21. Januar 2022 / 18:04 Uhr

Schmadtke-Zukunft in Wolfsburg: Wer entscheidet da eigentlich?

Schmadtke-Zukunft in Wolfsburg: Wer entscheidet da eigentlich?

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Schmadtke und der VfL-Aufsichtsrat: Im höchsten Gremium der Wolfsburger Fußballer sitzen (l. v. o.) Bernd Osterloh, Hans Dieter Pötsch, Peter Haase, Hartmut Rickel, Dennis Weilmann, (r. v. o.) Frank Witter, Daniela Cavallo, Rolf Schnellecke, Wolfgang Hotze und Klaus Mohrs.
Schmadtke und der VfL-Aufsichtsrat: Im höchsten Gremium der Wolfsburger Fußballer sitzen (l. v. o.) Bernd Osterloh, Hans Dieter Pötsch, Peter Haase, Hartmut Rickel, Dennis Weilmann, (r. v. o.) Frank Witter, Daniela Cavallo, Rolf Schnellecke, Wolfgang Hotze und Klaus Mohrs. © Britta Schulze / Roland Hermstein
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Bleibt Jörg Schmadtke über das Saisonende hinaus Manager und Sport-Geschäftsführer des VfL Wolfsburg? Oder geht er womöglich vorzeitig? Die Entscheidung liegt bei drei Männern, die an der Spitze eines insgesamt zehnköpfigen Aufsichtsrats stehen. Und diese Entscheidung könnte verdammt knifflig werden.

Die Zukunft von Jörg Schmadtke beim VfL Wolfsburg ist weiter offen. Frank Witter, Aufsichtsrats-Chef der Fußball-GmbH, hatte am Donnerstag erklärt, dass die Talfahrt der Niedersachsen in der Bundesliga durchaus Einfluss darauf habe, ob der im Sommer auslaufende Vertrag des Sport-Geschäftsführers wie geplant bis 2023 verlängert wird. "Die Krise hat die Frage der Prioritäten und des zeitlichen Angangs massiv beeinflusst. Natürlich müssen wir die aktuelle Situation berücksichtigen", so Witter. Mit "Wir" ist der Aufsichtsrat (AR) der VW-Tochter gemeint - das höchste Gremium der Wolfsburger Profi-Fußballer. Aber wer sind eigentlich die "Entscheider"?

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In erster Linie Witter selbst, er ist seit 2018 Chef des Gremiums, damit war er Teil eines kompletten Neustarts der VfL-Führung mit Schmadtke und Sportdirektor Marcel Schäfer, die kurz nach Witter ihre Ämter angetreten hatten. Zusammen mit Witter gehören sein Stellvertreter Hans Dieter Pötsch (Ex-VW-Finanzvorstand und seit 2015 Aufsichtsrats-Chef der VW AG) und Ex-VW-Gesamtbetriebsrats-Chef Bernd Osterloh (seit 2021 im Vorstand der VW-Nutzfahrzeug-Tochter Traton) dem AR-Präsidium an. Dieses Trio bildet eine Art Spitze des Aufsichtsrats und damit ein Macht- und Entscheidungszentrum.

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Welchen Einfluss die sieben weiteren Mitglieder des Aufsichtsrats haben, hängt im Wesentlichen davon ab, wie intensiv Witter den Austausch mit ihnen pflegt - der ehemalige Zweitliga-Fußballer gilt dabei als offen und kommunikationsfreudig. Einzige Frau im Gremium ist Daniela Cavallo, seit dem vergangenen Jahr Chefin des VW-Gesamtbetriebsrats. Mit Wolfgang Hotze ist seit Ende 2018 auch ein ehemaliger VfL-Geschäftsführer dabei, seit Oktober gehört zudem Hartmut Rickel dem Aufsichtsrat an, er vertritt die Volkswagen-Group-Services-GmbH (früher Autovision), die unmittelbare Muttergesellschaft der Fußballer. Auch Dennis Weilmann, neuer Oberbürgermeister der Stadt Wolfsburg, sitzt ebenso wie sein Vorgänger Klaus Mohrs in dem Gremium. Ex-OB und Ex-VfL-Präsident Rolf Schnellecke und Peter Haase als Präsident des VfL e.V. komplettieren das Gremium, das in der Regel nur drei- bis viermal im Jahr zusammenkommt, das nächste Mal im März. Entscheidungen kann der AR aber zu jeder Zeit treffen - auch in Sachen Schmadtke.

Im Zweifelsfall haben die drei Mitglieder des AR-Präsidiums das Sagen, wenn es um die Vertragsverlängerung eines Geschäftsführers geht. "Eine solche Entscheidung sollte schon vom gesamten Aufsichtsrats-Präsidium getragen sein", so Witter. "Denn um erfolgreich zu arbeiten, ist eine breite Unterstützung nötig - auch wenn man nicht immer sicherstellen kann, dass dort alle immer dieselbe Meinung haben. Fußball ist keine One-Man-Show, nicht im Erfolg und nicht im Misserfolg."

Während Witter lange als Befürworter einer Schmadtke-Vertragsverlängerung galt ("Ich habe selten jemanden erlebt, dem das Wohl und Wehe des Vereins so am Herzen liegt"), sollen zuletzt angesichts der sportlichen Krise die kritischen Stimmen lauter geworden sein - was zu der eigentlich fatalen Situation führt, dass eine mittel- und langfristige Personalentscheidung von kurzfristigem sportlichen Erfolg abhängig sein könnte. Zugespitzt heißt das: Wenn es für den VfL in Leipzig und/oder Fürth so sehr schiefgeht, dass nach Mark van Bommel nun auch Florian Kohfeldt als der zweite Trainer-Fehlgriff gelten muss, wird es im Aufsichtsrat die Diskussion geben, ob Schmadtke noch den dritten Übungsleiter in dieser Saison auswählen darf. In dem Fall würde eine Entscheidung gegen eine Vertragsverlängerung wohl auch das sofortige Aus für den Manager mit sich bringen.

Eine schwierige Entscheidungslage auch für Witter, der in der Geschichte des VfL-Aufsichtsrats eine Sonderstellung einnimmt - denn er behielt sein Fußball-Amt, als er aus dem VW-Vorstand ausschied. Wie lange macht er weiter? "Es gibt kein Enddatum. Wenn VW jetzt sagen würde, sie hätten gern wieder jemanden aus dem Vorstand an der Spitze des Aufsichtsrats, dann wäre das völlig in Ordnung. Aber ich laufe gerade jetzt in der schwierigen Phase sicher vor der Herausforderung auch nicht weg."