15. Dezember 2021 / 14:22 Uhr

Schmadtke: Die mit Abstand schwierigste Phase, seit ich in Wolfsburg bin

Schmadtke: Die mit Abstand schwierigste Phase, seit ich in Wolfsburg bin

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Sorgenvoller Blick: Manager Schmadtke vermisst in den Spielen des VfL Wolfsburg Grundsätzliches.
Sorgenvoller Blick: Manager Schmadtke vermisst in den Spielen des VfL Wolfsburg Grundsätzliches. © Boris Baschin
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Sechs Pleiten in Folge, der VfL Wolfsburg steckt tief in der Krise. Nach dem Hinrunden-Finale am Freitag bei Bayern München wird es eine große Fehler-Analyse geben - und möglicherweise auch personelle Konsequenzen.

Der VfL Wolfsburg ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Das 2:3 gegen Köln am Dienstagabend war die sechste Niederlage in Folge für den Fußball-Bundesligisten, der damit im Abstiegskampf angekommen ist. Das gefährliche an der VfL-Situation: Es scheint, dass nicht jeder im Klub weiß, was die Stunde geschlagen hat. Daher gibt es von Jörg Schmadtke Klartext: "Wir wären gut beraten, wenn wir jetzt unseren Blick nach unten richten und aufpassen. Das ist schon dünn“, sagt der VfL-Manager – und ruft damit den Abstiegskampf aus.

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Vor den Spielen am Mittwochabend haben die Niedersachsen, die zwar gegen Köln etwas besser als zuletzt nach vorn spielten, jedoch hinten erneut unfassbar anfällig waren, gerade mal vier Punkte Vorsprung auf Relegationsplatz 16. Und beim Wort Relegation sollten beim VfL die Alarmglocken schrillen, 2017 und 2018 retteten sich die Wolfsburger nach zwei jeweils desolaten Spielzeiten erst in Entscheidungsspielen gegen Zweitligisten. „Das ist eine gefährliche Situation gerade – die muss man jetzt nicht dramatisieren, aber man muss sie schon wahrnehmen und man muss sich vor allen Dingen ernst nehmen. Ich hoffe sehr, dass das alle machen“, so der Manager, nachdem er in den letzten Spielen feststellen musste, dass dem nicht immer so war.

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Die einst zu Recht so gelobte Defensivqualität des Teams ist komplett weg. Schmadtke: „Das ist die schwierigste Phase, seit ich beim VfL bin – mit Abstand. Es sind grundsätzliche Dinge relativ überraschend weggebrochen bei uns. Es geht um die Basics wie das Verteidigen. Wenn man sieht, was wir für Gegentore gegen Köln bekommen haben… Das war schon gegen Stuttgart nicht viel besser. Wir haben am Dienstag zwar etwas besser gespielt, aber insgesamt gesehen muss man sagen: Das ist nicht gut genug. Das reicht so nicht!

Und so ist davon auszugehen, dass es in der nun bevorstehenden Winterpause personelle Konsequenzen geben wird. Wer muss gehen? Bessert der VfL seinen Kader nach? Schmadtke will sich dazu noch nicht konkret äußern, er sagt nur: „Das werden wir sehen. Ich finde, man sollte nicht mit Drohgebärden durch die Gegend rennen.“

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Fehler-Analyse steht an

Der Manager kündigte eine große Analyse der bedrohlichen Lage an. „Ein paar Sachen haben wir schon analysiert, ein paar liegen klar auf der Hand. Daraus werden wir Handlungen ableiten. Aber ich möchte diesen Gesprächen jetzt nicht vorweggreifen. Wir werden die Dinge gemeinschaftlich besprechen, solche Dinge sind keine One-Man-Show“, sagt der 57-Jährige, der Trainer Florian Kohfeldt erneut den Rücken stärkte. Mit Sportdirektor Marcel Schäfer und Kohfeldt werde man die Probleme anpacken. „Die Dinge müssen auf den Tisch und sie müssen allen bewusst gemacht werden“, wiederholt Schmadtke und fordert: „Es müssen deutliche Leitlinien her, um da wieder rauszukommen. Aber zunächst muss man sich bewusst sein, in welcher Situation wir gerade stecken. Das ist der erste Schritt zur Besserung.“

Doch vor der großen Hinrunden-Analyse steht für den noch das Hinrunden-Finale am Freitag bei den Bayern an. Und während die Wolfsburger immer tiefer in die Krise stürzen, haben die Bayern gerade in Stuttgart mit 5:0 gewonnen. Schmadtke ehrlich: „Das sind sicher nicht die besten Voraussetzungen, um nach München zu fahren. Andererseits weiß ich auch, dass Fußballspiele immer mal anders laufen als man erwartet. Wir werden uns dagegen stemmen – und dann werden wir sehen, was herauskommt.“

Modeste-Seitenhieb egal

Gegen Köln stand der VfL am Ende wieder mal mit leeren Händen da, danach gab es für Schmadtke noch einen Seitenhieb von seinem Ex-Spieler Anthony Modeste, den er einst zum FC geholt hatte. Der zweifache Torschütze hatte in der Sportschau gesagt: „Ich bin glücklich, weil wir gewonnen haben gegen die Mannschaft von Jörg Schmadtke. Man trifft sich immer zweimal im Leben. Es ist schön, Wolfsburg in die Krise zu schicken…“ Schmadtke hatte den Angreifer 2017 nach China verkauft, es gab Streit. Was sagt der Manager zu den Modeste-Aussagen? Sie beschäftigen ihn nicht wirklich. „Das war ihm anscheinend ein wichtiges Anliegen, das zu tun. Aber das wird jetzt nicht dazu führen, dass ich darauf antworte. Das ist nichts, was mich derzeit beschäftigt. Mich beschäftigt die sportliche Situation beim VfL.“

Fan-Rufe beschäftigen ihn

Die gefährliche sportliche Situation - sie beschäftigt nicht nur ihn, sondern auch viele Fans. Die Anhänger sind nach dem harten Absturz des ehemaligen Champions-League-Teilnehmers bedient. Gegen Stuttgart und vereinzelt auch gegen Köln hatte es „Schmadtke-raus“-Rufe gegeben. Wie geht der manchmal so schroff daher kommende Ex-Profi damit um? „Ich bin da nicht erfreut drüber“, sagt Schmadtke und fügt hinzu: „Das ist der Lauf der Dinge, Menschen empfinden das so und dann brauchen sie ein Ventil und das haben sie in dem Fall gefunden.“ Beeinflussen derartige Rufe seine Entscheidung, beim VfL weiterzumachen? „Nein“, so Schmadtke. „Meine berufliche Zukunft steht aber auch gerade überhaupt nicht zur Disposition.“ Schmadtkes Vertrag läuft im Sommer aus, er hatte jüngst angedeutet, in Wolfsburg weitermachen zu wollen.

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