17. Januar 2019 / 11:25 Uhr

"Schluss!": André Breitbarth nimmt Abschied von der internationalen Judo-Bühne

"Schluss!": André Breitbarth nimmt Abschied von der internationalen Judo-Bühne

Maik Schulze
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Beendet seine internationale Karriere: Judo-Schwergewichtler André Breitbarth. 
Beendet seine internationale Karriere: Judo-Schwergewichtler André Breitbarth.  © Gabriel Juan
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Das Judo-Schwergewicht André Breitbarth beendet seine internationale Karriere. Es ist ein Abschied, der zum 28-jährigen Leiferder passt: leise und unaufgeregt. In der Bundesliga geht er auch in der kommenden Saison an den Start. 

Ein Lautsprecher war das Schwergewicht nie. Der Hüne ist ein Kumpeltyp, der in sich ruht. Und so ist sein Rückzug von der großen Bühne auch kein hektischer Schnellschuss, sondern lange gereift und wohl überlegt...

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"Das bleibt unvergesslich"

Irgendwie nahm in der Rückschau alles seinen Anfang an dem Punkt, der trotz des Erstrunden-Aus sein Karriere-Höhepunkt ist: der Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio 2016. „Das bleibt unvergesslich. In der Folge habe ich zunächst eine lange Pause gemacht, dann fiel ich aus“, berichtet Breitbarth. Immer wieder machten ihn Verletzungen oder Krankheiten zum Zuschauer.

Viel Zeit zum Nachdenken. Noch einmal zwei Jahre den Fokus voll auf die Olympia-Quali für 2020 in Tokio richten? Was zunächst das Ziel war, wurde zur Last. „Ich habe in der Quälerei nicht mehr den Sinn gesehen“, sagt der Leiferder.


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2018 Wolfsburg ©

Gequält hat er sich, seitdem er 14 ist, als er erstmals in den Bundeskader kam. Sein halbes Leben lang also. Aber viele Jahre machte die Quälerei Spaß. Die Lust aufs Training kehrte immer wieder zurück. Breitbarth wurde 2010 U23-Europameister, holte 2014 EM-Bronze bei den Männern.

„Ich sehe, was ich erreicht habe“, sagt der 28-Jährige, der aber bescheiden bleibt. Natürlich hätte er auch gern etwas Handfestes von einer Weltmeisterschaft im persönlichen Portfolio gehabt. 2015 fehlte nicht viel, da wurde er Fünfter. „Aber ich wache nicht mit dem Gedanken auf: ’Mensch, dir fehlt eine WM-Medaille’“, so Breitbarth.

"Der letzte Biss hat gefehlt"

Aufgewacht war er immer wieder mit dem Gedanken, international einen Schlussstrich zu ziehen. Mitte 2018 gab er sich eine letzte Chance, ging in Zagreb und Budapest auf die Matte. Sein Fazit: „Ich war mit dem Kopf nicht richtig dabei. Der letzte Biss hat gefehlt.“ Dann war endgültig klar: „Schluss!“

Sein Landestrainer Sven Loll konnte ihn nicht umstimmen, Bundestrainer Richard Trautmann bat ihn, noch einmal drüber zu schlafen. Der Leiferder tat’s. Und blieb bei seiner Entscheidung. Er fühlt sich gut dabei, geht mit einem Lächeln.

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Felix Brückmann: Kam 2014 aus Mannheim, wurde in Wolfsburg Nationalspieler, ging 2020 zurück zu den Adlern. Dazwischen ein überragender Keeper für die Grizzlys Wolfsburg, ruhig, sympathisch, ein Fels. Steckte ein schlimmes Jahr weg, als Operationen an beiden Hüften notwendig wurden, er 2018/19 kein Spiel machen konnte. 2021 spielte er wieder für Deutschland bei der WM. Zur Galerie
Felix Brückmann: Kam 2014 aus Mannheim, wurde in Wolfsburg Nationalspieler, ging 2020 zurück zu den Adlern. Dazwischen ein überragender Keeper für die Grizzlys Wolfsburg, ruhig, sympathisch, ein Fels. Steckte ein schlimmes Jahr weg, als Operationen an beiden Hüften notwendig wurden, er 2018/19 kein Spiel machen konnte. 2021 spielte er wieder für Deutschland bei der WM. ©

Von heute an steht ein letztes Mal für drei Tage ein Gewichtsklassen-Randori in Köln an. Ende März scheidet er dann offiziell aus dem Bundeskader aus. Als Polizeibeamter bei der Landespolizei in Hannover hat er jetzt schon eine 40-Stunden-Woche, die ihm Spaß macht.

Breitbarth bleibt der Bundesliga erhalten

In die Halle, in den Kraftraum oder auf die Laufstrecke geht der 28-Jährige immer noch. Nicht mehr so häufig, aber sechsmal die Woche. Und das gern. Ein Widerspruch ist das nicht. „Weil es kein Muss mehr ist. Ich muss mich für nichts rechtfertigen“, sagt der Leiferder, der in der Bundesliga auch in der kommenden Saison startet. Den deutschen Meister Hamburg wird er verlassen, sich einen neuen Klub suchen.

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Für die deutsche Meisterschaft am 25./26. Januar meldet er nicht. Vielleicht schaut er 2020 aber noch einmal vorbei. Breitbarth: „Dann könnte ich mich mit den Olympia-Kandidaten messen.“ Vielleicht reizt ihn der Vergleich. Tokio und die internationale Bühne aber nicht mehr.