16. August 2019 / 18:37 Uhr

Schiedsrichter Gräfe kritisiert DFB für Leistungstests: "Antiquiert und wenig sinnvoll"

Schiedsrichter Gräfe kritisiert DFB für Leistungstests: "Antiquiert und wenig sinnvoll"

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Manuel Gräfe hat die vom DFB durchgeführten Leistungstests für Schiedsrichter scharf kritisiert.
Manuel Gräfe hat die vom DFB durchgeführten Leistungstests für Schiedsrichter scharf kritisiert. © imago images / Eibner
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Harte Kritik von Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe: Im Interview mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" wettert der 45-Jährige gegen die zu frühen Leistungstests seitens des DFB und dem ihm verwehrten Liga-Start.

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Antiquiert und wenig sinnvoll - das ist das vernichtende Urteil von Bundesliga-Schiedrichter Manuel Gräfe über die Leistungstest für Unparteiische, die vor der Saison traditionell vom DFB durchgeführt werden. Das erklärte der 45-Jährige in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung. Gräfe: "Dazu kommt, dass der Test aus meiner Sicht zu einem völlig falschen Zeitpunkt stattfindet."

Der Test, der in diesem Jahr Anfang Juli im Trainingslager der DFB-Schiedsrichter in Grassau stattfand, ist Teil der Eignungsprüfung, die Referees vor einer Saison ableisten müssen. In diesem Jahr fielen diverse Kollegen Gräfes durch den Belastungstest. Das macht den Berliner sauer. Denn für Gräfe kommen die Checks viel zu früh. "Warum muss ein Bundesliga-Schiedsrichter seine Fitness da schon beweisen? Das muss kein Bundesliga-Profi", betonte der Berliner, der mit seinen klaren Ansichten schon häufig auf Konfrontationskurs zum DFB gelaufen ist.

Die neuen Bundesliga-Regeln: Das ändert sich zur Saison 2019/20 im Fußball

Der Videobeweis hat den Fußball maßgeblich verändert. Vor allem bei Handspielen ist es in der Bundesliga zuletzt immer wieder zu heftigen Debatten gekommen. Zur Saison 2019/20 wurden einige Regelveränderungen vorgenommen, die es Schiedsrichtern und Videoassistenten leichter machen sollen. Der <b>SPORT</b>BUZZER hat die neuen Regeln zusammengefasst. Zur Galerie
Der Videobeweis hat den Fußball maßgeblich verändert. Vor allem bei Handspielen ist es in der Bundesliga zuletzt immer wieder zu heftigen Debatten gekommen. Zur Saison 2019/20 wurden einige Regelveränderungen vorgenommen, die es Schiedsrichtern und Videoassistenten leichter machen sollen. Der SPORTBUZZER hat die neuen Regeln zusammengefasst. ©
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Wie läuft der Belastungstest? Bei dem Check müssen die Schiedsrichter 6x 40 Meter in jeweils maximal sechs Sekunden sprinten und 40 Läufe über 75 Meter in höchstens 15 Sekunden bei 18 Sekunden Regeneration zwischen den Läufen absolvieren. FIFA-Schiedsrichter Deniz Aytekin gehörte in diesem Jahr zu den prominenten Opfern des Checks. Auch der 40-Jährige hatte den Test anschließend kritisiert. "Man kann nicht erwarten, dass wir auf Knopfdruck funktionieren", betonte Aytekin.

Manuel Gräfe: Deshalb haben viele Schiedsrichter mittlerweile Muskelverletzungen

Der zu frühe Leistungscheck hat aus Gräfes Sicht negative Folgen für die Unparteiischen. "Viele Schiedsrichter, die bis in den Juni pfeifen, trainieren in der Sommerpause bis zum Test durch. Sie verwehren ihrem Körper die Erholungsphase", sagte der frühere FIFA-Schiri. "Das ist aus meiner Sicht einer der Gründe, warum sich immer mehr Schiedsrichter unter anderem muskuläre Verletzungen zuziehen."

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Gräfes Lösungansatz ist klar: Mehr Individualität im Trainingsbetrieb der Schiedsrichter. Der Test schere "alle über einen Kamm und sagt nicht wirklich etwas aus über die Leistungsfähigkeit des Einzelnen. Wir reden von einer 80-köpfigen Gruppe im Alter von Anfang 20 bis 47. Glauben Sie, dass Claudio Pizarro dieselben Werte erreichen kann und muss wie Maximilian Eggestein? Und trotzdem legt man in Bremen immer noch viel Wert auf ihn." Seine Bedenken hat Gräfe - wie einige Kollegen auch - dem DFB mitgeteilt. Außerdem reichte der Berliner Verbesserungsvorschläge ein.

Gräfe verpasst den Bundesliga-Start wegen einer Operation

Gräfe, der seit 2004 Bundesliga-Schiedsrichter ist, wird den Saisonstart in dieser Saison verpassen. Der 45-Jährige musste sich im Sommer operieren lassen und anschließend vier Wochen pausieren. Deshalb konnte er in Grassau nicht den Leistungstest bestehen. Diesen darf Gräfe erst am 29. August nachholen. Einen früheren Termin hat ihm der DFB verwehrt.

Gräfe ist darüber enttäuscht: "Auch wir Schiedsrichter haben die Mentalität eines Spitzensportlers; wir wollen dabei sein, wenn es losgeht. Es ist immer noch ein ganz besonderer Moment, in ein volles Stadion einzulaufen und das Kribbeln zu spüren. Ich hatte meine gesamte Vorbereitung darauf ausgerichtet, am ersten Spieltag dabei zu sein."

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