25. November 2021 / 16:45 Uhr

Schillernder Handball-Napoleon: Bob Hanning packt seine Zuhörer

Schillernder Handball-Napoleon: Bob Hanning packt seine Zuhörer

Sönke Fröbe
Ostsee-Zeitung
Handball-Macher Bob Hanning präsentiert seine Autobiografie.
Handball-Macher Bob Hanning präsentiert seine Autobiografie. © Sönke Fröbe
Anzeige

Auf Einladung des HC Empor stellte der langjährige DHB-Vizepräsident in Rostock seine Autobiografie vor.

Wer auch nur eine vage Ahnung hat, was ein Siebenmeter ist, ein Rückraumspieler oder ein Kreisläufer, der kennt auch Bob Hanning. Der 53-jährige ist eine der schillerndsten Persönlichkeiten des deutschen Handballs, der als Vizepräsident des DHB viel bewegte, aber immer auch stark polarisierte.

Anzeige

„Jeder, der sich ein bisschen im Handball tummelt, hat eine Meinung über mich – die wenigsten haben eine gute“, sagt Hanning und beziffert das Verhältnis von Fans und Gegnern auf „20 zu 80“. Auch deshalb habe er sich dazu entschieden, ein Buch zu schreiben. Um seinen Lesern den Menschen in den bunten Pullovern näher zu bringen. „Hanning. Macht. Handball“, heißt seine Autobiografie, die der gebürtige Essener am Mittwochabend vor rund 60 geladenen Gästen in der Rostocker Ospa-Zentrale vorstellte.

Der Titel klingt ein wenig nach Hybris, auf dem Cover inszeniert sich der streitbare Handball-Macher auf einem goldenen Thron. Natürlich sei das Buch auch aus einer persönlichen Eitelkeit heraus entstanden, erklärt Hanning: „Sonst würde man keins schreiben.“ Tatsächlich war weder der Titel noch das Cover-Foto seine Idee.

„Wer Menschen führen will, muss Menschen lieben“: So wäre das Buch überschrieben gewesen, wäre es nach Hanning gegangen. „Das hat aber weder meinem Co-Autoren (Journalist Christoph Stukenbrock/ d. Red.) noch dem Verlag gefallen, der das Buch verkaufen muss“, erklärt der selbst ernannte „Meister des publikumswirksamen Auftritts“, der stilecht in knallbuntem Hoodie und weißer Hose Hof hielt. „Wenn Du schon so bist wie du bist, setzen wir dich auf den Thron, weil wir dann einfach mehr Bücher verkaufen“, habe der Verlag befunden.

Lesen wollte Bob Hanning aus seinem Buch selbst nicht, das übernahm Gastgeber Tobias Woitendorf, der Vorstandschef des Handball-Zweitligisten HC Empor. Gelesen wurde an diesem Abend wenig, dennoch erfuhren die Zuhörer, unter ihnen der Rostocker Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk, im 90-minütigen Talk viel über den Handball-Besessenen mit dem großen Ego.

„Er ist einer, der rund um die Uhr alles für den Handball gibt. Für mich war er ein großer Lehrmeister“, sagt HCE-Geschäftsführer Stefan Güter über seinen engen Freund. Beide kennen sich seit fast 20 Jahren, damals startete Güter als Praktikant beim HSV Hamburg, dessen Trainer Hanning war.


Ich bin einsachtundsechzig, für Frauen einssiebzig.

In seinem 240 Seiten starken „Spiegel“-Bestseller verrät er „Geheimnisse aus dem Innersten eines faszinierenden Sports“, so der Untertitel des Buchs. Auch die Zuhörer in Rostock packt der einstige Torwart, wenn er über Erfolge und Verwerfungen in seiner Zeit als DHB-Vizepräsident (2013-21), über sein tiefes Zerwürfnis mit Heiner Brand oder das Scheitern „seines“ Bundestrainers Christian Prokop spricht. Hannings Aufstieg vom Sportartikelverkäufer in Recklinghausen zum erfolgreichen Unternehmer und Trainer bis hin zu einem der international einflussreichsten Handball-Funktionäre ist beeindruckend. Oft eckte der einstige Waldorfschüler an: „Ich habe zwar jeden Tag auf die Fresse gekriegt, aber es hat sich gelohnt“, sagt er.

Polarisieren und provozieren, das ist Teil der DNA des Wahl-Berliners. „In Melsungen hat sich noch nie einer verbessert, da ist Stagnation schon ein Erfolg“, lästert er zum Beispiel über den Bundesligisten. Aber Bob Hanning kann auch anders, der Mann verfügt über Humor und Selbstironie: „Ich bin einsachtundsechzig, für Frauen einssiebzig“, scherzt der Ex-Lebensgefährte der Neubrandenburger Weltklasse-Sprinterin Katrin Krabbe (1,82 m).

Vor dem Buch-Talk in der Ospa-Zentrale trainierte Hanning die B-Junioren des HC Empor. Mit dem großen Handball hat der Geschäftsführende Gesellschafter der Füchse Berlin und Trainer von Drittligist VfL Potsdam nach seinem Rücktritt als DHB-Vize im Oktober weitgehend abgeschlossen. „Ich bin Jugendtrainer aus tiefster Überzeugung, ich brauche keine Bundesliga und keine Nationalmannschaft“, sagt der Handball-Napoleon, der sich jüngst ein Haus am See gebaut hat und „ein glücklicher Mensch“ ist.