12. Dezember 2021 / 10:48 Uhr

"Schmadtke raus"-Rufe in Wolfsburg: Schäfer findet's unverfroren

"Schmadtke raus"-Rufe in Wolfsburg: Schäfer findet's unverfroren

Andreas Pahlmann und Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Hat kein Verständnis für die Schmadtke raus-Rufe: Marcel Schäfer (r.), der Sportdirektor des VfL Wolfsburg.
Hat kein Verständnis für die "Schmadtke raus"-Rufe: Marcel Schäfer (r.), der Sportdirektor des VfL Wolfsburg. © (c) Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Bei der 0:2-Niederlage des VfL Wolfsburg gegen den VfB Stuttgart und mitten in einer sich immer weiter verschärfenden Krise gab es in der VW-Arena die ersten „Schmadtke raus“-Rufe gegen den Geschäftsführer. Sportdirektor Marcel Schäfer ärgert das. Schmadtke wiederum übt Selbstkritik.

Zuerst waren es nur Einzelne, nach einer guten Stunde wurde es dann irgendwann mehr: Beim 0:2 von Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg am Samstagabend gegen den VfB Stuttgart gab es erstmals "Schmadtke raus"-Rufe in der VW-Arena. Es war kein großer Chor, der sich gegen den VfL-Manager Jörg Schmadtke stellte, aber weil nur 5000 Zuschauer im Stadion waren, fiel es auf – und sorgte für eine Reaktion von Marcel Schäfer. Der Sportdirektor positionierte sich eindeutig und sagte, die Rufe seien "eine Unverfrorenheit. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen."

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Noten und Einzelkritik zum Spiel des VfL Wolfsburg gegen Stuttgart

<b>Koen Casteels: </b> Bei den Gegentoren ohne Chance. Note: 4 Zur Galerie
Koen Casteels: Bei den Gegentoren ohne Chance. Note: 4 ©

Aber: Er sagte dann doch mehr, als er zunächst wollte. Schäfer holte aus – und erinnerte an die desaströse VfL-Vergangenheit, bevor Schmadtke und er übernahmen. "Ich glaube, jeder weiß, wo wir 2018 standen und was in den letzten drei, vier Jahren passiert ist", sagte der 37-Jährige – und dachte dabei sowohl an die Jahre 2017 und 2018, als sich der VfL jeweils erst in der Relegation hatte retten können. Dann kamen Schmadtke und er. Der VfL kehrte zurück in die Spitzengruppe der Liga, und er war wieder auf der europäischen Fußball-Bühne vertreten, samt Champions League. Schäfer: "Dass wir im Moment mit der Situation nicht zufrieden sind, ist doch ganz klar. Dass wir hart dran arbeiten, um aus dieser Situation herauszukommen, kann ich versprechen und garantieren."

Auch der erst Ende Oktober von Schmadtke und Schäfer verpflichtete neue VfL-Trainer Florian Kohfeldt hatte die Rufe nicht überhört. Auch er zeigte für derlei Reaktionen von den Rängen kein Verständnis. „Grundsätzlich müssen wir alle damit leben, dass, wenn wir keine Leistung bringen, auch Kritik kommt." Allerdings: "Die Rufe sind für mich null komma null nachvollziehbar!" Schmadtke habe "seit seinem Wirken hier Beispielloses aufgebaut, er hat nach der Relegation übernommen und hat das Team dreimal ins internationale Geschäft geführt, bis in die Champions League. Ich kann nur sagen, dass Jörg auch in der internen Kommunikation sehr klar ist. Und nach meinem Dafürhalten ist er eine sehr wichtige und prägende Figur für den VfL.“

Unmittelbar vor dem Spiel hatte Schmadtke sich nach mehrwöchiger Redepause mal wieder öffentlich geäußert – vor allem zu seiner Zukunft. Gegenüber Sky sagte er: "Ich stehe mit unserem Aufsichtsratsvorsitzenden im Gespräch. Wenn die Konstellation, die wir haben, weitergeführt werden soll – und ich weniger Störfaktor, sondern mehr Hilfe bin –, dann ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass ich ein Jahr verlängere."

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Der von Ex-VW-Vorstand Frank Witter geleitete VfL-Aufsichtsrat und Schmadtke haben sich bereits vor Monaten darauf geeinigt, über eine Verlängerung des aktuellen Arbeitspapiers in der jetzt kommenden Winterpause befinden zu wollen. Dass der Vertrag noch einmal verlängert wird, galt zuletzt schon als wahrscheinlichste Möglichkeit. Witter hatte sich zuletzt im großen SPORTBUZZER-Interview zur sportlichen Führung geäußert: "Wenn Sie sich unsere Mannschaft anschauen und sehen, was Marcel Schäfer und Jörg Schmadtke zusammengestellt haben, ist das ein sehr guter mit viel Potenzial versehener Kader. Zudem wurde unsere Kostenstruktur über die Zeit deutlich verbessert. Da ist viel gute Arbeit geleistet worden."

Nach der fünften Pflichtspiel-Niederlage in Folge zeigte Schmadtke im Interview mit dem ZDF-Sportstudio Selbstkritik. "Ich bin für die Planung zuständig." Und die sportliche Entwicklung der vergangenen Monate sei "natürlich auch ein Planungsfehler", sagte der 57-Jährige. "Wir haben drei Jahre extremst performt – mit dem Endresultat, dass wir uns für die Champions League qualifiziert haben. Dann haben wir versucht, den nächsten Schritt in unserer Entwicklung zu gehen. Und der ist missraten, das muss man so festhalten."

Zweimal muss der VfL in diesem Jahr noch ran, am Dienstag kommt Köln, bevor am Freitag das Hinrunden-Finale bei Meister Bayern steigt. Der VfL ist vor diesen Duellen nicht wie gewünscht oben dabei in der Tabelle, sondern dümpelt mit 20 Punkten im Mittelfeld herum. Ist es eine gefährliche Phase? "Sie ist schwierig. Es gibt andere gefährliche Dinge in der Welt, aber das nicht", sagte Schäfer.

Schwierige Phasen wie die jetzt "prägen einen, die stärken einen auch", sagte der Sportdirektor, der jedoch nicht von der schwierigsten Phase in der Amtszeit von Schmadtke und ihm sprechen wollte. "Ich muss ganz klar sagen, dass wir in jeder Saison, in der Jörg Schmadtke und ich seit 2018 in Wolfsburg sind, schwierige Phasen hatten." Phasen, in denen es "in die eine oder andere Richtung hätte gehen können. Wir haben den Hebel immer in die richtige Richtung bewegt. Genau da werden wir auch jetzt ansetzen, dass sich der Hebel wieder in die richtige Richtung bewegt."

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