26. Oktober 2020 / 16:33 Uhr

Schiri statt Landesliga-Tor: RW Wolfsburg mit brüderlicher Unterstützung an der Pfeife

Schiri statt Landesliga-Tor: RW Wolfsburg mit brüderlicher Unterstützung an der Pfeife

Henning Kampen
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
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Für das Wolfsburger Kreisliga-Duell von Rot-Weiß gegen den ESV war kein Schiedsrichter angesetzt worden. Mohamed Majid sprang ein, obwohl der Torhüter eigentlich mit Eintracht Braunschweig II bei SSV Vorsfelde antreten sollte.

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Torhüter, Zuschauer, Schiedsrichter: Mohamed Majid hatte seinen Tagesplan am Sonntag mehrmals über den Haufen geworfen - letztendlich stand er in ungewohnter Rolle auf dem Fußballplatz. Eigentlich hätte Majid am Sonntag selbst spielen sollen, doch die Partie des Landesliga-Torhüters von Eintracht Braunschweig II beim SSV Vorsfelde war aufgrund eines Corona-Falls im Umfeld seines Teams abgesetzt worden. Dann wollte sich der 23-Jährige die Kreisliga-Partie seines älteren Bruders Majed Majid ansehen, der mit Rot-Weiß Wolfsburg den ESV Wolfsburg empfing. Zum Spielbeginn um 14 Uhr stand Mohamed Majid aber selbst auf dem Spielfeld, mit Pfeife und Karten ausgestattet leitete er die Partie als Schiedsrichter.

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Beschwerde über lange Nachspielzeit

Für das Spiel war kein Schiedsrichter angesetzt worden, also mussten sich die beiden Vereine untereinander einigen, wer als Schiedsrichter fungieren könne. „Am Morgen meinte mein Bruder: ‚Wir haben keinen Schiedsrichter für das Spiel‘, da sagte ich, dass ich mich dafür zur Verfügung stellen könnte“, so Mohamed Majid. Auch der ESV willigte ein, unter der Bedingung, dass er, sollte er sich nicht als unparteiischer Schiedsrichter entpuppen, ausgetauscht werden müsse. Die Gäste verließen das Herzbergstadion mit einem 4:3-Erfolg, nach dem Schlusspfiff waren es die Spieler von Rot-Weiß um seinen Bruder Majed, die nicht zufrieden waren. „Sie hatten sich darüber beschwert, dass ich fünf Minuten Nachspielzeit gegeben hatte und meinten, das 4:3 sei Abseits gewesen“, sagt Majid.

Keine Schuldzuweisungen vom RW-Trainer

RW-Trainer Baris Gülay war mit der Leistung von Majid aber zufrieden, obwohl auch er bei dem bitteren Gegentreffer zum 3:4 in der Nachspielzeit eine Abseitsstellung erkannt haben wollte. Dennoch sei die Leistung von Majid nicht der Grund für die vierte Saison-Niederlage seines Teams gewesen. „Er hat es gut gemacht, wir haben uns dagegen wieder einmal selbst geschlagen. In der 87. Minute machen wir das 3:2, dann bekommen wir den Ausgleich durch einen Sonntagsschuss und dann sogar noch das 3:4. Auf der anderen Seite lassen wir zu viele Tor-Chancen liegen“, moniert Gülay.

Und wie bewertete Majed Majid die Leistung seines Bruders? „Er war mit meiner Leistung zufrieden, aber auch er war nicht so ganz mit den fünf Minuten Nachspielzeit einverstanden“, gestand Mohamed Majid. Dem Familienfrieden schadete der Ausflug an die Pfeife aber nicht - und vielleicht war es nicht das letzte Mal. „Es hat mir Spaß gemacht, und ich kann es mir auf jeden Fall wieder vorstellen“, sagt Majid, der bei einem möglichen nächsten Einsatz nur gern Unterstützung von außen hätte, um Zweifel bei Abseits-Entscheidungen beseitigen zu können. „Beim nächsten Mal hätte ich gern Linienrichter.“