23. August 2019 / 13:50 Uhr

Schiedsricher Ronny Schabanowski erstattet Anzeige nach Spuckattacke

Schiedsricher Ronny Schabanowski erstattet Anzeige nach Spuckattacke

Christoph Brandhorst
Märkische Allgemeine Zeitung
Nach zehn langen Jahren verlässt Schiedsrichter Ronny Schabanowski (M.) die Landesebene und pfeift zukünftig wieder auf Kreisebene.
Erlebte den „negativen Höhepunkt“ seiner Laufbahn: Ronny Schabanowski (M.). © MAZ-Archiv
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Fußballkreis Oberhavel/Barnim: Schiedsrichter des Jahres wird bei Kreisoberliga-Partie in Sachsenhausen angefeindet – Sportgericht verhandelt Mittwoch.

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So hat sich Ronny Schabanowski seinen Neustart auf Kreisebene nicht vorgestellt. Im ersten Kreisoberliga-Spiel nach seinem Rückzug von der Landesbühne wurde der jüngst zum Schiedsrichter des Jahres gekürte Referee am vorigen Wochenende bespuckt und übel beleidigt, nachdem er in der Partie zwischen dem TuS Sachsenhausen II und der Reserve von Preussen Eberswalde (10:0) einen Gästespieler mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen hatte. Diesem drohen jetzt auch strafrechtliche Konsequenzen.

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Denn Schabanowski hatte nach dem Vorfall Anzeige erstattet. „Das ist alles in Arbeit. Anspucken ist eine Körperverletzung“, so seine Auffassung. Der 42-Jährige, der für Eintracht Bötzow an der Pfeife amtiert, schildert die Situation in der 39. Minute so: „Nach dem Platzverweis ging der Spieler erst Richtung Seitenlinie, als er wohl richtig begriff, was da gerade passiert war. Dann kam er auf mich zu, hatte die Hand zur Faust geballt und spuckte mir mitten ins Gesicht.“ Umstehende Spieler hätten den dunkelhäutigen Preussen-Akteur, der seit mehreren Jahren für die Eberswalder aufläuft, noch zurückgehalten.

Noch auf dem Platz sei Torsten März, Kapitän der Preussen-Reserve und auch Vorstandsmitglied im Verein, zu ihm gekommen und habe sich für das Verhalten seines Mitspielers entschuldigt. „Ein ganz großes Kompliment muss ich auch dem TuS mit Trainer Philipp Holzhauer und seinem Co-Trainer aussprechen“, betont Schabanowski. „Sie haben sofort zum Ausdruck gebracht, dass es ihnen sehr leid tut, dass solch ein Vorfall auf ihrer Anlage passiert ist.“ Nach Spielende habe auch Gästetrainer Ralf Dietze noch einmal das Gespräch gesucht. Der Spieler selbst kam nicht mehr auf ihn zu. Seit dem Spieltag habe es dann auch keinen Kontakt mehr zu Verantwortlichen aus Eberswalde gegeben. „Es hat niemand angerufen“, so Schabanowski.

Ein Wiedersehen wird es spätestens am kommenden Mittwoch geben. Dann soll der Fall vor dem Sportgericht unter Vorsitz von Detlef Rudolph verhandelt werden. Erst am Saisonende hatte sich Ronny Schabanowski nach vielen erfolgreichen Jahren in höheren Spielklassen freiwillig auf Kreisebene zurückgezogen. Er wolle kürzertreten, begründete er seinen Schritt. Erst kürzlich hatte der Bötzower geheiratet, arbeitet außerdem in einem Drei-Schicht-System.


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Mit der Familie habe er den Vorfall dann auch noch am gleichen Wochenende besprochen. Der Entschluss stand schnell fest: „Natürlich werde ich weiterpfeifen. Das war zwar der negative Höhepunkt in meiner bisherigen Laufbahn, aber ich denke, dass der Spieler seine gerechte Strafe bekommen wird“, so der Unparteiische. Er glaubt, dass es sich um eine Einzelfall handelt, denn bislang habe er überwiegend positive Erfahrungen bei der Schiedsrichterei gesammelt.

Rückendeckung habe er auch von Kreisoberliga-Staffelleiter Steffen Misdziol erhalten, der den Vorfall sofort dem Sportgericht meldete – und den betroffenen Akteur bis zu einem Urteil aus dem Fußball-Verkehr zog. „Mir hat schon mal ein Nachwuchsspieler auf das Trikot gespuckt“, erinnert sich Ronny Schabanowski, damals habe der Staffelleiter überhaupt nicht reagiert. „Ich weiß bis heute nicht, ob der Spieler dafür bestraft wurde“, so der Referee.

Schon am Sonntag will er wieder mit der Pfeife auf dem Platz stehen. Im Fußballkreis Havelland ist Schabanowski als Austausch-Schiedsrichter für das Kreisoberliga-Spiel zwischen Blau-Gelb Falkensee gegen Alemania Fohrde angesetzt. „Das sind zwei Vereine, die ich schon lange kenne. Da passiert so etwas nicht“, ist sich der Schiedsrichter des Jahres sicher.

Bei Preussen Eberswalde erwäge man dem Vernehmen nach Konsequenzen für den Akteur der Kreisoberliga-Mannschaft, der nicht zum ersten Mal negativ aufgefallen sein soll. Ein Ausschluss aus dem Verein aus dem Barnim sei eine mögliche Folge des Vorfalls.