12. November 2020 / 15:55 Uhr

Schiedsrichter Dennis Eckhardt zeigt Rassismus die Rote Karte

Schiedsrichter Dennis Eckhardt zeigt Rassismus die Rote Karte

Filip Donth
Göttinger Tageblatt
Fußball-Schiedsrichter Dennis Eckhardt macht mit einer T-Shirt-Aktion auf Rassismus-Probleme aufmerksam und erhält von vielen Seiten Unterstützung – auch von Mario Grütz (l./TSV Edemissen) und Bastian Hornig (SV Harriehausen).
Fußball-Schiedsrichter Dennis Eckhardt macht mit einer T-Shirt-Aktion auf Rassismus-Probleme aufmerksam und erhält von vielen Seiten Unterstützung – auch von Mario Grütz (l./TSV Edemissen) und Bastian Hornig (SV Harriehausen).
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Ein Tattoo und ein T-Shirt sind die Eckpfeiler einer vorbildlichen Aktion, der sich der Fußball-Schiedsrichter Dennis Eckhardt verschrieben hat. Er kämpft gegen Rassismus und erhält auf den Fußballplätzen der Region viel Unterstützung dafür.

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Dieser Artikel ist Teil des Aktionsbündnis #GABFAF. Mehr Informationen unter gabfaf.de.

Es begann mit einem Tattoo. Dennis Eckhardt wollte sich im Februar ein neues Motiv stechen lassen. Auf der linken Wade war noch Platz. Aber es sollte diesmal kein gewöhnliches Tattoo werden, sondern vielmehr ein Statement. Der 42-Jährige entschied sich für den Schriftzug „No room for racism“, den Leitspruch der englischen Premier League. Sein 15-jähriger Sohn habe ihn auf die Idee gebracht, sagt er.

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Als Unparteiischer seit 2002 unterwegs

Eckhardt ist seit 2002 Schiedsrichter im NFV-Kreis Northeim-Einbeck und hat schon länger darüber nachgedacht, wie er auf das Thema „Rassismus“ aufmerksam machen könnte. Im Gegensatz zum Profifußball mit seinen öffentlichkeitswirksamen Kampagnen stellt der Uslarer für die unteren Ligen fest: „Ich finde, im Amateursport wird dieses Thema kaum aufgegriffen.“

Schiedsrichter Dennis Eckhardt macht mit einer T-Shirt-Aktion auf Rassismus aufmerksam

Schiedsrichter Dennis Eckhardt macht mit einer T-Shirt-Aktion auf Rassismus aufmerksam Zur Galerie
Schiedsrichter Dennis Eckhardt macht mit einer T-Shirt-Aktion auf Rassismus aufmerksam © R

Das habe auch mit fehlender Unterstützung „von oben“ zu tun, glaubt er: „Die Amateurvereine werden vom Deutschen Fußballbund ein wenig allein gelassen. Wenn der DFB für jeden Verein ein Banner anbieten würde, das man sich dann ans Sportheim hängt und wo man jedes Wochenende drauf schaut, würde das sicher schon helfen. Aber das fehlt bislang. Deshalb habe ich selbst die Initiative ergriffen und gehe damit einen kleinen Schritt.“

Fotos vor jedem Spiel

Da das Tattoo bei Fußballspielen aufgrund der Stutzen nicht zu sehen sei, habe er sich ein T-Shirt anfertigen lassen, erklärt Eckhardt. Darauf steht der Aufruf: „Zeig dem Rassismus die Rote Karte!“ Dieses T-Shirt trägt er nun vor jedem Spiel. Sein Ziel: „Die Leute sollen für das Thema sensibilisiert werden.“ Kurz vor Anpfiff ruft der Schiedsrichter die Spielführer beider Mannschaften für ein Foto zu sich, auf dem er das T-Shirt trägt. „Die Zuschauer sind dann schon da und werden darauf aufmerksam.“ Die Fotos postet er zudem auf Instagram.

Auch der Niedersächsische Fußballverband sei schnell auf seine Aktion aufmerksam geworden, sagt Eckhardt. Der NFV stelle ihm nun Informationsbroschüren zum Thema Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zur Verfügung, die er an die Mannschaften verteilt. Durch Artikel in Onlineportalen und in der Zeitschrift des NFV, so der 42-Jährige, habe seine Aktion schließlich „richtig an Fahrt aufgenommen“. Mittlerweile habe er sogar Sponsoren für weitere T-Shirts gefunden.

Beleidigungen gibt es häufiger

In 18 Jahren als Schiedsrichter ist Eckhardt auf dem Spielfeld selbst schon Zeuge von fremdenfeindlichen Äußerungen geworden. „Ich glaube, diese Erfahrung hat schon fast jeder gemacht, der fußballbegeistert ist“, sagt er. Vor allem ausländerfeindliche Beleidigungen seien in der Vergangenheit häufiger auf dem Rasen gefallen. „Es ist gefühlt zurückgegangen, weil mittlerweile in fast jeder Mannschaft Spieler mit Migrationshintergrund spielen. Es ist also besser geworden, aber noch immer in zu kleinen Schritten.“ Das habe ihn in seinem Engagement bestärkt, betont er.

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Bei bislang 17 Spielen hat Eckhardt, der derzeit für die SG Rehbachtal pfeift, den Sportplatz mit seinem Aufruf gegen Rassismus auf der Brust betreten. Die Reaktionen seien dabei bisher ausschließlich positiv ausgefallen. „Die Mannschaften haben das alle positiv aufgenommen. Einige haben sogar Unterstützung zugesagt, wenn ich mal Hilfe brauchen sollte. Auch nach den Spielen kamen Zuschauer auf mich zu, die gesagt haben: Tolle Aktion, genau das brauchen wir.“

Bei seiner T-Shirt-Aktion soll es aber nicht bleiben. Eckhardt hat größere Ziele, will noch mehr Menschen mit seiner Botschaft erreichen. „Ich würde gern einen gesamten Fußballtag veranstalten, bei dem auf das Thema aufmerksam gemacht wird. Dafür würde ich eine Promimannschaft, zum Beispiel die Traditionself eines Bundesligisten, einladen, das DFB-Mobil vor Ort haben und so weiter. Einige Vereine und Unternehmen haben mir schon Unterstützung zugesagt.“ Manchmal, sagt Eckhardt, brauche es eben nur den Anstoß einer einzelnen Person, ehe viele weitere mitziehen.