15. April 2020 / 12:56 Uhr

Der schönste 96-Moment für Niclas Füllkrug? "Puh... Das Spiel in Sandhausen!"

Der schönste 96-Moment für Niclas Füllkrug? "Puh... Das Spiel in Sandhausen!"

Jonas Szemkus
Hannoversche Allgemeine / Neue Presse
Der ganze Tag war einfach nur unfassbar, so krass - Niclas Füllkrug ist immer noch ganz euphorisch, wenn er an das Aufstiegsspiel in Sandhausen zurückdenkt.
"Der ganze Tag war einfach nur unfassbar, so krass" - Niclas Füllkrug ist immer noch ganz euphorisch, wenn er an das Aufstiegsspiel in Sandhausen zurückdenkt. © Florian Petrow
Anzeige

Der Ball rollt nicht, er ruht - abgesehen vom Trainingsbetrieb. Corona sei Dank. Dafür bleibt Zeit, zurückzublicken auf frühere 96-Tage. Der SPORTBUZZER hat mit ehemaligen Profis unter anderem über ihren schönsten Moment bei den Roten gesprochen. Dieses Mal mit Torjäger Niclas Füllkrug.

Anzeige
Anzeige

Niclas Füllkrug freut sich über den Anruf aus Hannover, Heimat eben. Denn 96 ist und bleibt die alte Liebe. In Bremen fühlt sich der 27-Jährige wohl, sein aktueller Arbeitgeber ist nicht zuletzt auch der Ausbildungsverein. „Aber 96 wird immer mein Heimatverein und mein Herzensverein bleiben“, sagt der gebürtige Ricklinger.

"Das Derbytor gehört auf jeden Fall dazu"

Deshalb denkt er gerne an die drei Profijahre in der Heimat. Der schönste 96-Moment in seiner Zeit zwischen 2016 und 2019? „Puh. Das Derbytor gehört auf jeden Fall dazu“, sagt Füllkrug – der Kopfball zum 1:0-Heimsieg gegen Braunschweig. Am Mittwoch ist das auf den Tag genau drei Jahre her, und bis heute unvergessen für 96.

Auch den Erstliga-Saisontreffer Nummer 14 in Leverkusen werde er nie vergessen, sagt Füllkrug, durch den zog er mit Fredi Bobic als 96-Rekordschütze gleich. „So einen Rekord vergessen die Leute nicht“, sagt Fülle, „und ich werde das auch nie vergessen! Aber der allergeilste Moment war natürlich das Spiel in Sandhausen!“

Mehr über Hannover 96

Es ist der 21. Mai 2017, als nach einem 1:1 Hannovers Erstliga-Rückkehr feststeht – und die 96-Welt auf dem Kopf. Mit dem Abpfiff brechen alle Dämme, bei den Spielern und Tausenden mitgereisten Fans. Sie rennen auf den Rasen, feiern den Aufstieg mit: Ausnahmezustand, aber ein schöner.

Füllkrug klingt noch immer euphorisch

„Der ganze Tag war einfach nur unfassbar, so krass“, erinnert sich Füllkrug. Er klingt auch knapp drei Jahre nach dem Aufstiegstag noch euphorisch, wenn er davon spricht. „Das war eines der besten Erlebnisse meines Lebens. Du hast die ganze Zeit nur auf den Abpfiff gewartet und als er kam, war das einfach nur noch geil. Keine Ahnung, bis wann wir genau gefeiert haben“, erzählt Füllkrug und lacht.

Bis zum nächsten Morgen, nach kurzer Nacht geht’s weiter. Die 96-Party startet auf dem Rasen in Sandhausen, der danach übrigens aufwendig saniert und ausgetauscht werden muss, und endet praktisch fast eine Woche lang nicht. Nach der Rückkehr feiern die Profis in der extra angemieteten Szenebar 6 Sinne, wenige Tage später mit 40 000 Fans feuchtfröhlich auf dem Rathausplatz.

„Wir waren die ganze nächste Woche unterwegs“, schildert Füllkrug. Und er habe jede Sekunde davon genossen. „Die ganze Stadt und der Verein, alle haben sich einfach so unfassbar nah und verbunden gefühlt. Das war sehr emotional – eine Erinnerung, die uns immer zusammenschweißen wird.“ Zum Party-Abschluss geht’s dann noch nach Mallorca. Läuft!

Niclas Füllkrug - seine Stationen in Bildern

Niclas Füllkrug im Jahr 2010, damals spielte er bereits in der Jugend von ... Zur Galerie
Niclas Füllkrug im Jahr 2010, damals spielte er bereits in der Jugend von ... © Imago

Der Aufstieg ist ein besonderes Erlebnis, das die 96-Mannschaft formen wird. „Wir waren als Team einfach unheimlich eng“, sagt Füllkrug. „Das war eine unserer Stärken: mannschaftliche Geschlossenheit. Wir haben das Jahr danach mit fast derselben Mannschaft in der 1. Liga genauso bestanden.“

Aufsteiger-Whatsapp-Gruppe existiert noch

Der Mittelstürmer weiß es noch genau: „Ich habe die ersten acht Spiele kein einziges Tor gemacht, aber ich bin nach jedem Spiel glücklich nach Hause gefahren.“ Ein großer Teil des Aufstiegsteams hält bis heute Kontakt, verrät Fülle, und auch die Whatsapp-Gruppe gibt es noch.

Mit dabei sind einige seiner Lieblingsmitspieler aus den 96-Jahren. „Wen soll ich denn da auswählen?“, fragt Füllkrug fast ein wenig vorwurfsvoll: „Eigentlich muss ich alle nennen, die sind alle super!“ Zwei Namen hebt er nach etwas Bedenkzeit doch hervor. „Mit Felix Klaus habe ich noch immer sehr engen Kontakt“, verrät er. Der zweite: Torwart Philipp Tschauner. „Wie er unsere Mannschaft geführt hat, war einfach stark. Er hat auch mich an die Hand genommen. Er hat mir viel gezeigt und so viel gegeben.“

Top-Torschützen in Bildern: die 50 erfolgreichsten Torjäger in der Geschichte von Hannover 96 (Stand: Juni 2020)

Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. Zur Galerie
Bilderstrecke: die 50 erfolgreichsten Torjäger von Hannover 96. ©

Füllkrug reifte in Hannover zu dem Stürmer, der er heute ist: selbstbewusst, mit klarem Ziel vor Augen, gleichzeitig auf dem Boden geblieben. Gute Leistungen wecken Begehrlichkeiten, nach dem 96-Abstieg kauft Werder ihn im vergangenen Sommer für 6,5 Millionen Euro aus Hannover weg. So bleibt Füllkrug in der 1. Liga.

"Ich bin auf einem ganz guten Weg"

Doch die Gesundheit macht neue Probleme. Im September 2019 reißt im Abschlusstraining vorm fünften Saisonspiel das Kreuzband, vor wenigen Wochen muss er noch mal operiert werden. „Durch die Kreuzband-OP sind ein, zwei Vernarbungen entstanden, das passiert mal, da wurde ein bisschen nachjustiert“, erklärt Füllkrug. Er wird Werder noch ein paar Monate fehlen, aber: „Mir geht’s gut, ich bin auf einem ganz guten Weg.“

Und bis zur Rückkehr auf den Platz gibt es auch zu Hause einiges zu tun. Der Profi und Ehefrau Lisa sind im August zum ersten Mal Eltern geworden, es ist eine Tochter. „Sie gibt uns viel, das ist eine unglaublich schöne Erfahrung,“, erzählt der stolze Papa.

Schön findet Füllkrug übrigens auch, dass es in Hannover zuletzt wieder aufwärts ging. „Ich gucke noch immer jedes 96-Spiel“, verrät er und hat noch einen Wunsch: „Ich freue mich drauf, wenn wir uns bald endlich wiedersehen – natürlich in der 1. Liga!“