheinigte, was viele ahnten und alle hofften. Der VfB ist schuldenfrei und kann mit dem 2003 neugegründeten (und noch inoffiziellen Nachfolgeklub) 1. FC Lok Leipzig fusionieren. Plötzlich wäre der Leipziger Fußballviertligist keine 17 Jahre mehr jung, sondern stolze 127 Jährchen alt.

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Viele Höhen und Tiefen

„Ein richtig schöner linearer Verlauf mit all seinen Höhen und Tiefen“, freut sich Jens Peter Hirschmann, stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzende der Probstheidaer. Der Projektleiter für die Verschmelzung beider Vereine bestätigt: „Wir können den Verschmelzungsprozess schnellstmöglichst fortsetzen. Die wichtigste Voraussetzung wurde geschaffen.“

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Ausstellung zum 125-jährigen Jubiläum des VfB Leipzig im Alten Rathaus Leipzig Zur Galerie
Ausstellung zum 125-jährigen Jubiläum des VfB Leipzig im Alten Rathaus Leipzig ©

Endgültig entscheiden, ob aus Zwei Eins wird, können jedoch erst die Mitglieder beider Clubs. Eine Abstimmung wird jedoch noch dauern, die im Januar geplante Mitgliederversammlung wurde auf unbestimmte Zeit verschoben, und die Pandemielage ändert sich täglich. „Die Mitgliederversammlung ist für uns und die Fusion ein zentrales Element“, berichtet Hirschmann, der sich eine Online-Veranstaltung nicht vorstellen kann.

Auch aus rechtlichen Gründen. „Es ist zu schwierig, eine solche Entscheidung digital rechtssicher abzuwickeln. Da müssten viele Rechtsanwälte damit beschäftig sein, damit es rechtskräftig ist. Außerdem stehen bei uns die Mitglieder im Vordergrund, da wird auch mal diskutiert vor einer solchen Abstimmung. Das würde online verloren gehen“, erklärt das Aufsichtsratsmitglied.

Vor der Mitgliederversammlung 2020 kam es noch zu Befindlichkeiten zwischen den beiden Präsidien. Das Abwarten des Steuerbescheids soll zu gegenteiligen Auffassungen und gar zu Beleidigungen geführt haben. Lok-Chef Thomas Löwe erklärte, das Vertrauen in VfB-Präsident Dirk Sander sei „vollständig verloren“, Sander forderte Löwe auf, die Aussage zurückzunehmen. Die Fusion wird Sander nicht mehr in der ersten Reihe erleben. Er trat vor wenigen Tagen als Präsident des VfB Leipzig zurück.

Drei Titel ergeben einen Stern

Dass sich die Mitglieder gegen eine Fusion wehren, scheint ausgeschlossen, weil durch die einheitliche Geschichte der Meisterstern auf das blau-gelbe Trikot wandern könnte. 1903 als erster deutscher Meister sowie 1906 und 1913 holte der VfB den Titel. Lok Leipzig auf einer Stufe mit Bayern München, Borussia Dortmund, dem Hamburger SV, Borussia Mönchengladbach, Werder Bremen und dem VfB Stuttgart?

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Nicht ganz, da die DFL die Meisterschaften vor Einführung der Bundesliga sowie die DDR-Titel nicht miteinrechnet. Der Stern wäre nur bei Partien unterhalb der 2. Liga – also unter Obhut des DFB – zu sehen. Doch sollte es zur Fusion kommen, würden die Probstheidaer zum elitären Kreis der aktuell 18 Teams mit einem DFB-Stern gehören. „Das ist unser großes Anliegen, im nächsten Schritt auf den DFB zuzugehen und rechtlich einwandfrei nachzuweisen, dass wir die Rechtsnachfolger des VfB Leipzig sind und damit alle Erfolge teilen“, so Hirschmann.