07. März 2020 / 22:43 Uhr

Schmähplakate gegen Hopp und DFB, Funktionäre als Clowns: Fußball-Fans setzen Proteste fort

Schmähplakate gegen Hopp und DFB, Funktionäre als Clowns: Fußball-Fans setzen Proteste fort

Redaktion Sportbuzzer
RedaktionsNetzwerk Deutschland
Der Fall Dietmar Hopp war in Deutschlands Stadien auch in dieser Woche wieder Thema - etwa in Dortmund, Schalke (im Uhrzeigersinn, v.l.), Jena und Freiburg.
Der Fall Dietmar Hopp war in Deutschlands Stadien auch in dieser Woche wieder Thema - etwa in Dortmund, Schalke (im Uhrzeigersinn, v.l.), Jena und Freiburg. © imago images/Getty
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Die Fan-Proteste in den deutschen Fußball-Stadien gehen weiter. Die Wut richtet sich gegen den DFB, auch Hoffenheim-Mäzen Hopp wird erneut verbal angegriffen. Die meisten Schiedsrichter reagieren diesmal aber gelassener.

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Mit Schmäh-Plakaten, verbalen Attacken - aber auch kreativen Bannern haben viele Fans im deutschen Profi-Fußball ihre Proteste gegen den DFB fortgesetzt. Im Spiel des FC Schalke 04 gegen 1899 Hoffenheim nahmen die Anhänger der Königsblauen am Samstag erneut auch den TSG-Mäzen Dietmar Hopp mit Bannern ins Visier. „Wir entschuldigen uns bei allen Huren, sie mit Herrn Hopp in Verbindung gebracht zu haben“, hieß es auf Spruchbändern der Schalker Fans. Auch in den anderen Stadien gab es Aktionen auf den Rängen, die sich vor allem gegen Kollektivstrafen bei Fan-Vergehen richteten.

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„Fußball-Mafia DFB“, war auf einem Plakat im Gladbacher Fanblock im Abendspiel gegen Borussia Dortmund zu lesen. Die BVB-Fans schrieben auf ein Banner: „Spielunterbrechung als neues Druckmittel“. Zudem waren im Block unter dem Motto "Die hässlichen Fratzen des Fußballs" Karikaturen von Hopp, seinem Anwalt Christoph Schickhardt, Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge, sowie von DFB-Präsident Fritz Keller und dessen Vize Rainer Koch zu sehen. Allen wurde eine rote Clown-Nase verpasst.

Die Chronologie im Fall Hopp: So eskalierte der Hass gegen den Hoffenheim-Mäzen

Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der <b>SPORT</b>BUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! Zur Galerie
Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp ist über die Jahre zur Hassfigur der aktiven Fanszenen geworden. Im Februar 2020 kam es zum Eklat. Doch was ist die Ursache für die Anfeindungen? Der SPORTBUZZER zeigt die Chronologie des Hasses gegen Hopp! ©

Fan-Kritik richtet sich auch gegen DFB-Präsident Fritz Keller

Keller musste als Zuschauer bei der Partie des SC Freiburg gegen Union Berlin auch ein gegen den Verband gerichtetes Banner mit dem Wortlaut „Eure Dialoge mehr Schein als Sein“ lesen. Zudem hieß es auf einem Plakat in Anspielung auf die heftigen Reaktionen auf die Attacken gegen Hopp „DFB Dietmars Fußball-Bund“. Außerdem zeigten die Freiburger Spruchbänder mit der Aufschrift: "Milliadärsbeleidigungen sind ein Skandal, Sklaven in Katar euch egal" als Reaktion auf die Arbeitsbedingungen beim WM-Ausrichter 2022 und die engen Verbindungen des FC Bayern, der sich am vergangenen Wochenende deutlich an die Seite Hopps gestellt hatte. Auch die beleidigenden Rufe aus beiden Fanlagern gegen den DFB dürften Keller kaum entgangen sein. Die Gladbacher legten am Abend nach: „Der Präsident als Symbolfigur - Ein Verband im Keller“.

Mehr zur Hopp-Thematik

Der Konflikt mit den Fans war bereits am vergangenen Spieltag eskaliert. So kam es bei der Partie in Sinsheim fast zum Abbruch, als Fans des FC Bayern Hopp mit Schmähplakaten angriffen. Die DFB-Spitze und viele Klub-Funktionäre hatten das Verhalten der Anhänger scharf verurteilt. Auch eine Sondersitzung der AG Fankulturen mit Vertretern von DFB und Deutscher Fußball Liga (DFL) am Donnerstag brachte kaum Beruhigung. Der Zusammenschluss „Fanszenen in Deutschland“ hatte weitere Proteste angekündigt, im schlimmsten Fall sogar Provokationen bis hin zum ersten Spielabbruch.


Heftige Wortwahl auf (Schmäh-) Plakaten in deutschen Fußballstadien

Auslöser der Eskalation war eine Entscheidung des DFB-Sportgerichts. Dieses hatte eine Bewährung für Fans von Borussia Dortmund wegen fortgesetzter Hassplakate gegen Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopp unlängst aufgehoben und alle BVB-Anhänger für die nächsten zwei Jahre von Pflichtspielen ihres Klubs in Sinsheim ausgeschlossen. Solche Kollektivstrafen, die vom DFB und dem damaligen Präsident Reinhard Grindel 2017 eigentlich als abgeschafft galten, stoßen in der Fanszene auf heftige Ablehnung.

Entsprechend deftig war auch am Samstag die Wortwahl auf den Plakaten. „Schmiergelder, Kollektivstrafen, Tote in Katar - Wer die hässliche Fratze im Fußball ist, ist klar“, hieß es zum Beispiel auf einem Banner der Ultras von Hertha BSC in Berlin. Im Block von Bayer Leverkusen war das Spruchband „Spieltagszerstückelung, Kollektivstrafen, Lügen - Ihr seid die Feinde des Fußballs“ zu lesen.

Dietmar Hopp schwer beleidigt: Jena-Spiel in der 3. Liga stand kurz vor dem Abbruch

Auch bei den Spielen der 2. und 3. Liga machten die Fans ihrem Unmut Luft. Die Partie zwischen FC Carl Zeiss Jena und 1860 München stand sogar kurz vor dem Abbruch. Schiedsrichter Florian Exner unterbrach das Spiel zweimal, weil im Block der Heimfans kurz nach dem Anpfiff Schmähplakate gegen den DFB und Hopp gezeigt wurden. Nachdem er beide Teams kurzzeitig in die Kabinen beordert hatte und die Banner schließlich eingerollt wurden, setzte der Referee aus Bielefeld die Begegnung nach knapp 15 Minuten Unterbrechung fort. Offen blieb, ob die Unterbrechung der Partie in Jena zwingend notwendig war, nachdem der DFB am Freitag erklärt hatte, dass auch beleidigende und grob unsportliche Kritik im Fanblock durchaus möglich sei, ohne dass die Referees einschreiten müssten.

Beim Drittliga-Spiel Kaiserslautern gegen Meppen entrollten FCK-Fans Banner mit der Aufschrift: „Rassismus im Stadion? Nie gehört! Korruption in den eigenen Reihen? Nie passiert! Beleidigung eines Premiumpartners? Zuschauerausschluss, Spielabbruch, Sippenhaft“. In Hamburg schrieben HSV-Fans unter anderem „Das Wort des Verbands ist nichts mehr wert, wenn der Premiumsponsor sich beschwert“. Zu sehen waren in den Arenen auch eher gewitzte Plakate wie „Max Mustermann Du Hurensohn“ oder „Sieg oder Hopp-Plakat“. Die zuvor befürchteten Spielabbrüche aber blieben am Samstag aus.