10. Februar 2020 / 07:41 Uhr

Fingerspitzengefühl? Deniz Aytekin über neue Schiedsrichter-Richtlinie des DFB: "Wir sind keine Roboter"

Fingerspitzengefühl? Deniz Aytekin über neue Schiedsrichter-Richtlinie des DFB: "Wir sind keine Roboter"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
 Schiedsrichter Deniz Aytekin hat sich zur neuen DFB-Richtlinie geäußert.
Schiedsrichter Deniz Aytekin hat sich zur neuen DFB-Richtlinie geäußert. © imago images/HMB-Media
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Seit der Winterpause sind die deutschen Bundesliga-Schiedsrichter angehalten, eine neue Richtlinie seitens des DFB umzusetzen, die mehr Konsequenz im Umgang mit den Spielern beinhaltet. Deniz Aytekin erklärt, wie die Vorgaben umgesetzt werden sollen und findet, dass es keinen Austausch mit den Bundesligatrainern bedarf.

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Deniz Aytekin hat sich in einem Kicker-Interview über die in der Winterpause vom DFB neu eingeführte Richtlinie für Schiedsrichter geäußert. Demnach sind die Referees angehalten, härter im Umgang mit den Spielern durchzugreifen. Als Beispiel nannte der 41-Jährige das Ballwegschlagen, um das Spiel zu verzögern. "Auch diese Unsportlichkeit wollen wir konsequent unterbinden. Früher hätte ich da zu einem Spieler vielleicht erst mal gesagt: Lass das sein. Heute gebe ich direkt Gelb, ganz klar", so Aytekin.

Es sei so, dass die Schiedsrichter nach wie vor versuchen, das nötige Fingerspitzengefühl (Aytekin: "Wir sprechen von Ermessensspielraum") walten zu lassen. "Wir sind keine Roboter, die alle das haargenau gleiche Produkt abliefern. Gerade in der Kommunikation mit Spielern oder Trainern kommt es auf die Interpretation im Gesamtkontext an: War eine Handbewegung abfällig dem Schiri gegenüber oder ist der Spieler unzufrieden mit seiner eigenen Aktion?", erklärte der Bundesliga-Referee.

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Aytekin: "Niemand geht detektivisch auf den Platz"

Allerdings gibt es durch die neue DFB-Richtlinie unter den Schiedsrichter-Kollegen inzwischen ein "Commitment", durch das der Ermessensspielraum klare Grenzen habe - was laut Aytekin "bei Quervergleichen von Einzelszenen" auch weiterhin zu Diskussionen führen werde. Er könne jedoch versichern, "dass niemand von uns auf den Platz geht, um detektivisch nach Situationen zu suchen, in denen wir endlich wieder einen Verstoß sanktionieren können."

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Der Videobeweis hat den Fußball maßgeblich verändert. Vor allem bei Handspielen ist es in der Bundesliga zuletzt immer wieder zu heftigen Debatten gekommen. Zur Saison 2019/20 wurden einige Regelveränderungen vorgenommen, die es Schiedsrichtern und Videoassistenten leichter machen sollen. Der SPORTBUZZER hat die neuen Regeln zusammengefasst. ©

Zuvor hatte bereits Fifa-Schiedsrichter Felix Brych die Verschärfung der Fußballregeln und das härtere Durchgreifen der Referees zum Beispiel bei Meckereien oder Rudelbildung verteidigt. „Wir machen da nichts Verkehrtes, wir wollen einfach ein bisschen mehr Respekt vor uns, vor dem Gegenspieler - und einfach ein bisschen Hygiene in den Sport wieder reinbringen.“ Die große Mehrheit der deutschen Bürger, das habe eine Forsa-Umfrage ergeben, finde „es auch gut, dass wir jetzt ein bisschen härter durchgreifen“.

Rose-Vorschlag: "Besprochene wurde vergessen"

Dass sich die Schiedsrichter mal mit den Bundesligatrainern an einen Tisch setzen, um über das teils angespannte Verhältnis beider Lager zu sprechen, wie von Gladbach-Coach Marco Rose vorgeschlagen, hält Aytekin indes für nicht zielführend. "Diese Diskussion besteht ja schon seit vielen Jahren. Früher gab es runde Tische, man hat sich in entspannter Atmosphäre getroffen und vieles besprochen. Um am Ende festzustellen, dass am Spieltag die Emotionen einen dann doch eingeholt haben und das Besprochene vergessen wurde." Der erfahrene Referee halte die Diskussion ohnehin für nicht so dramatisch: "Im Gegenteil: Wenn ich zehn Jahre zurückblicke, hat sich vieles sehr, sehr positiv verändert."

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