11. April 2014 / 18:49 Uhr

Schliekum: Kampf um Punkte und gegen Rassismus

Schliekum: Kampf um Punkte und gegen Rassismus

Dennis Scharf
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Verbale Entgleisungen der Zuschauer gehören zum sportlichen Alltag der TuSpo, deren Spieler das eher nur noch mehr zusammenschweißt.
Verbale Entgleisungen der Zuschauer gehören zum sportlichen Alltag der TuSpo, deren Spieler das eher nur noch mehr zusammenschweißt. © Scharf
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Bei der TuSpo Schliekum spielen Menschen aus sieben Nationen. Das ruft bisweilen zweifelhafte Reaktionen hervor.

Vor einem Monat hat Ministerpräsident Stephan Weil in Hannover die „Internationalen Wochen gegen Rassismus“ eröffnet. Unter dem Motto Anerkennen statt Ausgrenzen gingen bundesweit mehr als 1300 Veranstaltungen über die Bühne, um die Menschen zu sensibilisieren und ein deutliches Zeichen gegen Diskriminierung und Fremdenfeindlichkeit zu setzen – von Vorträgen und Workshops bis hin zu Sportveranstaltungen wurde ein buntes Programm geboten.

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Doch Menschen mit fragwürdiger Gesinnung sind bei solchen Veranstaltungen vermutlich eher selten anzutreffen. Im Mikrokosmos Fußball kommt das Thema Rassismus indes immer wieder auf – es ist ein internationales Problem, von den Profi-Ligen bis zu den Niederungen des Amateurfußballs.

**Sieben Nationalitäten

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**Auch die Spieler und Verantwortlichen bei der TuSpo Schliekum müssen sich bei Auswärtsspielen nicht selten unangenehmen Situationen stellen und trotz des Adrenalinschubs im Spiel die Ruhe bewahren. „Manche warten anscheinend nur darauf, uns zu beleidigen, doch wir versuchen diese Provokationen zu ignorieren. Aber gerade für die jüngeren Spieler ist das nicht einfach“, sagt Imad Saadun. Der Spielertrainer ist der Anführer einer zweifellos multikulturellen Truppe – Fußballer aus sieben Nationen kicken für die erste Mannschaft aus der 700-Seelen-Gemeinde.

Doch die kulturellen Unterschiede spielen bei der TuSpo keine Rolle. Schließlich verbindet alle die Leidenschaft für den Fußball. „Wir sind hier alle aufgewachsen, sprechen deutsch und gehen jeden Tag für unser Geld arbeiten. Fußball ist für uns das schönste Hobby, aber das verstehen manche Leute nicht“, sagt Saadun. Gemeint sind die Zuschauer, die von außen pöbeln und dabei nicht mit rassistischen Kommentaren sparen. Die Bandbreite in der Kategorie unterste Schublade reiche von „Geh dahin, wo du herkommst“ bis zu „Besorg dir erst einmal ein Visum“.

**Ab und zu gibt es Lob

**Seit Saisonbeginn spielen die Schliekumer in der Bezirksliga 4, die rassistischen Anfeindungen seien seitdem spürbarer geworden. „Es war noch nie so schlimm wie in dieser Saison. Besonders in der Schaumburger Ecke ist es manchmal unerträglich. Aber es sind ja beileibe nicht alle so, wir werden bei Gastspielen auch oft für unseren Offensivfußball gelobt“, berichtet Saadun.

Die Neueinteilung der Bezirksligen hatte schon rein logistisch ihre Tücken – lange Fahrten anstelle der Derbys gegen den Koldinger SV oder Germania Grasdorf mit Ex-Coach Stephan Pietsch. Doch die Schliekumer hoffen auf eine baldige Rückkehr in die Staffel 3. Vorher will die TuSpo allerdings auch auswärts zeigen, warum sie zu den spielstärksten Teams der Liga gehört. „Wir verstehen uns alle sehr gut. Das ist auf dem Platz sehr wichtig. Aber besonders auch dann, wenn man für ein Auswärtsspiel insgesamt acht Stunden im Auto unterwegs ist“, scherzt Saadun, der vom Zusammenhalt in seinem Team schwärmt, die Anfeindungen von außerhalb nicht zu hoch hängen will und am liebsten nur über den Sport spräche.