29. Oktober 2020 / 12:00 Uhr

Schlusslicht SG Striesen fordert Tabellenführer SC Freital heraus

Schlusslicht SG Striesen fordert Tabellenführer SC Freital heraus

Jochen Leimert
Dresdner Neueste Nachrichten
Striesens Trainer Matthias Müller steht mit seiner Mannschaft vor einer schweren Aufgabe.
Matthias Müller hat bei der SG Striesen keine leichte Aufgabe als Trainer übernommen. © Jochen Leimert
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Am Sonnabend kommt es an der Bärensteiner Straße in Dresden zu einem ungleichen Aufsteiger-Duell. SGS-Trainer Matthias Müller hofft nichtsdestotrotz auf eine Überraschung.

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Dresden. Bevor der Ball wohl auch in der Landesliga wegen der Corona-Pandemie wieder eine Weile ruht, kann der 7. Spieltag noch stattfinden. Dabei kommt es Dresden zu einem Nachbarschaftsduell der besonderen Art: Der Tabellenletzte, die SG Striesen, erwartet am Sonnabend um 14 Uhr den Tabellenführer SC Freital. Beide Teams sind erst im Sommer aufgestiegen, doch sie trennen nicht nur im Klassement Welten.

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Ex-Nationalspieler Matthias Müller, der die Striesener seit dem Sommer gemeinsam mit Jens Frenzel coacht, weiß warum: „Striesen und Freital spielen zwar in einer Staffel, aber von der Ausgangssituation gibt es da einen gewaltigen Unterschied. Freital hat nach der Fusion dreier Vereine aus 40 bis 50 Spielern einen ganz anderen Pool bilden können und noch Spieler dazu geholt. Das sind ganz andere Bedingungen, die wirtschaftlichen Möglichkeiten sind ganz andere als in Striesen.“

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Die Striesener machen sich vorm Anpfiff noch einmal heiß. Zur Galerie
Die Striesener machen sich vorm Anpfiff noch einmal heiß. © Jochen Leimert

Die bei einem Spiel weniger noch sieglosen Striesener, die erst einen Punkt auf ihrem Konto haben, seien so etwas wie der „Nobody in der Landesliga“. Nur zwei Spieler im Kader von Frenzel und Müller besitzen Erfahrung in der 6. Liga. „Wir sind ganz klar Lernende, werden sehen, wohin die Reise geht. Wir hätten auch gern mehr Punkte, würden lieber weiter oben stehen, aber wir stecken den Kopf nicht in den Sand“, versichert Müller.

Striesen muss Tim Kausch ersetzen

Gegen Freital können die Striesener zwar auf ihr Heimrecht bauen, sind sonst aber klarer Außenseiter. Dass die noch verlustpunktfreien Freitaler gestandene Akteure und mit Philip Weidauer (6 Treffer) den aktuell zweitbesten Torjäger der Liga mitbringen, bringt die Ostdresdner nicht aus der Fassung. Weidauer werde keine Sonderbewachung erhalten, so Müller, „damit fangen wir nicht an“. Nichtsdestotrotz seien sechs Treffer aus sechs Spielen „eine Marke“, doch Weidauer habe auch eine gute Mannschaft im Rücken, die ihn bediene. Die Striesener hoffen, dass sie am Sonnabend gegen diesen bärenstarken Gegner aus der Stahlstadt bis auf Verteidiger Tim Kausch (Bänderanriss im Sprunggelenk) alle Leistungsträger an Bord haben. Torwart Christian Kunath ist etwas angeschlagen und kränklich gewesen: „Ich hoffe aber, dass er am Sonnabend wieder fit ist", erklärt „Lotte“ Müller.

Zwar wird der Underdog versuchen, den Freitalern mit Macht ein Bein zu stellen, doch grundsätzlich findet Müller es sehr gut, was beim Spitzenreiter läuft. Die Fusion biete große Chancen: „Mich freut es, dass so ein Verein in der Nähe von Dresden zusammengefunden hat. Sie wollen nicht nur oben mitspielen, vielleicht auch aufsteigen. Ein Oberligist vor den Toren Dresdens wäre auch für Dynamo als Kooperationspartner interessant, weil ich es gut fände, wenn Dynamo-Talente, die den Sprung nicht gleich zu den Profis schaffen, dort noch ein, zwei Jahre reifen könnten und nicht nach Bischofswerda gehen müssten.“

Müller und Freitals Coach Michael kennen sich gut

Sympathie hegt Müller übrigens auch für Freitals Trainer Knut Michael. Den ehemaligen Innenverteidiger trainierte er einst in der Regionalliga beim Dresdner SC: „Er war ein Mentalitätsspieler, wie es beispielsweise heute Sebastian Mai bei Dynamo ist. Er war einer, der auf dem Platz vorangegangen ist, Leute mitreißen konnte. Vom Talent her war er vielleicht nicht ganz so gesegnet, aber er hat aus seinen Möglichkeiten sehr viel gemacht. Das tut er jetzt auch als Trainer.“

Am Sonnabend könnte der 43-Jährige mit den Freitalern seinen seit wenigen Tagen 66 Jahre alten Ex-Coach etwas piesacken, doch vielleicht heckt Müller mit Frenzel auch noch den richtigen Matchplan aus, der für eine Überraschung gut ist. Ein Punktgewinn oder gar der erste Sieg wäre immens wichtig fürs Striesener Selbstvertrauen: Man könnte mit drei Zählern vor der erneuten Corona-Pause auch die ungeliebte Rote Laterne loswerden.