19. März 2021 / 11:54 Uhr

Bens Leben wird vom Fußball bestimmt, nicht von seinem Schlagfall 

Bens Leben wird vom Fußball bestimmt, nicht von seinem Schlagfall 

Alina Gehrke
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Ben Kleine spielt beim SV 28 Willingen groß auf.
Ben Kleine spielt beim SV 28 Willingen groß auf.
Anzeige

Ein junger Amateurkicker lässt sich nicht ausbremsen und zeigt allen Betroffenen, dass nichts unmöglich ist. Ab nächster Saison schnürt er seine Fußballschuhe für die C-Jugend des SV 28 Wissingen. 

Anzeige

Dieser Artikel ist Teil des Aktionsbündnis #GABFAF. Mehr Informationen auf gabfaf.de.

Ben erlitt bereits im Mutterleib einen Schlaganfall und kam sechs Wochen zu früh auf die Welt. „Die Anfangsprognosen lauteten, dass Ben nicht laufen kann.”, sagt Tanja Kleine, seine Mutter. Doch entgegen der ärztlichen Vorhersage ließ sich Ben von seiner einseitigen Lähmung und der Epilepsie nicht stoppen. Er trägt Orthesen und bekommt regelmäßig Botox-Spritzen. Dadurch verbessert sich das Gangbild, und für Ben wird sein größtes Hobby möglich: Fußball.

Anzeige

Fußball als Therapieausgleich

„Wir sind totale Fußballjunkies”, verrät Bens Vater Carsten lachend. Da lag es nahe, dass auch Ben diese Leidenschaft schnell für sich entdeckte. „Von klein auf ist Ben immer mit dem Ball unterwegs gewesen”, sagt seine Mutter. Trotz anfänglicher Bedenken meldeten sie ihn deshalb beim SV 28 Wissingen an. Die körperliche Beeinträchtigung merkt man dem Linksfuß kaum an, denn er weiß seinen Körper einzusetzen. „Er ist sehr gut im Verein und in der Mannschaft integriert”, sagt Carsten Kleine.

Für Ben ist das Fußballspielen ein Ausgleich zu den vielen Therapien, die er über die Woche verteilt absolvieren muss. Mittlerweile steht Bens Vater als sein Trainer am Seitenrand, und das wird auch so bleiben, wenn er ab Sommer in der C-Jugend spielt. „Es ist für Ben ein Stück weit Sicherheit, dass jemand dabei ist, der ihn kennt und behilflich sein kann, wenn mal etwas nicht klappt”, sagt seine Mutter. Eigentlich würde Ben bereits in der C-Jugend spielen, doch aufgrund seiner körperlichen Defizite spielt er einen Jahrgang tiefer. Möglich ist das dank einer Sondergenehmigung, die jährlich mit einem ärztlichen Attest vom Verband genehmigt werden muss.

Tolles Erlebnis bei Hertha BSC

Ben lebt in der Nähe von Osnabrück, besucht die Spiele des VfL und drückt ihm die Daumen. Als Ben fünf Jahre alt war, besuchte er mit seinen Eltern das Spiel Hertha BSC gegen den FC Augsburg. Ein Fan wurde auf den Jungen im Reha-Buggy aufmerksam, und kurz vor der Halbzeit standen dann rund 60 Anhänger aufgereiht vor der Familie. Sie übergaben Ben, der ein Gladbach-T-Shirt trug, Trikot und Schal von Hertha BSC.

Scrollt man durch Bens Instagram-Account, dann wird schnell deutlich: Für ihn dreht sich alles um Fußball. Ben pflegt Fanfreundschaften und ist sogar im regelmäßigen Austausch mit Profifußballern.

Mehr von #GABFAF

Eltern gründen Selbsthilfegruppe

Carsten Kleine ist als Inklusionsbeauftragter beim SV 28 Wissingen tätig, aber auch außerhalb des Sportvereins sind die Eltern sehr engagiert. Vor rund drei Jahren gründeten Carsten und Tanja Kleine in Osnabrück einen regionalen Ableger vom SHAKI e.V., einer deutschlandweiten Selbsthilfe-Organisation für Schlaganfallkinder. Damit wollen sie anderen Familien den Start nach der Diagnose vereinfachen und den Austausch fördern.

Die Geschichte von Ben und seiner Liebe zum Sport kann allen Betroffenen Hoffnung schenken.