06. Oktober 2021 / 13:34 Uhr

Reaktionen auf Schiri-Rücktritt im Amateurfußball: „Spieler, Trainer und Zuschauer sind unterirdisch!“

Reaktionen auf Schiri-Rücktritt im Amateurfußball: „Spieler, Trainer und Zuschauer sind unterirdisch!“

Jana Baumann
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Immer mehr Schiedsrichter ziehen sich aus dem Amateurfußball zurück.
Immer mehr Schiedsrichter ziehen sich aus dem Amateurfußball zurück. © Oliver Schwandt
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Anfeindungen, Beleidigungen, Gewalt. Schiedsrichter müssen sich viel gefallen lassen. Der GABFAF-Artikel über die Geschichte von (Ex-)Schiri Thomas Göhr hat hohe Wellen geschlagen und wurde über 1000-mal kommentiert.

Dieser Artikel ist Teil des Aktionsbündnis #GABFAF. Mehr Informationen unter gabfaf.de.

Der Umgang mit Schiris im Amateurfußball – einige sagen, mit Respekt hätte das nur noch wenig zu tun. Andere hingegen meinen, man müsse dem Druck und der Emotionalität während des Spiels standhalten können.

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Der SPORTBUZZER berichtete aus Brandenburg über den Schiri-Rücktritt von Thomas Göhr. Er erlebte die Schattenseiten des Hobbys hautnah: Etwas zu spät auf dem Feld, Nervosität und ein paar schlechte Entscheidungen ließen die Zuschauer toben. „Von draußen wurde geschimpft, beleidigt und gepöbelt“, erzählt Göhr von seinem ersten Einsatz im Herrenfußball.

Auch vier Jahre später sei die Lage nicht anders. Die Anfeindungen gehen weiter. Jetzt reiche es ihm endgültig. Spiele wolle er nicht mehr pfeifen. „Ich habe einfach keine Lust und Kraft mehr, mich den wöchentlichen Beschimpfungen und Beleidigungen auszusetzen. Es kotzte mich nur noch an.“ In vielen Kreisen gibt es aufgrund dieser Entwicklungen schon zu wenig Unparteiische. Lassen sich die Pöbeleien stoppen?

Das Thema birgt reichlich Diskussionsstoff. Online wurde viel debattiert. Allein der Facebook-Post des SPORTBUZZERS erreichte mehr als 800.000 Menschen und wurde fast 1.000-mal kommentiert.

"Was wir uns anhören müssen, geht gar nicht"

Die Nutzer sind sich einig: Der Amateurfußball ist nicht mehr das, was er noch vor zehn oder 15 Jahren war. Viele schreiben, dass ihre Entscheidung richtig war, „die Pfeife an den Nagel zu hängen“. Ehrenamtliche können (Ex-)Schiri Thomas Göhr verstehen: „Was wir uns anhören müssen, geht gar nicht. Alle, die uns beschimpfen und beleidigen sind selbst nicht bereit in ihrer Freizeit etwas für den Sport zu tun“, so Michael Liebchen au Facebook. Der Top-Kommentar zählt 482 Likes. Lothar Schwarz schreibt: „Das ist kein Fußball-Problem. In der Gesellschaft sinkt die Achtung vor der Würde, der Gesundheit und dem Eigentum Dritter ständig.“

Jugendtrainer Andreas Weng mutmaßt: „Ich befürchte, das Problem ist nicht in den Griff zu bekommen. Woche für Woche begegne ich anderen Trainern und Eltern/Zuschauern, die sich so asozial benehmen, dass man eigentlich die Polizei rufen müsste. Dass die Kinder dieses Verhalten auf dem Fußballplatz als normal einstufen, ist da die logische Konsequenz“. Zusammengefasst: „Spieler, Trainer und Zuschauer sind unterirdisch“, so Weng.


Auch auf die Verbände wird kritisch geblickt: Kritisiert werden unzählige Bestimmungen und kein ausreichender Schutz für die Schiedsrichter. In den seltensten Fällen drohe den Pöbelnden Konsequenzen.

"Emotionale Rufe nach Fehlentscheidungen gehören dazu"

Aber es gibt auch andere Meinungen. „Emotionale Rufe nach Fehlentscheidungen gehören dazu. Beleidigungen, die unter die Gürtellinie gehen natürlich nicht, aber da sollte man drüberstehen und seine eigene Leistung überdenken“, schreibt Facebook-Nutzer Michael Schulze. Patrick Franke findet, man sollte wissen, auf was man sich einlasse und die Zuschauer ausblenden. Auch Holger Tiemann ignoriert die Zuschauer grundsätzlich. Auf dem Platz ist für ihn vernünftige Kommunikation das A und O. „Solche Probleme kenne ich nicht“, sagt er.

Laut Sportentwicklungsbericht von 2017 wird ein aktiver Fußballschiedsrichter im Durchschnitt bei jedem sechsten Einsatz beleidigt (17,5 % seiner Einsätze), bei jedem 53. Einsatz bedroht (1,9 Prozent seiner Einsätze) und bei jedem 333. Einsatz tätlich angegriffen (0,3 Prozent seiner Einsätze).

Facebook-Nutzer MiEn Po bringt es für den Amateurfußball auf den Punkt: „Respekt und Anerkennung sind komplett auf der Strecke geblieben.“