11. September 2021 / 20:23 Uhr

Schlechtester Bundesliga-Saisonstart: Clevere Bayern nutzen Leipzigs Abwehrlücken

Schlechtester Bundesliga-Saisonstart: Clevere Bayern nutzen Leipzigs Abwehrlücken

Antje Henselin-Rudolph
Leipziger Volkszeitung
Da können Nordi Mukiele, Willi Orban udn auch Peter Gilacsi nur hinterhergucken: Jamal Musiala trifft zum 2:0 für den FC Bayern.
Da können Nordi Mukiele, Willi Orban udn auch Peter Gilacsi nur hinterhergucken: Jamal Musiala trifft zum 2:0 für den FC Bayern. © Getty Images
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Sie gaben nie auf, sie boten dem FC Bayern Paroli, aber auch jede Menge Platz im eigenen Sechzehner. 1:4 (0:1) hieß es nach 90 Minuten zwischen RB Leipzig und dem Rekordmeister. Die Pleite sorgt für den schlechtesten Saisonstart, seit dem Aufstieg der Sachsen in die Bundesliga.

Leipzig. Vier Spiele, drei Niederlagen: RB Leipzig hat den schlechtesten Saisonstart seit dem Aufstieg in die Bundesliga hingelegt. Die Sachsen kassierten am Samstagabend in der mit 34.000 Fans nach den aktuellen Corona-Bestimmungen ausverkauften Red Bull Arena eine 1:4-Niederlage (0:1) gegen Bayern München. Der amtierende Vizemeister rangiert damit vorerst weiter auf Tabellenplatz zehn, kann aber am Sonntag noch weiter nach unten durchgereicht werden.

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Kampls Oberarm verursacht das 0:1

Coach Jesse Marsch änderte die Startelf im Vergleich zum 0:1 beim VfL Wolfsburg gleich auf fünf Positionen, verzichtete unter anderem auf Emil Forsberg. Für die nötige Erfahrung auf dem Platz sollte Kevin Kampl sorgen. Zum Wiedersehen mit Marcel Sabitzer kam es für die RB-Fans vorerst nicht. Bayerns Neuzugang nahm auf der Bank Platz, kam erst in Halbzeit zwei (und bekam ordentlich was auf die Ohren). Die Stimmung im Rund war bereits beim Warmmachen der Teams angespannt. Die Kicker von der Isar wurden ebenso ausgepfiffen wie deren Coach (und Ex-Leipziger) Julian Nagelsmann, als dieser zum Interview mit dem PayTV-Sender Sky in der Nähe des RB-Fanblocks schritt. Über den Umgang mit der Rückkehr des Trainers an seine alte Wirkungsstätte war unter den RB-Anhängern vorab intensiv diskutiert worden.

DURCHKLICKEN: Die Bilder zur 1:4-Niederlage

RB Leipzig fnden einfach nicht in die Erfolgsspur: Auch gegen den FC Bayern München fand die Marsch-Elf nur selten zu ihrem Spiel und verlor klar und verdient mit 1:4. Zur Galerie
RB Leipzig fnden einfach nicht in die Erfolgsspur: Auch gegen den FC Bayern München fand die Marsch-Elf nur selten zu ihrem Spiel und verlor klar und verdient mit 1:4. ©

Ausgerechnet Kampl, dessen Einsatz vorab von diversen TV-Experten gefordert worden war, verpasste den Gastgebern den ersten ganz großen Dämpfer der Partie, als er in der 12. Minute im Zweikampf mit dem Oberarm zum Ball ging. Schiri Deniz Aytekin erhielt einen Wink aus dem VAR-Keller in Köln, schritt zum Bildschirm und entschied auf Strafstoß, zu Recht natürlich. Für Robert Lewandowski ist sowas für gewöhnlich eine leichte Übung. Das war auch diesmal so - 0:1. Auch wenn RB sich nicht beeindrucken ließ, weiter marschierte, viel versuchte, zeigte sich einer durchaus angegriffen, Kevin Kampl. Der 30-Jährige mutierte zwischenzeitlich fast schon zu einem Unsicherheitsfaktor: falsch getimte Pässe, Fehlabspiele. Es dauerte eine Weile, bis er sich fing.

Tag der offenen Abwehr-Tür

Und sonst so? Die Marsch-Elf machte es nicht schlecht, agierte mutig, probierte so Einiges, traf aber auf eine von Nagelsmann gut eingestellte Bayern-Equipe. Kaum eilte ein Leipziger mit dem Ball am Fuß Richtung Tor, wurde er zügig isoliert, gern auch mal von vier oder fünf Münchnern. Echte Hochkaräter blieben so Mangelware. Die besten Gelegenheiten hatten Konrad Laimer per Kopf (37). und Dani Olmo mit einem Schuss von der Strafraumgrenze (45.). Defensiv hatten die Hausherren zunächst Glück, dass der FCB nicht konsequent agierte. Denn bei dem einen oder anderen Angriff waren die Lücken in der von Mohamed Simakan und Willi Orban organisierten Abwehr dann doch bedenklich groß.

Doch dieses Glück hielt nicht zu lange an. Der bereits in Halbzeit eins für den verletzten Serge Gnabry eingewechselte Jamal Musiala stand kurz nach Wiederbeginn mutterseelenallein im Strafraum und hatte keine Mühe mit dem zweiten Bayerntreffer (46.). Auch beim Dritten, erzielt von Leroy Sané (54.), lud RB zum Tag der offenen Abwehr-Tür. Was trotz des 0:3 für die Hausherren sprach: Es ging weiter, immer weiter. André Silvas zwischenzeitliches 1:2 wurde wegen einer Abseitsstellung zwar kassiert, an Laimers 1:3 (58.) gab es hingegen nichts auszusetzen.

Der Auftakt zu einer furiosen Aufholjagd war der Treffer allerdings nicht, auch wenn Coach Marsch nochmal reichlich versuchte, unter anderem die Routiniers Forsberg und Yussuf Poulsen ins Getümmel warf und mit taktischen Anweisungen in Zettelform versorgte. Das fraglos vorhandene Bemühen wurde auf der Anzeigetafel nicht sichtbar. Statt dessen gab es noch das 1:4 durch Choupo-Moting.


Die Statistik zum Spiel:

Leipzig: Gulacsi - Mukiele, Simakan, Orban (80. Klostermann), Angelino (58. Gvardiol) - Laimer (58. Haidara), Kampl - Szoboszlai, Olmo (58. Forsberg), Nkunku - Silva (71. Poulsen).

München: Neuer - Pavard (75. Süle), Upamecano, Hernandez, Davies - Kimmich, Goretzka (59. Sabitzer), Gnabry (45. Musiala), Müller (75. Stanisic), Sané - Lewandowski (59. Choupo-Moting).

Tore: 0:1 Lewandowski (12./FE); 0:2 Musiala (46.); 0:3 Sané (54.); 1:3 Laimer (58.); 1:4 Choupo-Moting (90.+2).

Zuschauer: 34.000 (ausverkauft).