03. Juni 2020 / 16:21 Uhr

Schere, Stein, Papier ersetzen Baggern, Pritschen, Schmettern

Schere, Stein, Papier ersetzen Baggern, Pritschen, Schmettern

Lukas Everling
Peiner Allgemeine Zeitung
Der Vikings-Spieler Oliver Wendt (hinten) und Julian Mann wurden Vizemeister beim digitalen Schere-Stein-Papier-Turnier.
Der Vikings-Spieler Oliver Wendt (hinten) und Julian Mann wurden Vizemeister beim digitalen Schere-Stein-Papier-Turnier. © Stefan Saltzmann
Anzeige

Eine neue Trendsportart wird es wohl nicht und bei GW Vallstedt wolle er für dieses „Spielchen“ auch keine neue Sparte eröffnen. Doch irgendwie hatten Vikings-Volleyballer Oliver Wendt und Beachpartner Julian Mann aus Gamsen wortwörtlich ein gutes Händchen für das digitale Turnier an Pfingsten.

Anzeige

Aber ohne Brunnen! Die Regeln von „Schere, Stein, Papier“ sind simpel wie genial. Vor jedem Beachvolleyball-Match wird dieses Kinderspiel zu Rate gezogen, wenn es um den Aufschlag oder die Seitenwahl gehen soll. „Einen Münzwurf gibt es bei uns nicht“, erklärt Oliver Wendt von den Vikings Vallstedt Vechelde. Weil alle Turniere bis auf weiteres ausfallen, veranstaltete die Nordwestdeutsche Volleyball-Elite ein digitales Turnier – nicht im Beachvolleyball, sondern im Schnick-Schnack-Schnuck.

Anzeige

Gemeinsam mit seinem Spielpartner Julian Mann (MTV Gamsen) wollte er am Pfingstwochenende im Sand von Norderney eigentlich wichtige Ranglisten-Punkte für das Finalturnier sammeln. Doch die Corona-Pandemie schlägt den Beachvolleyballern in 2020 ein Schnippchen. Die Top10-Turniere und damit die höchste Ebene unter dem Dach des Nordwestdeutschen Volleyball-Verbandes fallen ersatzlos aus. Nicht zu unrecht, denn bei dem Turnier auf Norderney tummeln sich oftmals mehr als 100 Zuschauer auf der Tribüne am Nordseestrand.

Trotzdem wollten die Spieler ein „gemeinsames Treffen“ nicht missen. „Wir sind alle eine große Familie“, sagt Oliver Wendt. „Es sind immer die gleichen, die man bei einem Turnier trifft.“ Dazu gehören auch die beiden Osnabrücker Lars Fischer und Patrick Hofschröer, die kurzerhand ein digitales Turnier ausriefen – im Schnick, Schnack, Schnuck. Zwölf Top-Duos folgten der Einladung und kämpften in einer Live-Schalte über das Internet um den Sieg und sammelten zudem Geld für den guten Zweck. „Jeder hat 15 Euro Startgeld bezahlt, aber alle haben noch etwas mehr oben drauf gelegt“, berichtet Oliver Wendt freudig.

Mehr zum Thema Volleyball

Außerdem konnten sich Zuschauer über einen Spendenlink beteiligen und damit ebenfalls die Kindersportstiftung am Harz, die Kinderkrebshilfe Münster und das Kinderhospiz Löwenherz unterstützen. „Es sind mehr als 800 Euro zusammen gekommen. Damit hätte ich nie gerechnet“, erklärt Oliver Wendt stolz. Außerdem konnte er sich mit seinem Spielpartner Julian Mann in die Geschichtsbücher eintragen.


Das Duo spielte sich nämlich bis in das Finale vor, musste sich aber in einer deutlichen Angelegenheit (0:3) Lukas Schnittger und Tobias Borgstädt geschlagen geben. „Fang du ruhig an, Julian“, sagte Wendt, der in Vallstedt auf der Beachanlage parallel trainierte, seinem Kollegen, der aus dem Ostsee-Urlaub zugeschaltet war. „Ich steige dann ein, wenn es brenzlig wird“, schob der Vikings-Co-Kapitän mit einem Lachen hinterher. Doch auch er konnte nach seiner Einwechslung beim Stand von 0:2 nichts mehr retten.

Zuvor war Wendt allerdings der entscheidende Mann, als er den Halbfinaleinzug perfekt gemacht hatte. Gegen Jonas Kaminski hätte er sogar von Angesicht zu Angesicht „schnicken“ können, denn der Partner von Vallstedts Bastian Ebeling war an diesem Tag sein Trainingskollege in Vallstedt. „Wir haben es dann Volleyball-technisch gelöst“, berichtet Wendt. Für gewöhnlich keine gute Idee gegen den Topspieler, der mittlerweile in der Bundesliga für den TSV Herrsching in Bayern auf dem Feld steht.

Doch es sollte gut ausgehen. Auf eine Seite des Beachvolleyball-Feldes haben sie ein kleines Netz als Ziel gelegt. „Höchstens ein Quadratmeter groß“, sagt Wendt. Im dritten Versuch traf er und schaltete damit Jonas Kaminski aus. „Ein Sieg gegen einen Bundesligisten“, schwärmt Wendt, der von einer gelungenen Aktion rund um das digitale Schnick-Schnack-Schnuck-Turnier spricht.

Eine Wiederholung wird es womöglich nicht geben, weshalb er ewiger Zweiter bleiben dürfte. Was allerdings ganz sicher ist: Wenn Oliver Wendt und Julian Mann mal im Sand auf ihre Finalgegner treffen sollten, „dann haben wir diese Niederlage sicherlich nicht vergessen“.

Von Lukas Everling