05. Februar 2021 / 21:07 Uhr

Schneeball statt Fußball in Wolfsburg: VfL-Frauen 3:2 gegen Potsdam

Schneeball statt Fußball in Wolfsburg: VfL-Frauen 3:2 gegen Potsdam

Andreas Pahlmann und Jasmina Schweimler
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Wildes Spiel im Schnee: Der VfL bejubelt ein 3:2 gegen Potsdam.
Wildes Spiel im Schnee: Der VfL bejubelt ein 3:2 gegen Potsdam. © Roland Hermstein
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Wie ein normales Fußball-Spiel sah es über weite Strecken nicht aus, aber für die Fußballerinnen des VfL Wolfsburg gab's am Ende ein "normales" Ergebnis. Mit 3:2 gewann der Bundesliga-Zweite das erste Spiel des Jahres gegen Turbine Potsdam.

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In den beiden Fünfmeterräumen hätte man einigermaßen Fußball spielen können, aber den Ball dort hinzubekommen, war ungewöhnlich mühsam - nicht weil zu viele Abwehr-Beine im Weg gestanden hätten, sondern weil eine dicke Schneedecke das Frauen-Bundesliga-Spiel am Freitagabend zwischen dem VfL Wolfsburg und Turbine Potsdam zu einem winterlichen Zufalls-Festival machte. 3:2 hieß es am Ende für den VfL, Neuzugang Rebecka Blomqvist (in ihrem ersten Bundesliga-Spiel), Kathy Hendrich und Zsanett Jakabfi trafen für Wolfsburg.

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Die Wolfsburgerinnen, gewohnt, technische Vorteile auszuspielen, brauchten einen Weile, ehe sie mit den Bedingungen zurechtkamen. Bis dahin hatte Potsdam ein paar heiße Aktionen - allerdings weder heiß genug für eine Schneeschmelze, noch für ein Tor. Richtig brenzlig war es, als Hendrich nach einer Ecke wegrutschte, Ingrid Engen mangels festen Standes den Ball Richtung eigenes Tor beförderte, wo Felicitas Rauch den sicheren Grund eines geräumten Fünfmeter-Raums zur Rettungstat auf der Linie nutzte.

Volley-Schuss nach Flugball: Lena Oberdorf zeigte dann, dass man am besten so spielt, dass der Ball den Schneeboden gar nicht erst berührt - ihr Treffer zählte aber wegen Abseits nicht. Kurz danach bediente Engen per Kopf dann Hendrich, die den Ball von rechts direkt nach innen legte, wo er den schneefreien Fünfer erreichte - und wo Blomqvist technisch stark zum 1:0 abschloss.

Zeit anhalten, die Spielfläche wieder richten - das kennt man in Wolfsburg aus der Eis-Arena, im AOK-Stadion kam allerdings nicht die Eismaschine, vielmehr räumten nach einer halben Halbzeit Helfer zumindest die Linien vom Schnee. Die weißen Flocken rieselten allerdings unablässlich weiter - und bremsten den eigentlich zu weit vorgelegten Ball von Selina Cerci, die aus dann aus gut 20 Metern abzog. VfL-Keeperin Katarzyna Kiedrzynek, die zuvor schon zwei Potsdamer Ganzkörper-Rutschpartien schmerzhaft hatte bremsen müssen, war überrascht - 1:1. Nicht nur in dieser Szene drängte sich die Frage auf, warum dieses Spiel überhaupt angepfiffen wurde...


Aus einem Wer-als-Letzte-stehen-bleibt-schießt-Getümmel im Turbine-Strafraum ging im direkten Gegenzug dann Hendrich als Siegerin hervor, erzielte reaktionsschnell aus kurzer Distanz ihr erstes VfL-Tor und die erneute Wolfsburger Führung. Die bereits verwarnte Lea Bahnemann hatte dann zu viel Spaß am winterlichen Schlittern, sah nach einer Rutsch-Grätsche gegen Oberdorf Gelb-Rot.

In Unterzahl bleib Turbine frech, als der Ball nach der Pause auf der geräumten Linie des Wolfsburger Strafraums halbwegs normal hoppelte, zog Nina Ehegötz einfach mal ab - und traf aus 16 Metern zum 2:2. Jakabfi, schon vor der Pause für Fridolina Rolfö (muskuläre Probleme) eingewechselt, zeigte dann aber, warum sie die beste Wolfsburger Torschützin in dieser Saison ist - und machte das 3:2 für den VfL aus spitzem Winkel so eiskalt, wie sie auch bei wärmerem Wetter ist.

Mit dem Schneefall verschwand schließlich nach und nach die Potsdamer Hoffnung, auf den Wolfsburger Loipen doch noch zum Schlussspurt anzusetzen, der VfL brachte den stellenweise wilden Winter-Ritt sicher ins Tal - unter anderem mithilfe von Alexandra Popp, die als Einwechselspielerin ihr Comeback nach Verletzungspause feierte. Bei Turbine in der Schlussphase als Joker dabei: Anna Gerhardt, Schwester von VfL-Profi Yannick Gerhardt. Die beste Wolfsburger Chance der Schlussphase vergab in der 85. Minute die vor allem nach der Pause sehr agile Svenja Huth.

"Mentalität ist kein Zufall"

Wolfsburgs Ex-Potsdamerin Felicitas Rauch meinte nach dem Abpfiff, dass sie solche Bodenverhältnisse "nur bei abgesagten Spielen" schon mal gesehen habe und dass "viel Zufall dabei war". Aber: "Mentalität ist kein Zufall. Ich denke, wir haben es souverän gelöst, auch wenn wir am Anfang eine Weile gebraucht haben und da auch Glück dabei war." Am Ende war's vor allem "eine gute Teamleistung", das zeige im Titelkampf mit Tabellenführer Bayern, "dass wir eine Einheit sind und weitermachen wollen." Die Münchnerinnen treten am Sonntag gegen Meppen zu ihrem ersten Spiel des Jahres an und wollen dort ihren Fünf-Punkte-Vorsprung verteidigen.

VfL: Kiedrzynek - Hendrich, Doorsoun, Goeßling, Rauch - Engen, Obi - Wolter (67. Blässe), Huth (90.+2 Svava), Rolfö (33. Jakabfi) - Blomqvist (67. Popp).

Potsdam: Lind - Bahnemann, Elsig, K, Holmgaard, S. Holmgaard - Masjasz, Barth (81. Gerhardt) - Kössler (60. Chmielinski), Höbinger (45. Graf), Ehegötz (60. Weidauer) - Cerci (78. Mori).

Schiedsrichterin: Mika Derlin (Bad Schwartau)

Tore: 1:0 (23.) Blomqvist, 1:1 (30.) Cerci, 2:1 (31.) Hendrich, 2:2 (51.) Ehegötz, 3:2 (57.) Jakabfi.

Gelb-Rot: Bahnemann (42.).