04. November 2021 / 12:34 Uhr

Ex-Schiri Rafati nach Rot-Wirbel um BVB-Star Hummels: Das läuft in der Champions League anders

Ex-Schiri Rafati nach Rot-Wirbel um BVB-Star Hummels: Das läuft in der Champions League anders

René Wenzel
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Ex-Schiedsrichter und SPORTBUZZER-Kolumnist Babak Rafati (links) blickt auf die umstrittene Rote Karte gegen BVB-Profi Mats Hummels.
Ex-Schiedsrichter und SPORTBUZZER-Kolumnist Babak Rafati (links) blickt auf die umstrittene Rote Karte gegen BVB-Profi Mats Hummels. © IMAGO/Revierfoto/privat (Montage)
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Diese zweifelhafte Schiedsrichter-Entscheidung sorgt für Diskussionen: BVB-Verteidiger Mats Hummels setzt zur Grätsche an, trifft Ajax-Juwel Antony leicht und sieht direkt Rot. Ex-Referee und SPORTBUZZER-Kolumnist Babak Rafati ordnet die Vorgänge nach dem Aufreger in der Champions League ein.

Für Rotsünder Mats Hummels war es eine "absurde Fehlentscheidung", für Trainer Marco Rose "maximal bitter". Im Bestreben, sich für die peinliche Lehrstunde von Amsterdam (0:4) zu revanchieren, schien Borussia Dortmund auf gutem Weg, wurde aber vom englischen Referee Michael Oliver bereits in der 29. Minute ausgebremst. Dessen umstrittener Platzverweis beim 1:3 (1:0) im zweiten Champions-League-Duell mit den Niederländern sorgte beim BVB für Verärgerung. Und bei vielen Menschen für Verwunderung.

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"Hummels grätscht in dieser Aktion mit einer hohen Intensität und Dynamik. Aber er trifft dabei komplett ins Leere. Antony wälzt sich auf dem Boden wie ein sterbender Schwan. Seine Mitspieler machen richtig Theater und beeinflussen damit die Entscheidung des Schiedsrichters. Es war überhaupt gar keine Spannung in der Körpersprache von Oliver zu sehen. Wenn man Rot gibt, macht man das entschlossen und aus Überzeugung. Auch die Reaktion seines Assistenten ließen kein böses Foulspiel erahnen", sagt der frühere Bundesliga-Referee Babak Rafati im Gespräch mit dem SPORTBUZZER.

Nach Meinung der Gastgeber erwies sich die Entscheidung des Referees, das nur auf den ersten Blick rüde Foul von Hummels an Ajax-Juwel Antony mit einem Platzverweis zu ahnden, nach Sichtung der TV-Bilder als falsch. "Ein englischer Schiedsrichter müsste erst recht wissen, dass das kein Rot ist", betonte Rafati. Dass eine Korrektur aus dem Videokeller dennoch ausblieb und der Unparteiische zudem darauf verzichtete, seine Entscheidung via TV zu überprüfen, empörte die Gastgeber.


Nur dann greift der VAR ein

Der frühere Bundesliga-Schiedsrichter gibt einen spannenden Einblick in die Abläufe bei Spielen auf internationaler Bühne. "Die Eingriffsschwelle ist bei der UEFA sehr hoch. Der Videoschiedsrichter interveniert nur, wenn es gar keinen Kontakt gegeben hat. Da war die UEFA auch schon bei der EM im Sommer sehr konsequent", sagte Rafati, der von dieser Regelung aber nichts hält: "Diese Linie ist nicht förderlich für den Fußball. Das war am Mittwochabend eine Fehlentscheidung von Oliver. Im Sinne des Fußballs muss man diese Auslegung feinjustieren."

Hummels reagierte nach der Grätsche auf dem Platz sehr verhalten, hob unschuldig beide Hände nach oben. Der BVB-Verteidiger war sich wohl sicher, dass sich der VAR meldet. "So wäre es auch in der Bundesliga gewesen. In der Champions League kommt es auf die Thermik an. Hummels hätte sich intensiver beschweren müssen", meinte Rafati. Nach dem Spiel erklärte der BVB-Verteidiger, dass er keine Ahnung habe, "wie man Rot geben kann. Wie man als Schiedsrichter auf Champions-League-Niveau auf diese Idee kommen kann".

Hummels kritisiert Antony

Der Weltmeister von 2014 ärgerte sich auch über seinen Gegenspieler Antony. "Die Schauspielerei meines Gegenspielers sollte man nicht außer Acht lassen. Das ist grob unsportlich. Er kommt zu mir und sagt selbst, dass es keine Rote Karte war. Das ist eine Farce, das ist lächerlich. Er ist ein super Fußballer, jetzt muss er noch lernen, Sportler zu werden", sagte der BVB-Verteidiger über den Nationalmannschaftskollegen von Neymar, der bei solchen Aktionen oft ein ähnliches Verhalten abgibt und dafür oft belächelt wird.

Ex-Schiedsrichter Rafati appelliert in dieser Hinsicht an die Spieler, sieht dabei aber auch ein generelles Problem. "Auch Spieler aus der Mannschaft von Hummels hätten ähnlich wie Antony reagiert. Leider muss man das Verhalten von Spielern intern auf Sitzungen klären. Vielleicht kommen wir irgendwann mal dahin, dass man für so ein grob unsportliches Verhalten Rot sieht. Das dauert aber wohl noch viele Jahre. Das gehört leider in die Taktik der Spieler. Es ist einfach eine üble Gangart. Das Tackling von Hummels war im Ansatz bilderbuchmäßig und eine glatte Gelbe Karte – mehr nicht", sagte Rafati.