13. März 2022 / 18:05 Uhr

Schon 40 Gegentore: So undicht war Wolfsburg lange nicht mehr

Schon 40 Gegentore: So undicht war Wolfsburg lange nicht mehr

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Gegentor Nummer 40 in dieser Saison: Danach war nicht nur Max Kruse (l.) vom VfL Wolfsburg sauer.
Gegentor Nummer 40 in dieser Saison: Danach war nicht nur Max Kruse (l.) vom VfL Wolfsburg sauer. © IMAGO/Jan Huebner
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Der VfL Wolfsburg hat in Freiburg drei Gegentore hinnehmen müssen und hat jetzt schon insgesamt 40 kassiert. Nicht gut: So undicht waren die Niedersachsen lange nicht mehr. VfL-Stürmer Max Kruse schimpft, Trainer Florian Kohfeldt ist ebenfalls unzufrieden, er nimmt seine Abwehrspieler aber auch in Schutz.

Es ist jetzt nicht so, dass der VfL in der Rückrunde eine Packung nach der anderen bezogen hat, aber obwohl der Wolfsburger Fußball-Bundesligist nach schlechter Hinrunde im neuen Jahr stabiler ist, hatte er in fast jedem Spiel mit Problemen in der Defensive zu kämpfen. 40 Gegentore haben die Niedersachsen nach 26 Spieltagen bereits kassiert. In den vergangenen zehn Jahren waren sie zu diesem Saison-Zeitpunkt nur einmal schlechter.

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In der Spielzeit 2011/12 hatte der VfL nach 26 Partien bereits 47 Gegentore hinnehmen müssen, in den beiden Saisons danach waren es wie jetzt 40 Gegentreffer. Danach war der VfL zu diesem Zeitpunkt immer besser – selbst in den Spielzeiten 2016/17 (37) und 2017/18 (36) mit der jeweiligen Rettung erst in der Relegation waren die Wolfsburger hinten nicht so undicht wie in der laufenden Runde. Ebenfalls nicht gut: Das 0:1 am Samstag bei der 2:3-Niederlage in Freiburg war Gegentreffer Nummer 38 in dieser Saison. Zum Vergleich: In der kompletten letzten Spielzeit waren es insgesamt nur 37 Gegentore, die Wolfsburger stellten damit nach RB Leipzig (32) die zweitbeste Abwehr der Liga.

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Aber: Die VfL-Defensiven vor einem Jahr und in dieser Saison trennen Welten. „Wir haben, auf gut Deutsch gesagt, scheiße verteidigt“, redete VfL-Torschütze Max Kruse nach dem 2:3 in Freiburg nicht lange um den heißen Brei herum. Es ist zwar nicht überliefert, wie es seine Kollegen – vor allem die, die für die Defensive zuständig sind – finden, wenn Kruse den Finger derart in die Wunde legt, zumal er das nicht zum ersten Mal gemacht hatte, gleichwohl war seine Analyse treffend. Vorm 0:2 war der Spielaufbau von Sebastiaan Bornauw viel zu schlampig, als er die Kugel zum stark unter Gegnerdruck stehenden Xaver Schlager passte. Nur ein paar Sekunden später traf Vincenzo Grifo, weil Maxence Lacroix im Abwehrzentrum die Hereingabe unglücklich verlängerte. Viel schlimmer aber noch: John Anthony Brooks hatte Grifo nicht wirklich im Blick und so hatte der Freiburger bei seinem sehenswerten Treffer viel zu leichtes Spiel.

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Und vorm 2:3 von Nico Schotterbeck gab dann Lacroix keine gute Figur ab, als er vorm eigenen Strafraum nicht entscheidend klären konnte, was jedoch mit einem besseren Timing möglich gewesen wäre. „Wir kommen so stark zurück, machen das 2:2 – und dann lassen wir uns die Butter wieder vom Brot nehmen. Das nervt einfach“, so Kruse sauer. „Das sind Gegentore, die kriegen wir in den letzten Wochen zu viel. Das sind Gegentore, die Punkte kosten.“

Das weiß auch der Trainer, der von „groben individuellen Fehlern“ sprach. Aber Kohfeldt ist keiner, der öffentlich einen Spieler an die Wand nagelt, wie er mal sagte. Der Coach nahm das gesamte Team mit in die Pflicht. „Wir haben als Mannschaft nicht gut verteidigt“, sagte er vor dem Duell am Sonntag gegen Top-Team Bayer Leverkusen, das nach Spitzenreiter Bayern München (77 Treffer) neben Borussia Dortmund mit die beste Offensive der Liga zu bieten hat.

In dieser Partie dürfte er erneut auf die in Freiburg so schwache Defensiv-Kette mit Brooks und Co. bauen, obwohl der VfL in Freiburg in der „ersten Halbzeit weit weg vom Limit“ war, wie Kohfeldt erklärte. Und dennoch forderte der 39-Jährige dazu auf, bei der Bewertung der Fehler nicht zu vergessen, wie jung etwa Lacroix (21) und Bornauw (22) noch sind. Der Trainer: „Maxence und Seb sind sehr junge Spieler. Die wirken sehr gestanden, weil sie groß und kräftig sind.“ Aber: „Die Jungs sind jung, sie machen Fehler. Die Saison geht nicht komplett spurlos an ihnen vorbei, da will ich sie ein bisschen in Schutz nehmen.“