08. September 2021 / 21:34 Uhr

Schon einer für Flick? Wolfsburgs Nmecha findet's "nicht fair gegenüber denen, die da gespielt haben"

Schon einer für Flick? Wolfsburgs Nmecha findet's "nicht fair gegenüber denen, die da gespielt haben"

Andreas Pahlmann
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Zwölf Tore in 20 Spielen für die deutsche U21: Lukas Nmecha hat sich längst in den Dunstkreis der A-Auswahl geschosen
Zwölf Tore in 20 Spielen für die deutsche U21: Lukas Nmecha hat sich längst in den Dunstkreis der A-Auswahl geschosen © Boris Baschin / AP
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Braucht Deutschland endlich wieder einen echten Mittelstürmer? Ist Lukas Nmecha vom VfL Wolfsburg die Lösung? Gegenüber dem SPORTBUZZER hat sich der 22-Jährige erstmals selbst dazu geäußert: "Ich muss mich noch in vielen Bereichen verbessern."

Natürlich sei er für Deutschland gewesen, als er mit Freunden das EM-Achtelfinale im Juli gegen England geschaut hat. Was für eine Frage. Wenn sich Lukas Nmecha einmal entschieden hat, dann bleibt er dabei. Der deutsch-englische Stürmer des VfL Wolfsburg, geboren in Hamburg und aufgewachsen in Manchester, hat diese Entscheidung vor zweieinhalb Jahren getroffen. Zuvor hatte er seit 2013 insgesamt 31 Mal für Englands U-Teams gespielt, im Finale der U19-EM 2017 sogar das Siegtor erzielt. Dann überzeugte ihn Deutschlands U21-Nationaltrainer Stefan Kuntz. "Es war seine Energie", sagt Nmecha. Heute weiß der 22-Jährige, dass es richtig war - denn er gilt längst auch als Kandidat für den Neuaufbau der A-Nationalmannschaft unter Hansi Flick.

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Nach dem mühsamen 2:0 gegen Liechtenstein in der vergangenen Woche brandete die Diskussion auf: Braucht Flick nicht einen Torjäger wie Nmecha, der sich mit zwölf Toren in 20 U21-Länderspielen nachhaltig empfohlen hat? Nach dem 6:0 gegen Armenien ebbte diese Diskussion schnell wieder ab. Nmecha selbst beobachtet das alles gelassen. Über ihn zu reden, sei "nicht fair gegenüber denen, die da gespielt haben", findet er. Dass es trotzdem passiert und dass sich Flick schon bei Wolfsburg-Coach Mark van Bommel nach ihm erkundigt hat, hat er natürlich mitbekommen. "Wenn das dann dazu führt, dass ich mal eine Chance bekomme, wäre das schon okay", sagt er lachend. Aber wichtiger ist: "Ich muss mich noch in vielen Bereichen verbessern. Wenn ich mich weiter entwickle, wird sich das schon ergeben."

Beispiele gibt es genug. David Raum, Florian Wirtz oder auch Karim Adeyemi gehören zu den Spielern, die jüngst den Sprung von der U21 in Flicks Kader geschafft haben. Nmecha: "Gerade aus unserer U21-EM-Mannschaft sind jetzt einige in die Bundesliga gewechselt und haben auch den Sprung in die A-Auswahl geschafft." Und die U21-Erfahrung unter Trainer Kuntz habe allen in ihrer Entwicklung geholfen. "Wenn es wie bei uns in der U21 in der Mannschaft stimmt, dann hilft das immer auch jedem einzelnen dabei, besser zu werden."

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Dass Flick unter Umständen einen echten Mittelstürmer braucht, diese Planstelle in Wolfsburg aber von Wout Weghorst besetzt wird, sieht Nmecha nicht als Problem - sondern als Chance. "Ich bin ja nicht zum VfL gekommen, um direkt zu spielen und um direkt der Beste zu sein. Wenn ich Wout im Training erlebe, kann ich enorm viel lernen, das pusht mich. Und wenn ich mein Bestes liefere, dann werde ich es schon schaffen." Und das möglicherweise über einen "Umweg", denn Nmecha kann auch hinter der Spitze oder auf den Flügeln spielen. "Jeder weiß, dass ich die Nummer 9 sein möchte, Mittelstürmer", sagt er. Aber: "Ich spiele auch auf den anderen Positionen, ich lerne überall."

Als er 2019 bereits für ein halbes Jahr in Wolfsburg war, hatte er kaum Einsatzzeiten. Jetzt sind es in dieser Saison immerhin schon ein Startelf-Einsatz im Pokal und zwei Einwechslungen am zweiten und dritten Bundesliga-Spieltag, nachdem er den Liga-Auftakt angeschlagen verpasst hatte. Und beim 2:1-Sieg in Berlin schoss er sein erstes Bundesliga-Tor. "Man möchte immer mehr", sagt er, "das ist ganz normal. Und dass ich jetzt immer reinkomme, ist schon besser als beim ersten Mal beim VfL...."