06. April 2021 / 15:09 Uhr

Schiri-Kolumne: Hebt der Unparteiische beim Freistoß den Arm, gibt's statt direktem Tor nur Abstoß

Schiri-Kolumne: Hebt der Unparteiische beim Freistoß den Arm, gibt's statt direktem Tor nur Abstoß

Benno Seelhöfer
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Gehobener Arm: In dieser Situation geht's mit indirektem Freistoß weiter.
Gehobener Arm: In dieser Situation geht's mit indirektem Freistoß weiter. © Ralf Büchler
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Freistoß ist nicht gleich Freistoß. Es gibt direkte und indirekte. Aber wo ist der Unterschied, wie signalisiert der Unparteiische, was gerade Sache ist? Antworten gibt's in der Schiri-Kolumne "Denn sie wissen nicht, was wir tun".

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Freistoß ist nicht gleich Freistoß. Das ist auf den ersten Blick aber nicht immer ersichtlich, denn schließlich gibt es neben den direkten Freistößen im Fußball auch die indirekten. Gifhorns Kreis-Schiedsrichter-Lehrwart Thorben Rutsch erklärt in der Schiri-Kolumne "Denn sie wissen nicht, was wir tun" die Unterschiede.

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In der Praxis gibt's den indirekten Freistoß am häufigsten nach einer Abseits-Situation. Der Schiedsrichter pfeift, hebt den Arm, es geht mit einem Freistoß für die verteidigende Mannschaft weiter - so der reguläre Ablauf. Doch was vielleicht einige nicht wissen: Der gehobene Arm signalisiert in der Spielszene keineswegs die Abseits-Entscheidung, sondern zeigt dem Schützen an, dass der folgende Freistoß indirekt ist. Das bedeutet: Geht der Ball nach der Ausführung direkt ins Tor, ohne dass ein weiterer Spieler am Ball war, gibt's statt Tor nur einen Abstoß.

Großteil der Freistöße ist direkt

In der Praxis passiert das natürlich eher nicht. Freistöße nach Abseits gibt's ohnehin nur in der eigenen Hälfte. Dass der Ball danach direkt ins Tor geht: sehr unwahrscheinlich. Dass wissen natürlich auch Rutsch und seine Kollegen. "Man muss als Schiri eigentlich den Arm so lange gehoben haben, bis klar ersichtlich ist, dass der Ball nicht direkt ins Tor geht, also beispielsweise ein gegnerischer Spieler den Ball nach dem Freistoß berührt", sagt der Gifhorner Schiri und gibt mit einem Grinsen zu: "Aber in der Praxis fällt sowieso kein Tor, da nehme ich den Arm auch schon mal früher runter."

Abgesehen von den Abseits-Situationen gibt's den indirekten Freistoß nicht so häufig. "Der Großteil der Freistöße ist direkt", sagt Rutsch. Deshalb ist Aufklärung wichtig. Der Kreis-Schiri-Lehrwart erinnert sich mit einem Schmunzeln: "Ich hatte schon mal den Fall, dass ich vor einer Freistoß-Ausführung mit erhobenem Arm vor einem Spieler stand, und er mich fragte: 'Direkt oder indirekt?' Dann mache ich auch auf die Schnelle gerne noch etwas Regelkunde."

Umsetzung der Sechs-Sekunden-Regel?

Aber wann gibt es darüber hinaus noch einen indirekten Freistoß? Die Faustregel: Verstöße ohne Körperkontakt. Das bekannteste Beispiel - nicht nur für Schalke- und Bayern-Fans - ist sicherlich der unerlaubte Rückpass. Hinzu kommen noch verbale Vergehen, gefährliches Spiel (hohes Bein, Fallrückzieher am Mann, ...) oder die Sechs-Sekunden-Regel, die bestimmt, wie lange der Torwart beim Abstoß den Ball in der Hand halten darf. Doch diese Regel hat von der Bundesliga bis in die Kreisklasse eines gemeinsam: Sie wird in den seltensten Fällen gepfiffen.

Rutsch ehrlich: "Würde man bei jeder Abstoß-Situation genau stoppen, gäbe es mehr Unterbrechungen. Aber: Wenn das oben so vorgelebt wird, können wird das im Kreis nicht etablieren." Klar ist aber dennoch: Freifahrtscheine für die Keeper gibt's nicht. Denn wie in so vielen Fällen, gilt auch hier, so Rutsch: "Man muss immer gucken, wie man die Theorie in der Praxis anwendet."