19. April 2020 / 17:12 Uhr

Schiedsrichter "Corny" Grigoleitis: "Man muss sich ganz schön durchbeißen"

Schiedsrichter "Corny" Grigoleitis: "Man muss sich ganz schön durchbeißen"

Mirko Jablonowski
Märkische Allgemeine Zeitung
Cornelius „Corny“ Grigoleitis (l., hier mit Jan Seidel und Robert Reinhardt) pfeift seit der Saison 2016/17 für den Seeburger SV.  
Cornelius „Corny“ Grigoleitis (l., hier mit Jan Seidel und Robert Reinhardt) pfeift seit der Saison 2016/17 für den Seeburger SV.   © Privat
Anzeige

Kreis Havelland: Cornelius Grigoleitis vom Seeburger SV ist seit fast 20 Jahren als Schiedsrichter in Brandenburg aktiv.

Anzeige
Anzeige

Die Anfänge als Schiedsrichter seien nicht leicht gewesen, gibt Cornelius Grigoleitis zu. „Wenn man als knapp 18-Jähriger ohne Assistenten Männerspiele in der 3. oder 2. Kreisklasse gepfiffen hat, musste man sich schon ein dickes Fell zulegen und sich ganz schön durchbeißen“, erinnert er sich an die ersten Jahre als Referee. „Bei einem Nachwuchsspiel wurde das Auto meiner Mutter bei der Abreise mal mit Plastikbierbechern beworfen, das war natürlich alles andere als schön.“

Dennoch blieb der Heilerziehungspfleger immer am Ball und pfeift mittlerweile in der Landesliga. Inzwischen für den Seeburger SV, dem er sich vor der Saison 2016/17 anschloss. Zuvor agierte er 15 Jahre für den SV Falkensee-Finkenkrug, bei dem er 2001 auch seine Schiedsrichterlaufbahn begann. „Ich hatte mir damals im Schulunterricht den Oberschenkel gebrochen. Danach war klar, dass ich nicht mehr selber kicken werde. Trotzdem wollte ich dem Sport aber irgendwie erhalten bleiben und so nahm das mit dem Schiedsrichterdasein seinen Lauf“, berichtet der Referee, der in Berlin wohnt.

Mehr aus dem Schiedsrichterwesen

Mit den Jahren gingen die Aufstiege in höhere Spielklassen einher, was den Spaßfaktor bei „Corny“, der in der C-Jugend mal das Trikot des SV Dallgow 47 trug und Fan von Borussia Dortmund ist, deutlich erhöhte. „Wenn man nicht mehr alleine auf dem Platz steht und im Team unterwegs ist, macht das schon richtig Bock“, sagt der Unparteiische, der in dieser Spielzeit bislang in 44 Spielen (16 Mal als Hauptschiedsrichter, 28 Mal als Assistent) angesetzt war. Welche Rolle ihm mehr zusagt? „Ich stehe eigentlich lieber an der Linie“, gibt er zu und lacht. „Ich kann nicht so richtig erklären, woran das liegt, aber mir macht das einfach richtig Spaß.“

Zu den Highlights seiner Laufbahn zählt er unter anderem ein Landesklasse-Derby zwischen den Falkenthaler Füchsen und dem SV Zehdenick. Die Sportplätze der beiden Oberhavel-Vertreter liegen nur zehn Minuten auseinander. „Das Spiel fand an einem Sonntag statt, da waren 600 Zuschauer vor Ort – das war schon echt geil“, erinnert sich Grigoleitis, der sich zudem immer freut, wenn er als Assistent auch mal bei Oberliga-Spielen angesetzt wird. „Im Vergleich zur Landesliga ist das nochmal ein ganz anderes Tempo und man muss auf extrem viele Sachen achten. Das sind Highlights.“

Wenn Grigoleitis, der regelmäßig an Fußball-Quizrunden teilnimmt, nicht selbst mit Pfeife oder Fahne auf Brandenburgs Fußballplätzen agiert, steht das runde Leder in seinem Alltag trotzdem oft im Mittelpunkt. „Mit ein paar Freunden versuchen wir zum Beispiel, auch unter der Woche in Berlin das ein oder andere Spiel mitzunehmen und neue Sportplätze, auf denen im Idealfall noch eine gute Verpflegung mit Bratwurst und Bier angeboten wird, kennenzulernen“, erläutert der Groundhopper, der dabei als stiller Beobachter agiert. „Früher als Stift war ich viel emotionaler, habe auch mal rumgepöbelt. Wenn man selbst Schiedsrichter ist, wird man da deutlich ruhiger. Ich sehe das auch immer als eine Art Weiterbildung an, wenn ich anderen Schiedsrichtern oder Assistenten beim Pfeifen zusehe“, sagt Cornelius Grigoleitis, der sich nach der Corona-Zwangspause auf die nächsten Einsätze freut – als Schiedsrichter und Groundhopper.