29. Oktober 2019 / 17:42 Uhr

Gewalt-Exzesse und hohe Abbrecherquote: Alarmierende Zahlen zeigen Schiedsrichter-Schwund

Gewalt-Exzesse und hohe Abbrecherquote: Alarmierende Zahlen zeigen Schiedsrichter-Schwund

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
In Deutschland gibt es immer weniger Schiedsrichter.
In Deutschland gibt es immer weniger Schiedsrichter. © Imago Images/Peter Schatz/Montage
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In mehreren Bundesländern kam es zuletzt zu Gewaltausbrüchen gegen Schiedsrichter. Anders als erwartet haben die Landesverbände allerdings keine Probleme, Unparteiische zu rekrutieren - sondern diese auch zu halten. Die Zahlen sind alarmierend.

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Dieser Artikel ist Teil der Amateurfußball-Initiative #GABFAF. Weitere Informationen dazu auf gabfaf.de.

Diese Statistik spricht Bände: Gab es am 1. Januar 2011 laut DFB 78.455 Schiedsrichter, so waren es am 1. Januar 2015 noch 71.521 und am Ende der Saison 2015/2016 nur 59.482. Am 30. Juni 2019 war zum Saisonende Stichtag bei den Verbänden. 56.680 Unparteiische haben an diesem Tag gepfiffen, ein Verlust von fast 22 000 Schiedsrichtern in gut acht Jahren – oder 27,75 Prozent.

Die brutale Prügelattacke bei einem hessischen Kreisligaspiel hat die Dauerdiskussion um die Sicherheit der Amateur-Schiedsrichter noch einmal angefacht. Nach zunehmenden verbalen und körperlichen Angriffen haben viele ehrenamtliche Referees null Bock auf die Pfeife. Viele Schiedsrichter geben auf, sie wollen sich nicht von Spielern oder Zuschauern anpöbeln lassen. Auch Freizeit und Ehrenamt - das passt für junge Menschen oft nicht mehr zusammen.

Das Amateurfußball-Bündnis #GABFAF berichtet regelmäßig über Probleme bei Amateurvereinen. Hier eine Auswahl an Klubs, die davon profitiert haben:

Der Traditionsverein Sparta Göttingen gewinnt die 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse. Zur Galerie
Der Traditionsverein Sparta Göttingen gewinnt die 2000 Euro aus der #GABFAF-Vereinskasse. ©

Am vergangenen Wochenende streikten die Berliner Schiedsrichter, ab der 6. Liga abwärts fand keine Partie statt. Unterdessen hat sich die Mannschaft des FSV Münster nach der Prügelattacke gegen den Schiedsrichter aus dem laufenden Spielbetrieb abgemeldet. Nach übereinstimmenden Medienberichten zieht der hessische Kreisliga-Club damit die Konsequenzen aus dem Vorfall vom Wochenende, der bundesweit für Aufsehen sorgte.

Zudem erhält der Spieler, der den Unparteiischen schlug, nach Angaben des Vereinsvorsitzenden Hans-Peter Samoschkoff ein lebenslanges Hausverbot. „Außerhalb des Platzes sind sie alle ganz okay“, sagte Samoschkoff der „Bild“-Zeitung. „Aber auf dem Spielfeld geht eine Lampe aus.“ Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) forderte eine lebenslange Sperre für Täter, die Referees bewusstlos prügeln.

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Der 22 Jahre alte Unparteiische war am Sonntag in der Partie Münster gegen TV Semd in der C-Liga Dieburg von einem Spieler der Gastgeber bewusstlos geschlagen worden und musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden.

Das Problem bei den Schiedsrichtern in den unteren Klassen ist nicht deren Gewinnung - doch viele geben das Ehrenamt nach kurzer Zeit frustriert wieder auf. „Wir haben eine hohe Abbrecherquote – darunter viele Schiedsrichterkolleginnen und -kollegen, die in ihrer Anfangszeit so schlechte Erfahrungen machen, dass sie die Lust am Pfeifen schnell wieder verlieren und aufhören“, sagte Norbert Richter, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Schleswig-Holsteinischen Fußball-Verband, dem Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag.

Das sind die prominenten #GABFAF-Unterstützer:

Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. Zur Galerie
Freunde des Amateurfußballs: Mehr als 40 prominente #GABFAF-Unterstützer findest Du hier in der Galerie. ©

Auch der Bayerische Fußball Verband spricht von einem „Praxis-Schock“, die Gewinnung von Schiedsrichtern ist nicht das Hauptproblem. Die Anmeldungen für Neulingskurse seien stabil. „Allerdings ist die Absprungquote nach bestandener Prüfung und den ersten Einsätzen relativ hoch“, teilte die BFV-Pressestelle mit, die auf das Projekt „Tandem-Schiedsrichter“ verwies: Ein erfahrener Referee steht da mit dem Neuling bei dessen erstem Match gemeinsam auf dem Platz.

„Es gibt ein hohe Verunsicherung bei den Schiedsrichtern. Das nehme ich sehr ernst“, sagte Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußball-Verbandes. „Es muss nicht erst zum Schlimmsten kommen.“ Der Berliner Schiedsrichter-Sprecher hatte zuletzt betont, es dürfe nicht erst den ersten toten Referee in Deutschland geben, damit sich in Sachen Gewalt etwas ändere.