14. Januar 2022 / 14:34 Uhr

Schon elf Gegentore: Standards sind ein Wolfsburger Standard-Problem

Schon elf Gegentore: Standards sind ein Wolfsburger Standard-Problem

Engelbert Hensel
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung
Eines von zu vielen Standard-Gegentoren für den VfL: Philipp Lienhart (l.) trifft nach Freistoß-Flanke zur Freiburger Führung in Wolfsburg. Florian Kohfeldt (r.) hat das Problem erkannt.
Eines von zu vielen Standard-Gegentoren für den VfL: Philipp Lienhart (l.) trifft nach Freistoß-Flanke zur Freiburger Führung in Wolfsburg. Florian Kohfeldt (r.) hat das Problem erkannt. © Roland Hermstein
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Der VfL Wolfsburg hat in dieser Saison viele Probleme. Ein Problem sind die vielen Gegentore nach Standards. Was tun? Trainer Florian Kohfeldt hat das Problem längst erkannt.

Der VfL Wolfsburg hinten dicht – das ist längst Geschichte: In der vergangenen Saison hatten die Niedersachsen mit 37 Gegentoren nach 34 Spieltagen in der Fußball-Bundesliga die zweitbeste Abwehr der Liga. In dieser Spielzeit sind es nach 18 Spieltagen bereits 30 Gegentreffer. Mehr haben nur der kommende Gegner Hertha (38), Gladbach (33) sowie Stuttgart (31) und Schlusslicht Fürth (49) hinnehmen müssen. Beunruhigend: Elf der 30 Gegentore in der Liga kassierten die Wolfsburger nach ruhenden Bällen – nur bei Hertha (13) und Schlusslicht Fürth (15) hat’s nach Standards häufiger eingeschlagen.

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Wenn der Ball ruht, pennt der VfL - die Standards des Gegners sind zu einem Standard-Problem der krisengebeutelten Wolfsburger (acht Pflichtspiel-Niederlagen in Folge) geworden. Auch deshalb hat das Team von Trainer Florian Kohfeldt bereits sechsmal in Folge in der Liga verloren und spielt nicht wie geplant um Europa, sondern gegen den Abstieg. Aber: Worauf ist es zurückzuführen, dass die Wolfsburger bei Ecken oder Freistößen derart große Probleme haben? Ist das einzig eine Konzentrationsschwäche? „Nein“, winkt Mark-van-Bommel-Nachfolger Kohfeldt, der erst im Oktober übernahm, ab. „Das waren auch fehlende Positionierungen, fehlende Absprachen beim Verteidigen in der Box.“

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Der VfL und die Standards - bereits beim peinlichen Pokal-Aus nach Wechselfehler in Runde eins bei Preußen Münster hatte VfL-Keeper Koen Casteels nach einer Standardsituation hinter sich greifen müssen – nach einer Ecke hatte die Kugel im VfL-Netz gezappelt. Beim 1:3 bei 1899 Hoffenheim gab's ebenfalls einen Gegentreffer nach einer Ecke und einen nach einem Freistoß. Damit aber nicht genug: Beim 1:3 gegen Gladbach hatte der Gegner erneut nach einer Ecke getroffen, beim 1:3 in Salzburg in der Champions League waren es gleich zwei Treffer nach Ecken und beim 0:2 am neunten Spieltag hatte Freiburg nach einem Freistoß von außen getroffen. Hinzu kommen etwa noch Elfmeter-Gegentreffer im Hinspiel bei Hertha, in der Champions League gegen Sevilla, beim 2:2 in Bielefeld und beim 1:3 gegen Dortmund. Strafstöße werden bei Standards mitgezählt.


Kohfeldt und sein Trainerteam arbeiteten vom ersten Tag an an diesem Standard-Problem. „Das ist der einzige Bereich, den wir konstant trainiert haben und auch trainieren konnten, weil es dafür keine hohe Intensität braucht“, so der Coach. Wegen der vielen Spiele damals noch war es schwierig für ihn, auch andere Defizite im VfL-Spiel konsequent anzugehen. Das Standard-Problem jedoch konnte er anpacken.

„Wir haben in Mainz dann noch mal Gegentore bekommen über Standards.“ Das zwischenzeitliche 0:2 war nach einer kurz ausgeführten Ecke gefallen, das 0:3 nach einem Freistoß von der linken Seite. „Ansonsten finde ich, wenn man es als Entwicklung über die Saison sehen möchte, haben wir uns da, was die defensiven Standards betrifft, verbessert“, sagt Kohfeldt und fügt hinzu: „Bei den Offensiv-Standards dagegen haben wir uns leider die eine oder andere Chance weggenommen.“ Der 39-Jährige dachte da an das Heimspiel gegen Dortmund, als etwa Dodi Lukebakio und Wout Weghorst nach Standards hätten treffen können.

Wie immer vor den Spielen hat Kohfeldt auch diesmal sein Team in den Geheim-Einheiten vorm Hertha-Spiel Standards trainieren lassen – in der Defensive und in der Offensive. Gut für den VfL: Hertha ist in Sachen Standards in dieser Saison im Tabellenkeller anzusiedeln, denn: Am vergangenen Wochenende gegen Köln erzielten die Berliner ihr erstes Standard-Tor unter Coach Tayfun Korkut und zudem das erste direkte Freistoß-Tor seit dem 15. September 2018. Das allerdings erzielte Ondrej Duda (jetzt 1. FC Köln) damals ausgerechnet beim 2:2 in Wolfsburg...