16. November 2020 / 15:37 Uhr

Schönberg-Keeper Przemyslaw Szymura: Aus dem Käfig in den Kasten

Schönberg-Keeper Przemyslaw Szymura: Aus dem Käfig in den Kasten

Christian Falkenberg
Ostsee-Zeitung
Przemyslaw Szymura, Torwart FC Schönberg
Przemyslaw Szymura (r.), Torwart des FC Schönberg. © Jens Upahl
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Przemyslaw Szymura hat mit 27 Jahren bereits eine bewegte sportliche Vergangenheit. Er kennt Polens Stürmerstar Akardiusz Milik gut und fühlt sich reif für höherklassigen Fußball.

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Normalerweise sollte man meinen, dass ein Fußballer, der in 9 Jahren bei 12 verschiedenen Vereinen gespielt hat, alles andere als zielstrebig und ehrgeizig ist. Es würde auch wenig Sinn machen, alle Vereine von Przemyslaw Szymura, dem Keeper des Verbandsligisten FC Schönberg 95 aufzuzählen, da das wichtigste Kapitel seiner Karriere mit seinem Wechsel zu den Maurinekickern begann. Dabei hätte es beinahe eher nach dem Ende einer möglicherweise ungewöhnlichen Karriere ausgesehen. „Ich fing an, mich vor Fußball zu ekeln. Bei meiner letzten Station in Polen habe ich nur trainiert – wenn überhaupt. Teilweise wurde ich nur angemeldet“, resümiert der 27-Jährige und ergänzt: „Ich bin aber auch kein einfacher Typ und sage den Menschen direkt meine Meinung. Sowas kommt nicht immer gut an.“

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Dass Szymura auch Fehler gemacht und falsche Entscheidungen getroffen hat, gibt er dabei fast reumütig zu. „Der größte Fehler war, dass ich von Cracovia Krakau weggegangen bin. Die haben eine der besten Nachwuchsakademien in Polen. Ich bin überzeugt, meine Karriere wäre mit etwas mehr Demut und weniger Eitelkeit besser verlaufen. Aber ich konnte damals nur schwer verkraften, wenn beispielsweise der Sohn eines Sponsoren mir vorgezogen wurde“, schmunzelt der Schlussmann. Gewechselt ist er damals zu Polonia Bytom, wo er zwischenzeitlich acht Monate lang wegen finanzieller Schwierigkeiten seines Vereins keinen Lohn bekam.

Das sind die Kapitäne in der Verbandsliga:

Philipp Unversucht beim Kopfball. Zur Galerie
Philipp Unversucht beim Kopfball. ©

Stolz erwähnt Szymura, dass er in seiner Jugendzeit in der U19 von Rozwoj Katowice mit Arkadiusz Milik zusammen spielte. Der Mittelstürmer ist 2016 für 32 Millionen Euro von Ajax Amsterdam zum SSC Neapel gewechselt. Seitdem steigerte der polnische Nationalspieler seinen Marktwert auf 40 Millionen Euro. „Ich habe sogar seine Telefonnummer, und ab und zu sehen wir uns auch in der Heimat“, freut sich der Schlussmann.

Während sein ehemaliger Kollege auf internationalem Parkett für Furore sorgte, nahm sich Szymura eine ganz spezielle Auszeit vom Fußball. Er betrieb drei Jahre lang so genanntes Cage-Boxing (Käfig-Boxen). „Das hat richtig Spaß gemacht und sogar etwas Geld in die Kasse gebracht“, erzählt Szymura. Mehr sagt er dann aber doch nicht zu dieser Epoche.

Ab 2016 startete er dann seinen letzten Versuch, im Fußball Karriere zu machen. „Ich ging nach Deutschland und bekam die Möglichkeit, bei Strand 08 in der Oberliga Schleswig Holstein zu spielen.“ Sein schönstes Erlebnis: „Ein 2:2 in einem Testspiel gegen den HSV – und ich habe die Mannschaft als Kapitän angeführt.“

Nach einer kurzen Gastrolle beim Oberligisten FC Dornbreite wechselte er 2018 zum FC Schönberg. Hier hat der Keeper alles dem Fußball und einem möglichen Engagement bei einer höherklassigen Mannschaft untergeordnet. Er leitet ein Fitnesstudio, bezahlt aus eigener Tasche zusätzliche Trainer, die auf seine Ernährung achten und betreibt mit einem polnischen Spielanalytiker, der auch den Nationaltorhüter betreute, Videoauswertungen seiner Partien. „Mittlerweile ticke ich wie ein Profi und traue mir sogar mindestens Regionalliga zu“, betont Szymura selbstbewusst und legt sogar nach. „Wenn ich mir manche Spieler in der Verbandsliga angucke, dann frage ich mich, warum ich jeden Morgen um sechs ins Fitnesstraining gehe.“

Schönberg-Torhüter Przemyslaw Szymura (r.) 2015 als Käfig-Boxer neben Arkadiusz Milewski.
Schönberg-Torhüter Przemyslaw Szymura (r.) 2015 als Käfig-Boxer neben Arkadiusz Milewski. © privat

Auf die Frage, warum er erst mit 27 Jahren so zielorientiert tickt, zuckt Szymura mit den Schultern. „Ich glaube, dass ich früher einfach zu stur war und mit meinen 1,81 Metern auch kein Gardemaß habe. Aber dann dürften Fabien Barthez oder Iker Casillas auch nicht im Tor gestanden haben“, schmunzelt der FCS-Schlussmann. „Außerdem fühle ich mich in Schönberg angekommen. Wir haben eine super Sportanlage, ein tolles Stadion und allgemein eine für die Verbandsliga tolle Infrastruktur. Hier fühle ich mich wohl. Schönberg ist schon eine gute Adresse.“