09. April 2019 / 07:59 Uhr

Schiri-Legende Bernd Heynemann hält nicht viel vom Videobeweis

Schiri-Legende Bernd Heynemann hält nicht viel vom Videobeweis

Anita Kecke
Leipziger Volkszeitung
Verstanden sich auf dem Podium bestens: Bernd Heynemann (l.) und Guido Schäfer.
Verstanden sich auf dem Podium bestens: Bernd Heynemann (l.) und Guido Schäfer. © Anita Kecke
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Bernd Heynemann (65) hat von der DDR-Oberliga über die Bundesliga bis zur Fußball-Weltmeisterschaft alles gepfiffen. Im Fußballtalk mit LVZ-Chefreporter Guido Schäfer über Highlights, den Videobeweis und seine politische Karriere.

Leipzig. Die Pfeife hatte er am Montagabend nicht dabei. Aber Humor, Lebensweisheiten und jede Menge Anekdoten. Bernd Heynemann hat von der DDR-Oberliga über die Bundesliga bis zur Fußball-Weltmeisterschaft alles gepfiffen. Im Gespräch mit LVZ-Chefreporter Guido Schäfer rockte die Schiedsrichterlegende aus Magdeburg das Wirtshaus am Monarchenhügel in Leipzig-Meusdorf. Beide kickten sich die Bälle nur so zu und sorgten für volles Haus und gute Stimmung. Da die Gaststätte für den Ansturm der über 120 Zuschauer nicht ausreichte, verlegten die Wirte Eike Rabich und Rene Steinke den Meusdorfer Fußballtalk in den angeschlossenen großen Saal.

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Sein Highlight war die WM 1998

Heynemann, der 1954 in Magdeburg geboren wurde, leitet fast 100 Spiele in der DDR-Oberliga und über 150 Bundesligaspiele. Er pfiff auch auf internationaler Ebene, unter anderem in 42 Europapokalspielen, war im Einsatz bei der Europameisterschaft 1996 in England und bei der Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich. Befragt nach seinem Highlight als Schiedsrichter, muss er nicht lange überlegen. Die Weltmeisterschaft 1998 in Frankreich, als er zwei Spiele pfiff, Kolumbien gegen Tunesien und Italien gegen Norwegen. Im selben Jahr wurde er als deutscher Schiedsrichter des Jahres geehrt.

Moderator und Gast standen sich in Humor und Schlagfertigkeit in nichts nach, ließen eine Anekdote nach der anderen aus dem Fußballrasen sprießen und sorgten so für einen kurzweiligen, informativen und unterhaltsamen Abend. „Er ist 65, sieht aber aus wie 53“, äußerte Schäfer über Heynemann. Der konterte sofort: „Weil ich die Beautytipps von dir übernommen habe.“ Als Schäfer ein Video einspielt mit Foulspiels aus seiner Zeit als aktiver Mainz-05-Kicker, meinte der Schiri nur trocken: „Da wäre die rote Karte bei mir von ganz allein rausgekommen.“


Bernd Heynemann stand auch in Leipzig des Öfteren auf dem Platz hier 1998 beim Derby zwischen dem FC Sachsen und dem VfB Leipzig.
Bernd Heynemann stand auch in Leipzig des Öfteren auf dem Platz hier 1998 beim Derby zwischen dem FC Sachsen und dem VfB Leipzig. © LVZ-Archiv

Ende kam zu früh

Als er dann in der Bundesliga auf dem Platz stand, war Heynemann froh, dass er in fast jeder Mannschaft drei bis fünf Ostdeutsche kannte. Seine Philosophie: „Du musst kommunikativ sein und die Spieler verstehen.“ Offenbar ist ihm das nach gut gelungen, so dass er heute immer noch zu Promispielen und Abschiedsspielen eingeladen werde. Heynemann pfiff auch das Abschiedsspiel von Michael Ballack 2013 in Leipzig.

Dass er 2001 mit 47 wegen der damals vorgeschriebenen Altersgrenze schon aufhören musste als Schiri, hat dem sportlichen Heynemann nicht gefallen. Heute sei man da flexibler, prüfe Gesundheit und Fitness und entscheide dann.

Nach seiner aktiven Schiedsrichterlaufbahn hat Heynemann sich ebenso aktiv in die Politik eingemischt. Für die CDU saß er von 2002 bis 2009 im Bundestag, später auch im Landtag von Sachsen-Anhalt (2015 bis 2016). Im Magdeburger Stadtrat ist er heute noch aktiv und will auch weitermachen, wie er im Talk sagte. Bei den Kommunalwahlen am 26. Mai tritt er noch einmal an. Die Kommunalpolitik betreibe er mit Leidenschaft, er wolle etwas bewegen für die Menschen, sagte der Diplom-Betriebswirt.

„RB setzt auf Langfristigkeit“

Gefragt zu RB Leipzig, meinte der Magdeburger, dass es sicher schwierig war und ist, sich in Leipzig gegen Lok und Chemie zu positionieren. Aber inzwischen sei RB eine Erfolgsgeschichte. „Der Verein wird angenommen, investiert in die Arena, macht Jugendarbeit und setzt auf Langfristigkeit“, so Heynemann.

Der bei Fans und Spielern stets sehr beliebte Heynemann hatte viel zu erzählen.
Der bei Fans und Spielern stets sehr beliebte Heynemann hatte viel zu erzählen. © Anita Kecke

„Videobeweis bringt neue Probleme“

„Der Videobeweis wird mehr Probleme bringen, als er löst“, ist der erfahrene Schiedsrichter überzeugt. Es entwickele sich ein „Überprüfungswahn“. „Dann brauchen wir keinen Schiedsrichter mehr. Und der Fußball wird nicht mehr die Emotionen haben“, warnt er. Zustimmender Beifall aus dem Publikum. Fußball spielt Heynemann noch immer, Freitagfrüh, wie er sagt. Aber inzwischen gehört sein Herz auch kleineren Bällen – denen dem Golfen (Handicap 32).

Er hält auch nicht viel davon, sich vor jedem Spiel fünf bis sechs Videos anzusehen, um die Mannschaft, Taktik und die Spieler zu analysieren. „Man soll Fußball spielen und nicht eine Wissenschaft daraus machen.“

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Viele Fußball-Experten unter den Gästen

Unter den Gästen waren Frank Müller, ehemaliger Aufsichtsrat von Lok Leipzig, Uwe Thomas, Ex-Manager des FC Sachsen, Achim Steffens, Ex-Trainer des VfB Leipzig und von Sachsen Leipzig sowie Tomislav Piplica, Ex-Torhüter von Energie Cottbus, der vor wenigen Tagen seinen 50. Geburtstag feierte.

Bettina Schröter, die mit ihrem Mann Arndt kam, freute sich über einen gelungenen Abend: „Die beiden haben sich wunderbar ergänzt. Guido Schäfer moderiert einfach unterhaltsam und professionell.“ Und Harald Lorbeer, der mit seiner Frau Steffi beim Fußballtalk war, meinte: „Bernd Heynemann ist eine echte Legende. Ich kenne ihn schon aus der Zeit, als er bei Chemie und Lok gepfiffen hat. Es war wirklich unterhaltsam, auch mal was zu hören, wie es hinter den Kulissen war und was er vom Videobeweis hält.“

Guido Schäfer und Wirt Eike Rabich spielen gemeinsam Fußball und haben dabei auch die Idee für den Meusdorfer Fußballtalk geboren. „Wenn das so gut läuft, setzen wir das gern fort“, sagt Rabich. Die Zuschauer dürfen gespannt sein.