17. März 2020 / 19:29 Uhr

Schmadtke sieht den VfL "nicht existenziell" gefährdet

Schmadtke sieht den VfL "nicht existenziell" gefährdet

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Foto: Boris Baschin, Wolfsburg, SPORT, Fußball-Bundesliga, VfL Wolfsburg - Fortuna Düsseldorf
Muss den VfL Wolfsurg durch schwere Zeiten bringen: Manager Jörg Schmadtke. © Boris Baschin
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Jörg Schmadtke ist ein erfahrener Manager, aber Wochen wie diese hat der 56-jährige Macher des VfL Wolfsburg in seiner Karriere so auch noch nicht erlebt.

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Die Fußball-Bundesliga muss wegen der Corona-Pandemie pausieren, vorerst bis zum 2. April – weitere Absagen werden wohl folgen. Die Spieler des Fußball-Bundesligisten VfL Wolfsburg haben eine Woche trainingsfrei, dürfen jedoch das Land nicht verlassen. Diese Liga-Unterbrechung kann dafür sorgen, dass Klubs in finanzielle Schieflage geraten, Mitarbeiter dann nicht mehr bezahlt werden könnten. Sollte der VfL jemals in eine solche Situation geraten, lässt der Verein seine Mitarbeiter nicht im Regen stehen, betont Jörg Schmadtke.

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Wir spielen die Szenarien, was wir dann machen könnten, schon durch. Sollte dieser Fall eintreten, werden wir unserer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht werden. Da bin ich mir sicher“, so der VfL-Manager, der am Montag bei der DFL-Krisensitzung weilte und hinterher den „konstruktiven“ und „kollegialen“ Austausch lobte. Wann die Bundesliga wieder spielen könne, sei völlig offen. Schmadtke: „Das wird noch dauern. Ich glaube nicht, dass es Anfang April wieder losgehen kann.“ Die Verschiebung der EM im Sommer „gibt uns jetzt aber erst mal Luft, um die Dinge etwas entspannter zu sehen“, so der 56-Jährige. „Ob wir jedoch die Freiräume, die wir jetzt alle durch die Verschiebung bekommen haben wirklich nutzen können, wird sich zeigen. Aber für die nationalen Ligen war das überlebenswichtig“, betonte der erfahrene Manager.

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"Wann ist die Hütte abgebrannt?"

Die DFL will sich nun einen Überblick verschaffen, welcher Klub wann finanzielle Probleme bekommen könnte, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert bei der Mitgliederversammlung. Schmadtke: „Wir versuchen gerade alle Schäden zu beziffern, obwohl wir noch gar nicht wissen, wie hoch der Schaden wirklich ist.“ Es gehe darum zu erörtern, „ob wir nur einen Kratzer“ oder „einen Totalschaden“ haben. „Das ist die große Frage, vor der wir stehen.“



Wie lange dauert es, bis man beim VfL weiß, wie groß der finanzielle Schaden wirklich ist? „Das Thema tut uns jetzt schon weh“, so der Manager. „Wir haben bei einem internationalen Spiel ohne Fans gespielt“, sagte Schmadtke und meinte damit das Achtelfinal-Hinspiel der Wolfsburger in der vergangenen Woche in der Europa League gegen Schachtar Donezk. Es gehe jetzt um die Frage, „wie viel ist verkraftbar?" Daher seien alle Klubs aufgerufen, „mal einen ehrlichen Kassensturz zu machen und zu ergründen: Ab wann ist die Hütte noch zu löschen? Und wann ist sie abgebrannt?“. Auch auf den VfL werde diese Liga-Pause „Auswirkungen haben. Aber Stand heute ist zu vermuten, dass es nicht existenziell ist“. Für andere Klubs wiederum schon, wie Seifert sagte.

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"Dann wird es Totalschäden geben"

Wie viele Millionen den VfL diese Situation kostet, ist noch offen. Schmadtke: „Wenn wir die Saison zu Ende gespielt bekommen, dann haben wir einen deutlichen Kratzer abbekommen. Aber den kriegen alle Klubs verkraftet. Wenn die Saison nicht mehr gespielt werden kann, wird es Totalschäden geben.“

Schwierig macht die ungewisse Situation auch die Planung für die nächste Saison, die bei den Vereinen längst angelaufen ist. Schmadtke bestätigt das: „ Ich habe den Eindruck, dass alle ihre Ideen für die neue Saison im Kopf haben. Keiner weiß jedoch, was er damit machen soll. Das verstehe ich total, denn momentan ist nicht absehbar, was möglich ist und was nicht.“